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Lenin

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Wladimir Iljitsch Uljanow wird am 22. April 1870 als Sohn eines Lehrers und späteren Schulinspektors und einer Gutsbesitzertochter in Simbirsk geboren. Ab 1882 besitzt die Familie den erblichen Kleinadel.

1879 bis 1887 lernt der junge Uljanow am Gymnasium in Simbirsk. 1887 wird sein älterer Bruder Alexander wegen eines geplanten Attentats auf den Zaren gehängt.

1887 bis 1891 studiert Uljanow Jura in Samara. Dort ist er bereits revolutionär aktiv. Hier, wie auch später, lebt er von Zuwendungen aus dem Gut seiner Mutter.

1893 siedelt Uljanow nach St. Petersburg über. Dort gibt es erste Kontakte zu führenden Sozialdemokraten.

1895 wird Uljanow erstmals verhaftet, sitzt zwei Jahre im Gefängnis und bringt dann drei Jahre in der sibirischen Verbannung nahe des Flusses Lena zu. Die Vermutung, dass sein Kampfname Lenin (etwa: der von der Lena) auf die Verbannung - ein Statussymbol unter Revolutionären - anspielt, ist unbewiesen.

Ab 1900 ist Lenin im Exil in Westeuropa. Er beteiligt sich an der Gründung der Zeitung Iskra (Funke).

1903 setzt Lenin sein Konzept einer Kaderpartei auf dem zweiten Kongress der SDAPR in London durch. Die Partei spaltet sich daraufhin in Menschewiki und Bolschewiki.

1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, lebt Lenin in der Schweiz. Im April 1917 reist er nach Petrograd. Nach dem erfolgreichen bolschewistischen Oktoberputsch ruft Lenin die Räterepublik aus.

1918 bis 1920, während des russischen Bürgerkriegs, etabliert Lenin den revolutionären Terror. Er stabilisiert die diktatorische Herrschaft der Kaderpartei und eliminiert andere Parteien, darunter auch Menschewiki und Sozialrevolutionäre. Im August 1918 verwundet ihn die Sozialrevolutionärin Dora Kaplan bei einem Attentat.

1921, angesichts von Bauernaufständen und Arbeiterprotesten, die blutig niedergeschlagen werden, ruft Lenin eine neue Wirtschaftspolitik aus, um den Lebensstandard zu heben. 1922 und 1923 erleidet er Schlaganfälle und beobachtet hilflos Stalins Aufstieg. Lenin versucht vergeblich, Trotzki gegen Stalins schon übermächtige Staatsbürokratie zu positionieren.

Am 21. Januar 1924 stirbt Lenin in Gorki bei Moskau.

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Moderne Marxisten…
diskutieren Lenins Theorie heute kontrovers. Vertreter vieler europäischer linker Strömungen neigen dazu, Lenins angebliche Weiterentwicklung des Marxismus als Irrweg anzusehen. Dabei spielt die poststalinistische Erfahrung im Ostblock eine wesentliche Rolle. Europäische Marxisten halten dem russischen Revolutionsführer häufig Voluntarismus vor, also die (unmarxistische) Unsitte, Willens- und Wunschwelten über objektive Bedingungen zu stellen.

Zudem ist Lenin aus dieser Sicht der echte Vorläufer des Massenmörders Stalin. Oft wird darauf verwiesen, dass Lenin, und nicht etwa Stalin, eigentlicher Begründer des Sowjetterrors gewesen sei. Stalin habe den Terror lediglich zur letzten Konsequenz geführt.

Im Unterschied zu diesen Auffassungen werfen trotzkistische Marxisten Lenins Theorie keineswegs über Bord. Das revolutionäre Potenzial der Kaderpartei sei vielmehr unverzichtbar, besonders in wenig entwickelten Weltregionen.

Allerdings müsse, so zum Beispiel die Ansicht des trotzkistischen Ökonomen Ernest Mandel, bürokratische Herrschaft - als "Stalinismus" gebrandmarkt - durch Formen direkter Demokratie vermieden werden. Wie das geschehen soll, wie man also die Ursache (Kaderpartei) behalten und die Folge (bürokratische Diktatur) vermeiden will, bleibt offen.

Eine ähnliche Struktur erscheint gegenwärtig in den Kämpfen der Bolivarischen Revolution auf dem südamerikanischen Halbkontinent. Die Debatte um den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" - ein Slogan des deutschen, in Mexiko lehrenden Professors Heinz Dieterich - wirkt streckenweise wie eine Neuauflage des Lenin-Problems.

Als ehemaliger (informeller) Berater des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez fordert Dieterich zwar einerseits den basisdemokratischen Staat, ist aber andererseits mit Elementen des Führerkults und bürokratischer Willkür im anti-neoliberalen bolivarischen Prozess konfrontiert. Die Frage nach dem revolutionären Subjekt, Lenins Grundfrage, die den russischen Revolutionär umtrieb und an der er letztlich scheiterte, besitzt Brisanz bis in unsere Tage.