Anna Constantia von Cosel (1680-1765), die Mätresse des sächsischen Kurfürsten August der Starke. (Porträt um 1706)
Karriere im Schatten
"Madame, ich habe den leidenschaftlichen Wunsch, Ihnen zu gefallen." Es konnte keine Rede sein von Heimlichtuerei, als Jeanne-Antoinette d'Etiolles, frischgebackene Marquise de Pompadour, und die französische Königin am 14. September 1745 aufeinander trafen. Am Hof von Versailles war die neue Favoritin des Königs, Ludwig XV., längst keine Unbekannte mehr. Heute nun stellte sie sich der Gattin ihres Geliebten offiziell vor.Keine andere Wahl
Die Königin, bereits geübt im Erdulden außerehelicher Kontakte ihres Gemahls, hatte auch diesmal keine andere Wahl, als die Konkurrentin zu akzeptieren. Trotz des Schmerzes, den sie beim Gedanken an die schöne, junge Nebenfrau empfunden haben mag, wäre es ihr nicht in den Sinn gekommen, die neue Mätresse an der Seite des Königs offiziell als Hure zu bezeichnen.
Synonym für weiblichen Ehrgeiz
Zum Inbegriff weiblicher Unmoral gerieten Mätressen erst im 19. Jahrhundert. Da war ihre Blütezeit längst vorbei - mit der Emanzipation der Bürger von der Bevormundung durch den Adel verschwand das so genannte Mätressenwesen. Was Untertanen, Kirche und Hofstaat über Jahrhunderte mehr oder weniger zähneknirschend hinnahmen, wurde nun öffentlich verurteilt - und steht bis heute als Synonym für weiblichen Ehrgeiz, Machtgier und einen Lebenswandel, der bisweilen ganze Staaten ins Verderben gestürzt haben soll.
An der Seite schwacher Machthaber
Dabei hing die Bedeutung einer Mätresse für das Leben der Nation weniger von ihrem Geschick als von den Fehlern des Monarchen ab, wie Herrmann Schreiber in seinem Buch Die ungekrönten Geliebten bemerkt. Starke Herrscher seien von ihren Mätressen selbst dann nur wenig beeinflusst worden, wenn diese gebildet und interessiert waren.
Die Marquise de Pompadour (1721-1764): neunzehn Jahre lang war sie die Mätresse und die Geliebte des französischen Königs Ludwig XV. (Bild: Francois Boucher, um 1750)
Höchste Stufe auf der Karriereleiter
Das negative Urteil trifft nur auf wenige der Meisterinnen - wie das französische maîtresse ins Deutsche übersetzt heißt - zu. Denn selbst ehrgeizige, begabte und intelligente Frauen, wie Madame de Pompadour, errangen immer nur jenes Maß an Macht, welches der Monarch ihnen zugestand. Schon das allein aber genügte, um das Amt der Mätresse für Frauen der damaligen Zeit zur höchsten Stufe auf der Karriereleiter werden zu lassen.
Maîtresse en titre
In der hohen Zeit des Mätressenwesens, während der Ära des Absolutismus im 17. und 18. Jahrhundert, eröffneten sich sogar für Frauen bürgerlicher Herkunft Erfolg versprechende Wege zur Macht. Während den meisten Frauen der Männern offen stehende Aufstieg über Besitz und Leistung verwehrt blieb, rangierten offizielle Mätressen - so genannte maîtresse en titre - unabhängig von ihrer Herkunft auf höchstem Rang in der höfischen Hierarchie. Warum konnte das nicht anders sein? ...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Mätressen | ![]() |
Infobox
Anna Constantia von Cosel
So steil wie ihr Aufstieg war auch ihr Fall: Neun Jahre lang ist Gräfin Cosel die Mätresse von August dem Starken. 1680 auf dem holsteinischen Gut Depenau geboren, gelangt die aus altem Landadel stammende Anna Constantia 1703 an der Seite ihres Ehemannes, einem Minister des sächsischen Kurfürsten, an den Dresdner Hof. Im Sturm erobert sie das Herz Augusts. Die Cosel ist schlagfertig, schön, und sie begeistert sich für Reiten, Fechten und Jagen - eine Frau ganz im Sinne Augusts.
Doch die Mätresse fordert Sicherheiten: In einem heimlich geschlossenen Ehevertrag wird neben einer jährlichen Pension Augusts Versprechen festgehalten, die - zu diesem Zeitpunkt bereits geschiedene - Gräfin Cosel nach dem Tod seiner Gemahlin zu heiraten und offiziell als Kurfürstin anzuerkennen. Dazu erhält sie das Taschenbergpalais und Schloss Pillnitz, wo sie repräsentativ Hof hält.
Für ihren scharfen Verstand bekannt, versucht die Cosel, den Kurfürsten auch in politischen Fragen zu beeinflussen. Dessen Polenpolitik, die sie für falsch hält, wird ihr schließlich zum Verhängnis: Um sich enger an das Land zu binden, legt sich August eine polnische Mätresse zu. Es kommt zum Bruch mit dem Kurfürsten, der die Cosel auffordert, das schriftliche Heiratsversprechen herauszugeben. Sie weigert sich und flieht 1715 nach Berlin. Doch der preußische König liefert sie an Sachsen aus. Vom Dresdner Hofe verbannt, verbringt die Cosel ihr weiteres Leben in Festungshaft und stirbt 1765 mit 85 Jahren auf Burg Stolpen.
So steil wie ihr Aufstieg war auch ihr Fall: Neun Jahre lang ist Gräfin Cosel die Mätresse von August dem Starken. 1680 auf dem holsteinischen Gut Depenau geboren, gelangt die aus altem Landadel stammende Anna Constantia 1703 an der Seite ihres Ehemannes, einem Minister des sächsischen Kurfürsten, an den Dresdner Hof. Im Sturm erobert sie das Herz Augusts. Die Cosel ist schlagfertig, schön, und sie begeistert sich für Reiten, Fechten und Jagen - eine Frau ganz im Sinne Augusts.
Doch die Mätresse fordert Sicherheiten: In einem heimlich geschlossenen Ehevertrag wird neben einer jährlichen Pension Augusts Versprechen festgehalten, die - zu diesem Zeitpunkt bereits geschiedene - Gräfin Cosel nach dem Tod seiner Gemahlin zu heiraten und offiziell als Kurfürstin anzuerkennen. Dazu erhält sie das Taschenbergpalais und Schloss Pillnitz, wo sie repräsentativ Hof hält.
Für ihren scharfen Verstand bekannt, versucht die Cosel, den Kurfürsten auch in politischen Fragen zu beeinflussen. Dessen Polenpolitik, die sie für falsch hält, wird ihr schließlich zum Verhängnis: Um sich enger an das Land zu binden, legt sich August eine polnische Mätresse zu. Es kommt zum Bruch mit dem Kurfürsten, der die Cosel auffordert, das schriftliche Heiratsversprechen herauszugeben. Sie weigert sich und flieht 1715 nach Berlin. Doch der preußische König liefert sie an Sachsen aus. Vom Dresdner Hofe verbannt, verbringt die Cosel ihr weiteres Leben in Festungshaft und stirbt 1765 mit 85 Jahren auf Burg Stolpen.



