Der schöne Schein
Fast viertausend Sportlerinnen und Sportler aus 49 Ländern nahmen 1936 an den Olympischen Sommerspielen in Berlin teil. Das Bild von Deutschland, das sie mitnahmen, war fast immer positiv. Warum?Jubel, Trubel, Heiterkeit im August 1936 im Berliner Olympiastadion: Propaganda für Hitlers Reich auf höchstem Niveau.
(Bild: Bundesarchiv; CreativeCommons)
(Bild: Bundesarchiv; CreativeCommons)
Trotz solch warnender Kritik wurden die Olympischen Spiele im Berlin des Nazi-Deutschlands zum Erfolg für die Diktatur, Zuschauer und ausländische Presse waren begeistert. Hitler hatte sein Ziel erreicht: Sein Deutschland 1936 sah die Mehrheit des Publikums als wirtschaftlich aufstrebende, selbstbewusste, anständige und friedliebende Nation.
Antisemitismus und KZ
Das Fundament legte noch die Weimarer Republik. 1930 bewarb sich Berlin vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als Austragungsort und gewann 1931 die Wahl. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 gab es erste Proteste. Die rabiaten Methoden und der offene Antisemitismus der Nationalsozialisten waren im Ausland nicht unbekannt, ebenso wenig wie der Bau der ersten Konzentrationslager Dachau und Oranienburg noch im gleichen Jahr. Besonders starke Ablehnung schlug Hitler aus den USA entgegen. 1933 sah sich das IOC genötigt, offiziell über die Verlagerung der Spiele zu beraten.
Nur innenpolitische Verhältnisse: Aufruf der SA zum Boykott jüdischer Geschäfte 1933. (Bundesarchiv; CreativeCommons)
Das bescheidene Olympia-Budget der Weimarer Republik erweiterte Hitler um mehrere Millionen Reichsmark und um etliche Prunkbauten. So wichtig waren ihm die Spiele, dass er, angesichts des sich mehrenden internationalen Protests, vor dem Olympischen Komitee eine schriftliche Erklärung abgab, "alle Rassen und Konfessionen" frei an den Spielen teilnehmen zu lassen.
Worauf es ankam
Mit dieser Garantie bekam Hitler seine Spiele, das IOC sah keinen Grund mehr für eine Verlagerung. Der nicht verstummen wollenden Kritik angesichts der willkürlichen Gewalt im Deutschen Reich setzte das IOC eine Erklärung entgegen: "Die innenpolitischen Verhältnisse des Deutschen Reiches kümmern den Olympischen Kongreß nicht." Hitler hatte versprochen, den äußeren Schein zu wahren, der Rest war nicht wichtig. Kritikern blieb nur der Boykott.
Das olympische Komitee der USA stimmte 1935 darüber ab, ob US-Sportler an den Spielen teilnehmen sollten. Mit 58 zu 56 Stimmen, ein Ergebnis, für das Befürworter der Spiele tagelang stark an den Fäden hinter den Kulissen gezogen hatten, fiel die Entscheidung für eine Teilnahme. Andere Nationen, die ebenfalls über Boykott nachdachten, schlossen sich dem Votum der USA an. Hitlers Spielen stand nun nichts mehr im Weg.
Fahnen in Berlin während der Spiele: ein paar Ringe und unzählige Hakenkreuze.
(Bild: Bundesarchiv; CreativeCommons)
(Bild: Bundesarchiv; CreativeCommons)
Feuer und Flamme für Olympia
Zwecks zusätzlichen Aufsehens schlug Goebbels einen symbolträchtigen Staffellauf vor, der die olympische Flamme von Griechenland bis nach Berlin tragen würde. Das IOC war von der Idee so begeistert, dass der Fackellauf bis heute zum Programm der Olympischen Spiele gehört. Gestiftet wurde die Fackel 1936 von der Waffenschmiede Krupp.
Ein gewaltiger Vorrat an Flaggen, Wimpeln und Girlanden schuf in Berlin die erwünschte optische Fassade. Wirtschaftliche Leiter des Reiches erließen Bestimmungen, wonach über die Dauer der Spiele in der Öffentlichkeit keine Zwangsarbeiter eingesetzt werden durften. Die Presse wurde entschärft, Antisemitismus sollte unterbleiben. Das Hetzblatt Der Stürmer wurde teilweise ganz aus den Regalen genommen und durch internationale Zeitungen ersetzt. Deutschland musste freundlich sein...
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Olympia
So heißt der zweiteilige Film von Leni Riefenstahl über die Olympischen Spiele von 1936. Sowohl das IOC als auch Goebbels' Propagandaministerium wollten einen Film, der das Ereignis für das Weltpublikum festhält. Leni Riefenstahl, die bereits 1934 im Propagandafilm Triumph des Willens den Nürnberger Reichsparteitag der NSDAP nach der Machtergreifung glorifiziert hatte, bekam von Goebbels beinahe jeden Wunsch erfüllt, solange der Film nur eindrucksvoll werden würde.
Tatsächlich arbeitete Riefenstahl mit 47 Kameramännern und der modernsten Technik, die die Filmwelt damals aufzubieten hatte. Manches war Weltpremiere, beispielsweise die Unterwasserkamera im Becken der Turmspringer. Im Olympiastadion ließ Riefenstahl Schienen verlegen, auf denen Kameras fuhren. Die Regisseurin und ihre Kameramänner probten Aufnahmen und Einstellungen im Voraus und nutzten Anfang 1936 das Training der olympischen Athleten für die Aufnahme extremer Naheinstellungen.
Insgesamt vierhundert Kilometer Film belichtete Riefenstahl und brauchte bis 1938, um Olympia auf vier Stunden Spiellänge zu schneiden. Am Ende waren die Kritiker begeistert, in Deutschland wie im Ausland. Riefenstahls Sinn für Ästhetik und Originalität ermöglichte Einstellungen, die vorher noch nie zu sehen waren und Vorbild für Regisseure bis heute sind.
In England und in den USA boykottierten die Verleihe allerdings den Film wegen der zunehmenden antisemitischen Gewalt im Deutschen Reich. Heute gilt Olympia trotz propagandistischer Untertöne als Meilenstein der Filmgeschichte und als einer der wichtigsten Filme überhaupt. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden verlieh dem Film 2006 das Prädikat "Besonders wertvoll".
So heißt der zweiteilige Film von Leni Riefenstahl über die Olympischen Spiele von 1936. Sowohl das IOC als auch Goebbels' Propagandaministerium wollten einen Film, der das Ereignis für das Weltpublikum festhält. Leni Riefenstahl, die bereits 1934 im Propagandafilm Triumph des Willens den Nürnberger Reichsparteitag der NSDAP nach der Machtergreifung glorifiziert hatte, bekam von Goebbels beinahe jeden Wunsch erfüllt, solange der Film nur eindrucksvoll werden würde.
Tatsächlich arbeitete Riefenstahl mit 47 Kameramännern und der modernsten Technik, die die Filmwelt damals aufzubieten hatte. Manches war Weltpremiere, beispielsweise die Unterwasserkamera im Becken der Turmspringer. Im Olympiastadion ließ Riefenstahl Schienen verlegen, auf denen Kameras fuhren. Die Regisseurin und ihre Kameramänner probten Aufnahmen und Einstellungen im Voraus und nutzten Anfang 1936 das Training der olympischen Athleten für die Aufnahme extremer Naheinstellungen.
Insgesamt vierhundert Kilometer Film belichtete Riefenstahl und brauchte bis 1938, um Olympia auf vier Stunden Spiellänge zu schneiden. Am Ende waren die Kritiker begeistert, in Deutschland wie im Ausland. Riefenstahls Sinn für Ästhetik und Originalität ermöglichte Einstellungen, die vorher noch nie zu sehen waren und Vorbild für Regisseure bis heute sind.
In England und in den USA boykottierten die Verleihe allerdings den Film wegen der zunehmenden antisemitischen Gewalt im Deutschen Reich. Heute gilt Olympia trotz propagandistischer Untertöne als Meilenstein der Filmgeschichte und als einer der wichtigsten Filme überhaupt. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden verlieh dem Film 2006 das Prädikat "Besonders wertvoll".
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Der Fackellauf...
vor Eröffnung der Spiele war eine Idee aus Goebbels' Propagandaministerium, das auch die Organisation des Laufes vom griechischen Olympia durch Bulgarien, Jugoslawien, Ungarn, Österreich und die Tschechoslowakei nach Berlin übernahm. Der Lauf sollte Deutschland als Erben des Hellenismus zeigen.
Die Strecke war 3.075 Kilometer lang. 3.400 Fackelläufer aus den sieben Ländern der Laufstrecke trugen die Fackel, die jeweils etwa zehn Minuten brannte, bevor sie vom nächsten Läufer ersetzt werden musste. In jeder Landeshauptstadt bereitete das deutsche Propagandaministerium eine so genannte Weihestunde vor, mit der die Ankunft des Feuers durch Entzünden eines Altars unter Hakenkreuzflaggen gefeiert wurde.
In Wien kam es dabei zu Ausschreitungen österreichischer Nationalsozialisten, die den Anschluss ans Deutsche Reich forderten. In der Tschechoslowakei demonstrierten Menschen gegen die selbstherrliche Darstellung der Deutschen.
Auf einem Propagandaplakat war das Sudentenland bereits als zum Deutschen Reich gehörig eingezeichnet - Demonstranten entfernten daraufhin Plakate und Hakenkreuzflaggen und brachten während eines Gerangels in Prag sogar die olympische Flamme kurzfristig zum Erlöschen.
Als die Fackel in Berlin ankam, standen zur Weihestunde im Berliner Lustgarten zwanzigtausend Hitlerjungen und vierzigtausend SA-Männer Spalier. Nach einer Rede von Propagandaminister Goebbels trug der deutsche Leichtathlet Fritz Schilgen die Flamme schließlich ins Stadion.
vor Eröffnung der Spiele war eine Idee aus Goebbels' Propagandaministerium, das auch die Organisation des Laufes vom griechischen Olympia durch Bulgarien, Jugoslawien, Ungarn, Österreich und die Tschechoslowakei nach Berlin übernahm. Der Lauf sollte Deutschland als Erben des Hellenismus zeigen.
Die Strecke war 3.075 Kilometer lang. 3.400 Fackelläufer aus den sieben Ländern der Laufstrecke trugen die Fackel, die jeweils etwa zehn Minuten brannte, bevor sie vom nächsten Läufer ersetzt werden musste. In jeder Landeshauptstadt bereitete das deutsche Propagandaministerium eine so genannte Weihestunde vor, mit der die Ankunft des Feuers durch Entzünden eines Altars unter Hakenkreuzflaggen gefeiert wurde.
In Wien kam es dabei zu Ausschreitungen österreichischer Nationalsozialisten, die den Anschluss ans Deutsche Reich forderten. In der Tschechoslowakei demonstrierten Menschen gegen die selbstherrliche Darstellung der Deutschen.
Auf einem Propagandaplakat war das Sudentenland bereits als zum Deutschen Reich gehörig eingezeichnet - Demonstranten entfernten daraufhin Plakate und Hakenkreuzflaggen und brachten während eines Gerangels in Prag sogar die olympische Flamme kurzfristig zum Erlöschen.
Als die Fackel in Berlin ankam, standen zur Weihestunde im Berliner Lustgarten zwanzigtausend Hitlerjungen und vierzigtausend SA-Männer Spalier. Nach einer Rede von Propagandaminister Goebbels trug der deutsche Leichtathlet Fritz Schilgen die Flamme schließlich ins Stadion.



