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Kriegsgefangenschaft

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Zeithain - vom Stalag zur Gedenkstätte
Sechzig Front-Stalags, also Mannschafts-Stammlager für sowjetische Gefangene, gab es ab 1941 im Generalgouvernement und auf besetztem sowjetischen Territorium. 14 Standorte existierten innerhalb des Deutschen Reiches. In jedem der Lager war die Unterbringung von bis zu 30.000 Kriegsgefangenen vorgesehen.

Das Lager Zeithain bei Riesa (Stalag IV H) war für die damaligen Verhältnisse typisch: Auf dem Gebiet eines ehemaligen Truppenübungsplatzes gelegen, besaß es hinreichende Verkehrsanbindung, konnte aber auch leicht von der Umgebung abgeschirmt werden.

Von April bis Juni 1941 erstreckte sich die organisatorische Vorbereitungsphase, nachdem klar war, dass große Anzahlen sowjetischer Gefangener untergebracht werden müssen. Ab Juli bauten zweitausend Gefangene Unterkünfte für Wachen und Wirtschaftsgebäude. Ab September errichteten sie die erste Gefangenenbaracke.

Von den bis Ende 1941 ins Lager Zeithain gesteckten rund zehntausend Gefangenen fielen etwa siebentausend schon beim Aufbau der schlechten Hygiene und unzureichenden Ernährung zum Opfer. Einsatzgruppen selektierten rund tausend Insassen, die in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert wurden.

Ab September 1942 wandelte sich das Lager Zeithain schrittweise zum Lazarett für in Arbeitskommandos Verunglückte oder Erkrankte. Eine Besserung der Lebensbedingungen ging damit nicht einher. 25.000 bis 30.000 sowjetische Kriegsgefangene sowie 900 Gefangene aus anderen Ländern, mehrheitlich Italiener, sind in Zeithain verstorben.

Die heutige Gedenkstätte auf dem einstigen Lagergelände entstand aus einem Ehrenhain, den die sowjetische Militäradministration anlegen ließ. Ab 1977 begannen Aufarbeitungsversuche in der DDR. Begründet wurde das nicht mit dem Leid der Gefangenen schlechthin, sondern mit Berichten über einen "antifaschistischen" Widerstand innerhalb des Lagers.

"Nach 1989", heißt es auf der Homepage der Gedenkstätte, "stellten Sparmaßnahmen und allgemeines Desinteresse den Fortbestand in Frage." 1997 schrieb der Historiker Jörg Osterloh im Rahmen einer Stiftungsförderung die erste Gesamtdarstellung der Lagergeschichte.

Heute können Besucher eine Dauerausstellung im Hauptgebäude sowie eine wiedererrichtete Gefangenenbaracke besichtigen. Auch die vier sowjetischen Friedhöfe und der italienische Soldatenfriedhof sind in die Gedenkstätte einbezogen.

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Gefangen in der Sowjetunion
Rund 3,15 Millionen Soldaten der Wehrmacht gerieten zwischen 1941 und 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Rund 1,11 Millionen kamen dabei um.

Anders als auf deutscher Seite war das sowjetische Verhalten Gefangenen gegenüber nicht von ideologisch motiviertem Vernichtungswillen geprägt. Aus systematisch geschürtem Hass geborene Brutalität war freilich nicht selten. Völkerrechtswidrige Tötungen von Gefangenen kamen laut deutschen Berichten vor allem im Frontbereich vor - und betrafen zu einem erheblichen Teil Angehörige der Waffen-SS.

Das Elend deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion ergab sich weitestgehend aus dem gleichen Mangel an Nahrungsmitteln und sonstigen Ressourcen, an dem auch die sowjetische Zivilbevölkerung litt.

Zweifellos hatte auch die sowjetische Seite dramatische organisatorische Probleme, als ihr erstmals große Mengen deutscher Soldaten in die Hände fielen: Von den rund 91.000 im Januar und Februar 1942 bei Stalingrad gefangenen Wehrmachtsangehörigen überlebten nur wenige.

Entgegen den Regeln des Völkerrechts hielt die Sowjetunion Zehntausende deutsche Gefangene bis ins Jahr 1955 hinein in Gewahrsam. Erst nach einem Besuch des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer im September 1955 in Moskau und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen wurden die letzten Gefangenen freigelassen.