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Vom Fischer zum Pirat
Es war ein kurzer Schritt von verzweifelter Notwehr zum einträglichen Geschäft: Als Anfang 1991 der Diktator Siad Barre vertrieben wurde, verschwand mit dem Zusammenbruch jeglicher Staatsgewalt auch die Küstenwache aus Somalias Hoheitsgewässern. Schon wenige Wochen später drangen illegal operierende Fischtrawler aus der EU, Russland und Asien in diese Gewässer vor. Spanische Eigner, die ihre Trawler unter Billigflaggen fahren lassen, sollen dabei eine Hauptrolle gespielt haben. Russen und Chinesen folgten.

Bald waren die Bestände an Thunfisch, Hai und Shrimps erheblich vermindert, die Lebensgrundlage der somalischen Küstenfischer gefährdet. Mehr noch: Die Invasoren rammten Boote einheimischer Fischer, beschossen deren Insassen mit Wasserkanonen, kappten ihre Netze und nahmen sogar den Verlust von Menschenleben in Kauf, wie die Londoner Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Environmental Justice Foundation berichtet. Nach Angaben der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO plünderten internationale Schwarzfischer ab 1991 bis zur teilweisen Vertreibung durch die Piraten jährlich Fisch und Krustentiere im Wert von etwa 94 Millionen Dollar.

Im Gegenzug griffen bewaffnete Küstenfischer illegal fischende ausländische Trawler an und erhoben "Lizenzgebühren" für deren Schwarzfischerei. Erst weil das so gut funktioniert habe, hätten sie später eben auch Handelsschiffe gekapert, sagt der kenianische Experte Andrew Mwangura, dessen Seafarers' Assistance Program bei Schiffsentführungen in der Region vermittelt. Illegale Fischerei war also der Auslöser einer Kette von Ereignissen, die zur heute bestehenden Piraterie als einem lukrativen Gewerbe krimineller Clan-Netzwerke führten.