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Mauerbau

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Das Wort "Wende" - angewandt auf die Ereignisse des Herbstes 1989 - stammt ursprünglich von Egon Krenz. Am 18. Oktober 1989, dem Tag, an dem ihn das Politbüro zum Nachfolger Erich Honeckers wählte, verkündete der neue Generalsekretär voller Zuversicht: "Mit dieser Tagung werden wir eine Wende einleiten, werden wir vor allem die politische und ideologische Offensive wiedererlangen." Die Schriftstellerin Christa Wolf verwies kurze Zeit später ironisch auf die Wende beim Segeln: der Wind hat sich gedreht, die Mannschaft duckt sich, weil der Segelbaum übers Boot fegt… Nun, Krenz' Zuversicht blieb unerfüllt: die SED erlangte niemals wieder die Offensive. Akteure der Stunde waren Bürgerbewegungen wie das Neue Forum, die Vereinigte Linke, der Demokratische Aufbruch und andere. Sie alle erstrebten - zumindest in den Monaten vor ihrer teilweisen Absorption durch die bundesdeutsche Parteienlandschaft - eine eigenständige, umgestaltete DDR, getragen von den antibürokratischen Idealen eines menschlichen, partizipatorischen Sozialismus. Akteure waren ferner Zehntausende DDR-Bürger, die sich auf den Weg gen Westen begaben, aus Sehnsucht nach einem Leben in gesichertem Wohlstand und Freizügigkeit. Akteure waren aber auch zahlreiche Angehörige von alten DDR-Führungsschichten, entschlossen, mit dem neuen Wind zu segeln: Sie kooperierten früh mit Einflusspersonen besonders auf wirtschaftlichem Gebiet, die aus dem Westen Deutschlands kamen. Soziologen bevorzugen anstelle der Wörter "Wende" oder "friedliche Revolution" den Begriff Transformation. Er schließt Aufbau ein und Zerstörung, Hoffnung und enttäuschte Erwartung, Horizonterweiterung und Existenznot - kurz alles, was gesellschaftliche Umbrüche charakterisiert.

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Das Neue Forum war ein Zusammenschluss reformbereiter Menschen in der DDR aus fast allen sozialen Schichten. Dabei überwogen jedoch Akademiker und Künstler, was den Aufbau einer Massenbasis nicht immer leicht machte. Zwar waren die politischen Vorstellungen unterschiedlich, Einigkeit bestand allerdings in der Ablehnung des bestehenden zentralistischen Systems. Die Mehrzahl der Mitglieder des am 10. September 1989 gegründeten Neuen Forums erstrebte keine kapitalistische Ordnung und ging vom Weiterbestehen der Zweistaatlichkeit Deutschlands aus. Ausgangspunkt war die Festellung, dass die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft gestört sei. Zweifellos hatte das Neue Forum eine hohe Mobilisierungswirkung: der Protest auf den Straßen, die Montagsdemonstrationen, wäre ohne die basisdemokratischen Strukturen des Neuen Forums kaum derart in Gang gekommen. Anfang 1990 gelangten Verteter des Neuen Forums auch in die - umgestaltete - Volkskammer der DDR und bildeten dort die Fraktion Bündnis 90/Grüne. Die Fraktion plädierte gegen eine zu rasche Währungsreform und Vereinigung mit der Bundesrepublik. Wie auseinanderstrebend die politischen Visionen waren, zeigt der Umstand, dass sich bereits im Januar 1990 eine Deutsche Forumpartei (DFP) vom Neuen Forum abspaltete und mit der staatlichen Vereinigung in der FDP aufging.