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Jugoslawien

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An Titos Hof
Ein gewisser Hang zur feudalen Hofhaltung wurde Tito schon während der Partisanenzeit nachgesagt. Natürlich war Luxus damals nur begrenzt möglich. Richtig los ging es ab Oktober 1944: Tito besichtigte unmittelbar nach dem Einzug in Belgrad die königlichen Paläste auf dem Hügel Dedinje und befahl ihre Wiederherstellung. Besonders gut gefiel dem Marschall der neoklassizistische Weiße Hof des Prinzen Paul. Doch: "Die Neigung zum Luxus war nebensächlich…, bemerkt Milovan Djilas in seiner Tito-Biografie. "Wesentlich daran ist die Macht…, die Herstellung der absoluten, autokratischen Macht."

Djilas beschreibt auch die Haltung des jugoslawischen Volkes zu Titos Lebensstil, den der einstige Partisanenführer übrigens nie verheimlichte: "So war es… schon immer gewesen, und man lächelte nur über die Versprechen der Kommunisten, dass mit ihrem Machtantritt … ein Zeitalter der Entsagung, Bescheidenheit und Gleichheit beginne." Tito, so Djilas, "benötigte den äußeren Schein nicht nur wegen seines inneren Antriebs als Emporkömmling…, sondern auch als Ersatz für seine ideologische Unbedeutendheit und Ungelehrtheit." Beim Weißen Hof allein blieb es nicht: Villen auf Adriainseln gehörten bald ebenso zum Bestand wie teure Gemäldesammlungen, Schmuck, Keramik…

"Zweifellos war Tito der teuerste Herrscher seiner Zeit," resümiert Djilas. Am bezeichnendsten ist vielleicht, dass der Marschall mit alldem Schritt für Schritt seine Umgebung korrumpierte. "Unter dem Personal brachen kleine Affären aus - Diebstähle, Intrigen, Eifersüchteleien," erinnert sich Djilas. "Tito wunderte sich über die Maßen: Unglaublich, wie verdorben doch die Leute um mich herum werden! … Sie wurden durch ihre unmittelbare Nähe zur Macht, der sie dienten, verdorben, und durch die grenzenlosen, willkürlichen Möglichkeiten, die sich ihnen boten."