Lebenslänglich
Neben physischen Verletzungen sind es häufig seelische Wunden, die den Soldaten zu schaffen machen. Die Erinnerung an das Erlebte lässt sie nicht los, begleitet viele sogar bis ans Lebensende.Patrouille im irakischen Mossul im August 2003: Solche Einsätze bedeuten für viele Soldaten extremen psychischen Stress.
Jeder dritte Soldat traumatisiert
200.000 Männer und Frauen, die als Soldaten in der irakischen Wüste eingesetzt waren, benötigen psychologische Hilfe. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Pentagon in Auftrag gegebene Studie zur "geistigen Gesundheit der kämpfenden Truppe", die im Jahr 2003 im New England Journal of Medicine erschien. Demnach kam ein Drittel aller Irak-Veteranen traumatisiert nach Hause zurück.
Altbekanntes Syndrom
Die Erinnerungen an den Krieg werden für viele Soldaten zur dauerhaften Belastung - doch die Armee spielt psychische Störungen häufig herunter. Dabei ist das Syndrom lange bekannt: Im Ersten Weltkrieg wurde es als Granatenschock oder Schützengraben-Neurose bezeichnet. Damals beobachtete man, dass Soldaten, die tagelang eingeengt im Schützengraben liegend unter Beschuss standen, nach dem Krieg oft mit nervösen Erschöpfungszuständen, Aggressionen oder anderen mentalen Problemen kämpften.
Wissenschaftliche Anerkennung
Solche und andere Symptome - wie zum Beispiel Albträume, Depressionen, Panikattacken, Schlaflosigkeit oder so genannte Flash-backs, also immer wiederkehrende Bilder einer traumatischen Situation - werden heute unter dem Begriff post-traumatic stress disorder (PTSD), zu deutsch "posttraumatische Belastungsstörung", zusammengefasst. Wissenschaftlich anerkannt ist die Krankheit erst seit 1980, als die Resultate detaillierter Untersuchungen an Vietnam-Veteranen vorlagen. Man sprach deshalb lange auch vom Vietnamsyndrom.
Stigmatisiert und unverstanden
Für den Alltag der Betroffenen hatte die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen allerdings kaum positive Auswirkungen. Annähernd ein Drittel aller Vietnam-Veteranen fand nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg nur schwer wieder in ihr altes Leben. Von der Öffentlichkeit als "Weichlinge" stigmatisiert, von Familie und Freunden häufig unverstanden, flüchteten sich viele in Alkohol und Drogen. Armut, Gewaltbereitschaft und Einsamkeit waren sichtbare Folgen.
Britischer Soldat im Zweiten Golfkrieg 1991, während der Operation Desert Shield.
Das Leben Hunderttausender geriet völlig aus den Fugen: rund 23 Prozent der Obdachlosen in den USA sind ehemalige Soldaten, knapp die Hälfte davon Vietnam-Veteranen. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch geht die National Coalition for Homeless Veterans von etwa 540.000 bis 840.000 Ex-Soldaten aus, die heute auf der Straße leben, 27.000 allein in Los Angeles.
Nach Jahrzehnten
Drei Jahrzehnte nach Ende des Vietnamkrieges kommen auch die Folgen von PTSD für die physische Gesundheit der Betroffenen immer deutlicher zum Vorschein. Laut einer Studie der New York Academy of Medicine aus dem Jahr 2005 lag die Sterblichkeitsrate von Vietnam-Veteranen in diesem Zeitraum doppelt so hoch wie die gleichaltriger Männer, die nicht im Krieg waren. Besonders auffällig ist die hohe Zahl nicht-natürlicher Todesfälle, zum Beispiel durch Suizid, Mord, Unfälle oder ungeklärte Verletzungen.
Immer noch tabu
Wird es den Irak-Heimkehrern besser ergehen? Die Armee bietet den Veteranen zwar psychologische Betreuung an und verabreicht Soldaten Psychopharmaka, um Abhilfe bei akuten Störungen zu leisten. Doch bei vielen tauchen die Probleme erst nach Jahren auf, und bis Betroffene ärztliche Hilfe suchen, können noch einmal Monate vergehen. Im Kampf um die Anerkennung ihrer Krankheit, wenn es zum Beispiel um die Zahlung einer lebenslangen Versehrtenrente geht, stehen die traumatisierten Männer und Frauen häufig auf verlorenem Posten. Die verwundete Seele bleibt ein Tabu. Nur Helden bekommen einen Orden.
Ulrike Wolf (10.02.2006)
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Infobox
Scheinbar unversehrt gelangten fast alle der im Zweiten Golfkrieg 1991 eingesetzten Soldaten wieder in die Heimat zurück. Heute gilt ein Viertel der Golfkriegsveteranen als arbeitsunfähig, die Hälfte musste sich wegen seltsamer Symptome in ärztliche Behandlung begeben.
Ihre Krankheit, als Golfkriegssyndrom bezeichnet, belastet vor allem die physische Gesundheit: Schmerzen der Gelenke und Muskeln, Konzentrationsprobleme und Müdigkeit sind typisch. Hinzu kommen häufig Schwindel, Erbrechen und Durchfall, Haar- und Zahnausfall, Lähmungen, Sehstörungen, Gedächtnisschwund sowie Missbildungen bei nachmals gezeugten irakischen und amerikanischen Kindern.
Als Hauptursache kommt hochtoxisches, radioaktives Uran infrage, das als die Durchschlagskraft erhöhender Munitionsbestandteil tonnenweise verschossen wurde und große Landstriche verseuchte. Über Atemorgane oder offene Wunden könnte es leicht in die Körper der Menschen gelangt sein.
Ihre Krankheit, als Golfkriegssyndrom bezeichnet, belastet vor allem die physische Gesundheit: Schmerzen der Gelenke und Muskeln, Konzentrationsprobleme und Müdigkeit sind typisch. Hinzu kommen häufig Schwindel, Erbrechen und Durchfall, Haar- und Zahnausfall, Lähmungen, Sehstörungen, Gedächtnisschwund sowie Missbildungen bei nachmals gezeugten irakischen und amerikanischen Kindern.
Als Hauptursache kommt hochtoxisches, radioaktives Uran infrage, das als die Durchschlagskraft erhöhender Munitionsbestandteil tonnenweise verschossen wurde und große Landstriche verseuchte. Über Atemorgane oder offene Wunden könnte es leicht in die Körper der Menschen gelangt sein.



