Szene aus der Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805 - mit dem Sieg sichert England sich die Dominanz auf den Weltmeeren.
Krieg zur See
Augenzeugen berichten von leichter Dünung und wenig Wind. So geriet die Annäherung an den Feind zur Geduldsprobe. Mit klopfenden Herzen hockten die Kanoniere der Victory hinter den Geschützen. Es war, nach Stunden des Wartens, wie eine Befreiung, als der tödliche Kugelregen einsetzte, als die Schiffe sich den Breitseiten der französisch-spanischen Schlachtlinie ausgesetzt sahen. Erst jetzt, um die Mittagsstunde, wurde der Plan des britischen Admirals für alle deutlich...Kreuzfeuer und Entern
Nun, die beiden Geschwader von Admiral Nelson durchbrachen an jenem denkwürdigen 21. Oktober 1805 in Kielformation die weit gezogene Linie ihrer Gegner, nahmen Schiff für Schiff unter Kreuzfeuer oder eroberten es im Enterkampf. Die Schlacht von Trafalgar, benannt nach einem Kap an der spanischen Südostküste, machte Weltgeschichte: Frankreichs Kaiser Napoleon musste auf seine Pläne zur Invasion Englands verzichten, das "Reich Neptuns", sogar jenes kleine Stück zwischen Calais und Dover, war in der Hand seiner Widersacher. Maritime Überlegenheit entwertete die Überlegenheit der Franzosen zu Lande auf lange Sicht.
Maritimer Showdown
Seeschlachten haben oft den Charakter eines Showdown, einer höchst dramatischen, abschließenden Entscheidung. Der Grund ist leicht einzusehen, braucht es doch Zeit und Geld, um Schiffe zu bauen, Besatzungen auszubilden, Versorgungsgüter und Kanonen an Bord zu bringen. Sind die Verluste auf einer der beiden Seiten hinreichend groß, muss dies zu strategischen Konsequenzen führen. Seemacht setzt also Wirtschaftsmacht voraus, wie keine Militärmacht sonst - ebenso wie an Wirtschaftsmacht ohne Seemacht über Jahrtausende hinweg kaum gedacht werden konnte.
Symbol des Empire
Wenn in den Jahrzehnten nach Trafalgar, der Pax Britannica, ein britisches Schiff vor einer Küste kreuzte, war es unantastbares Symbol. So gewaltig war der Respekt, dass politische und wirtschaftliche Interessen sich meist widerstandslos durchsetzen ließen. Auf der Marine, auf nicht mehr als ein paar hundert hölzernen Einheiten und einigen Tausend Männern, beruhte die Kraft des Weltreichs. Nicht jede Marine in der langen Geschichte des Seekriegs hat eine so durchgreifend schicksalsentscheidende Bedeutung wie die britische. Häufig war der Seekrieg zunächst nur dramatisches Beiwerk zu den wesentlichen Kriegshandlungen an Land.
Das Bild des Malers Benjamin West (1738 bis 1820) glorifiziert den Tod Admiral Nelsons in der Schlacht von Trafalgar. Tatsächlich starb Nelson schwer verletzt im Unterdeck.
Der Krieg der griechischen Stadtstaaten gegen die persischen Angreifer etwa wurde lange Zeit von Landheeren ausgefochten. Doch knapp vor dem drohenden Untergang trieb der Athener Themistokles seine Stadt auf den Weg zur Seemacht. Die Athener bauten Trieren - kleine, bewegliche Kampfschiffe - in Serie, und brachten der auf Schiffen transportierten persischen Invasionsarmee 480 v. Chr. im Sund von Salamis die erste wichtige Niederlage bei. Ohne Themistokles, ohne die Athener Marine in der Meerenge von Salamis, hätte wohl unser heutiges Europa ein anderes Gesicht: Der Begriff Demokratie wäre Fremdwort geblieben, verknüpft mit einer unbedeutenden Stadt in Attika, welche der Ansturm der Perser aus der Weltgeschichte fegte...
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Brutaler Seekrieg
Immer noch wabert allerlei Romantik um die "blauen Jungs" von der Marine. Nichts wäre aber verkehrter, als darüber die Brutalität des Seekriegs zu vergessen. Ein Beispiel ist jenes Gefecht im Mai 1941, an dem das deutsche Schlachtschiff Bismarck und der britische Schlachtkreuzer Hood beteiligt waren. In dessen Verlauf drang eine Granate in die Munitionskammer der Hood und brachte sie zur Explosion. Lediglich drei Mann der knapp 1.500 Mann starken Besatzung wurden aufgefischt.
Der Bismarck ging es wenig später nicht besser: Das Schiff wurde von einer enormen britischen Übermacht regelrecht zersiebt und ging mit wehender Flagge unter. Von 2.221 Mann Besatzung konnten sich 115 retten. Rettungsmittel waren auf Kampfschiffen kaum vorhanden. Warum auch, ist so ein Schiff doch wertlos, sobald es als Waffenträger ausfällt - selbst wenn die Besatzung noch am Leben ist.
Immer noch wabert allerlei Romantik um die "blauen Jungs" von der Marine. Nichts wäre aber verkehrter, als darüber die Brutalität des Seekriegs zu vergessen. Ein Beispiel ist jenes Gefecht im Mai 1941, an dem das deutsche Schlachtschiff Bismarck und der britische Schlachtkreuzer Hood beteiligt waren. In dessen Verlauf drang eine Granate in die Munitionskammer der Hood und brachte sie zur Explosion. Lediglich drei Mann der knapp 1.500 Mann starken Besatzung wurden aufgefischt.
Der Bismarck ging es wenig später nicht besser: Das Schiff wurde von einer enormen britischen Übermacht regelrecht zersiebt und ging mit wehender Flagge unter. Von 2.221 Mann Besatzung konnten sich 115 retten. Rettungsmittel waren auf Kampfschiffen kaum vorhanden. Warum auch, ist so ein Schiff doch wertlos, sobald es als Waffenträger ausfällt - selbst wenn die Besatzung noch am Leben ist.



