Sibylla von Neitschütz (1675 - 1694): die Geliebte des Kurfürsten Johann Georg IV. war Mätresse am sächsischen Hof.
Tödliche Küsse
Man schreibt den 27. April 1694, als Johann Georg IV., Kurfürst von Sachsen, mit 26 Jahren an den Pocken stirbt. Seine nur dreijährige Regierungszeit erscheint in den Geschichtsbüchern ebenso wie sein Tod lediglich als Randnotiz, schließlich ist er nicht der erste und nicht der letzte Potentat, den die Seuche zur Strecke bringt. Ruhm erntet stattdessen sein jüngerer Bruder, der Johann Georg auf den Thron nachfolgt und der als August der Starke in die Historiographie eingehen wird.War Gift im Spiel?
So weit, so gut. Dabei könnte man es belassen, würde der Sache nicht Mysteriöses anhaften: nur drei Wochen vor dem Tod Johann Georgs stirbt dessen innig geliebte Mätresse Sibylla von Neitschütz mit gerade einmal 19 Jahren - auch sie, scheint es, von den Pocken dahingerafft. Den Kurfürsten beschleichen allerdings Zweifel an einem natürlichen Ableben Sibyllas: Könnte es nicht Giftmord gewesen sein? Kurze Zeit später ist auch der Kurfürst tot. Und wieder stellt sich die Frage: War Gift im Spiel?
Jubelnder Adel
Ganz von der Hand weisen lassen sich diese Gerüchte nicht, immerhin war das Paar alles andere als beliebt: weder Sibylla, die mit ihren körperlichen Reizen Johann Georg um den Finger gewickelt und eine von vielen Seiten beargwöhnte Machtposition am sächsischen Hof erlangt hatte, noch der Kurfürst selbst. Sein Kampf gegen die Stände und seine Drohungen gegen den Landtag, sollte der keine höheren Steuern bewilligen, ließen den Adel beim Tod des Kurfürsten erleichtert aufatmen. Das Dahinscheiden der Liebenden löste auch deshalb Jubel aus, weil Sibylla mit dem Katholizismus geliebäugelt hatte und Johann Georg - schließlich wartete auf den die polnische Königskrone - gern konvertiert gesehen hätte. Kursachsen aber war protestantisch.
Im Schatten der Mätresse
Motive, beide aus dem Weg zu räumen, hatten nicht nur Adel und Geistlichkeit. Eleonore Erdmuthe von Sachsen-Eisenach (1662 bis 1696), die der Kurfürst 1692 auf Drängen seiner Mutter heiraten musste, war auf Nebenbuhlerin und Gatten ebenfalls nicht gut zu sprechen. Zeit ihrer Ehe stand die Angetraute im Schatten von "Billchen", wie der Kurfürst seine Mätresse liebevoll nannte. Von seiner Frau, die angeblich jeglichen Liebreizes entbehrte, wollte Johann Georg nichts wissen. Stattdessen bewirkte er beim Kaiser in Wien die Erhebung Sibyllas zur Reichsgräfin und schenkte ihr Schloss Pillnitz als Residenz.
Die Gattin, eine Giftmischerin?
Dort wurden ihr "Tafel- und Schatullengelder angewiesen", ließ Johann Friedrich Klotz in seiner 1780 erschienenen Abhandlung über die Liebeszaubereien der Gräfin von Rochlitz verlauten, "sie bekam Hausoffiziere und Bediente, und glänzende Equipagen." Nicht allein, dass seine Liebe den Kurfürsten an die sechs Tonnen Gold gekostet haben soll. Johann Georg beabsichtigte auch, Sibylla zur offiziellen Nebenfrau zu erklären - Motive genug für Eleonore, die Rivalin nebst untreuem Gatten zu beseitigen. Das zumindest befürchtete Johann Georg, der seine Frau der Giftmischerei beschuldigte und sich schnellstmöglich von ihr scheiden lassen wollte...
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August der Starke
Mit nur 24 Jahren besteigt Friedrich August (1670-1733), der zweitgeborene Sohn von Johann Georg III. und seiner Frau Anna Sophie von Dänemark und Norwegen, 1694 unerwartet den kursächsischen Thron. Damit beginnt das Augusteische Zeitalter, in dem Sachsen eine außerordentliche kulturelle und wirtschaftliche Blüte erlebte.
Mehr als zwanzig Manufakturen entstehen in der Regierungszeit Friedrich Augusts, unter anderem für Tuche, Spiegel, Gewehre und Tapeten. Außerdem verwandelt sich Dresden, bedingt durch die Bauwut und die Sammelleidenschaft des Kurfürsten, in eine prunkvolle Barockstadt. Die Bezeichnung Elbflorenz findet hier ihren Ursprung.
Der Beiname "der Starke" bezieht sich auf die körperliche Kraft des Monarchen. So soll er Hufeisen mit den bloßen Händen zerbrochen haben. Verheiratet ist Friedrich August mit Christiane Eberhardine, Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth (1671-1727). Als der Kurfürst aber 1697 zum König von Polen ernannt wird, wofür er im Vorfeld den katholischen Glauben angenommen hat, zieht sich seine protestantisch gebliebene Gattin auf Schloss Pretzsch an der Elbe zurück.
Wohl auch wegen Augusts Hang zu Mätressen, unter denen die bekannteste die Gräfin von Cosel ist: Insgesamt 354 Kinder soll August gezeugt haben, offiziell anerkannt sind jedoch weitaus weniger. Im Alter von 62 Jahren stirbt August der Starke, Kurfürst von Sachsen, an einem Schwächeanfall.
Mit nur 24 Jahren besteigt Friedrich August (1670-1733), der zweitgeborene Sohn von Johann Georg III. und seiner Frau Anna Sophie von Dänemark und Norwegen, 1694 unerwartet den kursächsischen Thron. Damit beginnt das Augusteische Zeitalter, in dem Sachsen eine außerordentliche kulturelle und wirtschaftliche Blüte erlebte.
Mehr als zwanzig Manufakturen entstehen in der Regierungszeit Friedrich Augusts, unter anderem für Tuche, Spiegel, Gewehre und Tapeten. Außerdem verwandelt sich Dresden, bedingt durch die Bauwut und die Sammelleidenschaft des Kurfürsten, in eine prunkvolle Barockstadt. Die Bezeichnung Elbflorenz findet hier ihren Ursprung.
Der Beiname "der Starke" bezieht sich auf die körperliche Kraft des Monarchen. So soll er Hufeisen mit den bloßen Händen zerbrochen haben. Verheiratet ist Friedrich August mit Christiane Eberhardine, Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth (1671-1727). Als der Kurfürst aber 1697 zum König von Polen ernannt wird, wofür er im Vorfeld den katholischen Glauben angenommen hat, zieht sich seine protestantisch gebliebene Gattin auf Schloss Pretzsch an der Elbe zurück.
Wohl auch wegen Augusts Hang zu Mätressen, unter denen die bekannteste die Gräfin von Cosel ist: Insgesamt 354 Kinder soll August gezeugt haben, offiziell anerkannt sind jedoch weitaus weniger. Im Alter von 62 Jahren stirbt August der Starke, Kurfürst von Sachsen, an einem Schwächeanfall.



