Königin Wilhelmina regierte von 1898 bis 1948. Das Foto entstand 1942, während ihrer Zeit im Londoner Exil.
Familie mit Einfluss
Europas Monarchen repräsentieren ihre Nationen. Fernab von politischen Entscheidungsprozessen leben die Majestäten ganz gut. Den Unterhalt zahlt in modernen Demokratien der Steuerbürger, der Souverän. Telegene und gut gemanagte Dynastien, wie etwa die schwedischen Bernadottes, sind beliebt beim Volk. Gleiches gilt, mit Abstrichen, für die englischen Windsors. Öffentliche Wohlfahrt ist ihr Tagesgeschäft, das Eintreten für humanitäre Belange. Lange her sind die Zeiten, wo Königinnen und Könige, dazu deren Verwandte und Würdenträger, am Rad der Geschichte drehten. Sollte man meinen.Im Zentrum des Geschehens
Seit drei Generationen stehen Frauen an der Spitze des niederländischen Königshauses. Und seit drei Generationen heiraten niederländische Prinzessinnen Sprösslinge des deutschen Adels. Wichtiger noch aber ist eine andere gemeinsame Eigenschaft: Das politische Wirken der königlichen Familie zielte nicht selten ins Zentrum europäischen Geschehens, von rein repräsentativer Funktion also keine Spur. Den Anfang machte Königin Wilhelmina, ab 1898 erste Frau auf dem niederländischen Thron. Verheiratet mit Herzog Heinrich zu Mecklenburg, trat die energische Monarchin wirksam für die Interessen ihres Landes ein.
Tatkräftige Königin
Im Ersten Weltkrieg erfolgreiche Verfechterin niederländischer Neutralität, wurde Wilhelmina im Zweiten Weltkrieg Symbolfigur des Widerstands. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 bildete die tatkräftige Königin in London eine Exilregierung an der Seite der Alliierten. Die große alte Dame der Monarchie, als die sie in Erinnerung bleiben wird, setzte für die Freiheit der Niederlande auf den Sieger. Wilhelmina, angesehener denn je, kehrte im März 1945 in die Heimat zurück. Nie abgerissen waren die Kontakte zu internationalen, auch deutschen, Wirtschaftsführern. Prinz Bernhard, Wilhelminas junger Schwiegersohn, spielte dabei eine wesentliche Rolle. Das Ende des holländischen Kolonialismus fällt in Wilhelminas Herrschaftszeit, ebenso die Modernisierung vieler staatlicher Strukturen. 1948 dankte Wilhelmina ab zugunsten ihrer Tochter Juliana, und lebte zurückgezogen bis 1962 auf Schloss Het Loo bei Apeldoorn.
Prinz Bernhard (Bildmitte) besucht 1968 das ehemalige KZ Dachau. (Bundesarchiv, Lizenz: Creative Commons)
Mit Königin Juliana verbunden ist eine andere Handlung, die auf andere Weise zu tun hat mit politischer und wirtschaftlicher Macht: 1937 heiratete Prinzessin Juliana den brandenburgischen Adligen Bernhard Prinz zu Lippe-Biesterfeld, Jurist im Dienst der I. G. Farben, Angehöriger von NSDAP, SA und Reiter-SS, und, mindestens dem Anschein nach, strammer Anhänger des Naziregimes. Prinz Bernhards Rolle in der europäischen Politik, schon damals heftig umstritten, sollte umstritten bleiben. Biografen berichten, dass der Hobbypilot und Großwildjäger während des Zweiten Weltkriegs loyales Mitglied der königlichen Familie gewesen sei.
Blick nach Westen
1948, mit Julianas Thronbesteigung, avancierte Prinz Bernhard zum Prinzgemahl. Als solcher arbeitete er gemeinsam mit seiner Ehefrau am Ausbau von Kontakten zwischen Nachkriegseuropa und den USA. Auch darüber hinaus war Bernhard ein vielbeschäftigter Mann...
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Das regierende Königshaus…
der Niederlande trägt den Namen Oranien-Nassau. Diverse Erbgänge brachten das Adelsgeschlecht der Oranier, dessen Ursprung wahrscheinlich im 9. Jahrhundert in der südfranzösischen Stadt Orange liegt, auf niederländisches Gebiet. Gründer der heute regierenden Dynastie ist Wilhelm IV., ab 1747 Erbstatthalter des Kaisers in den niederländischen Provinzen und ab 1815 als Wilhelm I. König der Niederlande. 1830 trennte sich Belgien nach einer erfolgreichen Revolution von den Niederlanden. 1840 trat Wilhelm I. zugunsten seines Sohnes zurück.
Unter der Drohung der europäischen Revolutionen von 1848 stimmte Wilhelm II. einer Verfassung zu. Wilhelm II., dessen Regierungszeit bis zu seinem Tod 1849 dauerte, schuf somit die Basis für die heute noch bestehende parlamentarische Monarchie. Einen Ruf aus anderem Grund erwarb sich Wilhelm III., Sohn Wilhelms II., dem die Niederländer den Spitznamen "König Gorilla" verpassten. Dieser König hatte zahlreiche uneheliche Kinder; 1875 wurde ihm in der Schweiz gar eine Geldstrafe wegen Exhibitionismus auferlegt. Im Alter von 61 Jahren heiratete Wilhelm III. die damals zwanzigjährige Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont. Emma bekam 1880 eine Tochter: die spätere Königin Wilhelmina...



