Waffe der Herrscher
Die ersten Kanonen, im 15. Jahrhundert, erzeugten vorwiegend Schall und Rauch. Das aber änderte sich - leider. Menschlicher Erfindergeist ist unerschöpflich, wenn es ums Töten geht.Das Feldgeschütz M-198 der US Army ist das Ergebnis von fünf Jahrhunderten todbringender Entwicklung.
Anonyme Vernichtung
Ernst Jüngers Tagebuch In Stahlgewittern ist gespickt mit Schilderungen wie dieser. Der Erste Weltkrieg, Jünger durchlebte ihn bis zum Ende, brachte den furiosen Höhepunkt beim Einsatz von Artillerie - des technischen Mittels, das den Kampf wie kein zweites entindividualisierte, Tod und Vernichtung anonym werden ließ.
Maschinentod
Anonym, zu oft unkenntlicher Fleischmasse zerfetzt, wurden auch die Opfer. Den "Ausbruch der Elemente" bewirkte die Maschine par excellence, gefühllos und unermüdlich. Ihr Bediener war der ins kriegerische gewendete Industriearbeiter, der den Tod gleichsam am Fließband produzierte: Kanonen - schwere Artillerie, Feldartillerie und Grabenartillerie - verursachten rund zwei Drittel der über sechs Millionen Verluste, die alle Kriegsparteien zwischen 1914 und 1918 erlitten.
Vor mehr als fünfhundert Jahren…
Solchem makabren Höhepunkt ging ein langer Prozess voraus, in dem gesellschaftliche und technologische Entwicklungen einander bedingten. Schon 1415 bei der Schlacht von Agincourt, während des Hundertjährigen Krieges zwischen Engländern und Franzosen, sollen Kanonen beteiligt gewesen sein.
In Trümmern
Die eigentliche Geburtsstunde der Artillerie, als effektives Mittel zum Führen bewaffneter Konflikte, fällt aber in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts: Geschütze feuerten nun schmiedeeiserne Kugeln ab, welche selbst dickste Mauern der traditionellen Burgen und Kastelle in Trümmer legten.
Ultima ratio regio
Im Verlauf der Feldzüge Kaiser Karls VIII. nach 1494 wurde das Potenzial des neuen Instruments offenbar. Immense Kosten für Beschaffung und Transport konnten Herrscher nur erbringen, sofern sie über ausreichende Ressourcen verfügten. Dafür erhielten sie ein Mittel an die Hand, das bisher unabhängige Regionalgewalten zur Unterwerfung zwang. Besitz von Kanonen bedeutete Zentralisation von Macht!
Selbst die Antwort auf die neue Waffe, die italienische Festungsarchitektur des 16. und 17. Jahrhunderts, war derart teuer, dass sie fast ausschließlich den immer raumgreifenderen Zentralgewalten vorbehalten blieb. Das Wort von der ultima ratio regio - sinngemäß: das letzte Argument der Könige - prangte auf kunstvoll gegossenen Kanonenläufen: Ohne Kanonen wäre es niemals zur Entfaltung moderner europäischer Nationalstaatlichkeit gekommen...
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Kanonenfutter...
ist ein aufs engste mit der industrialisierten Kriegführung verbundenes Wort. Zwar ist das ganz bewusste Aufopfern "minderwertiger" eigener Truppen zwecks Erschöpfen des Gegners eine alte Methode; doch erfuhr der Begriff - entstanden um das Ende des 19. Jahrhunderts aus der Wendung food for powder (etwa: Pulverfutter) - in den Abnutzungsschlachten des Ersten Weltkriegs tödliche Aktualität: Oft gingen nämlich durch den gewaltigen Einsatz schwerer Geschütze größere Teile von Einheiten schon lange vor Erreichen der Kampflinie verloren.
ist ein aufs engste mit der industrialisierten Kriegführung verbundenes Wort. Zwar ist das ganz bewusste Aufopfern "minderwertiger" eigener Truppen zwecks Erschöpfen des Gegners eine alte Methode; doch erfuhr der Begriff - entstanden um das Ende des 19. Jahrhunderts aus der Wendung food for powder (etwa: Pulverfutter) - in den Abnutzungsschlachten des Ersten Weltkriegs tödliche Aktualität: Oft gingen nämlich durch den gewaltigen Einsatz schwerer Geschütze größere Teile von Einheiten schon lange vor Erreichen der Kampflinie verloren.



