2. Dezember 1804: Napoleon setzt sich in der Kathedrale von Notre Dame die Krone aufs Haupt. Danach krönt er Joséphine. (Gemälde von Jaques-Louis David, 1806)
Die Nation kommt zur Ruhe
Wie kein Herrscher vor ihm baute Bonaparte staatliche Kontrollmechanismen auf: Per Gesetz machte der patriarchalisch denkende Konsul Frankreichs Lohnarbeitern das Mitführen von "Arbeitsbüchern" zur Pflicht, Vorläufer unserer heutigen Arbeitszeugnisse. Den "parlamentarischen" Gremien wurden ihre letzten Einspruchsmöglichkeiten entzogen.
Streng wachten Zensoren über "Umtriebe" der Medien. Geheimpolizei deckte "linke" und "rechte" Komplotte auf und beobachtete die Stimmung im Land. Auf der anderen Seite belohnte der Orden der Ehrenlegion loyales Verhalten, entstand ein Erziehungssystem, das Söhne und Töchter der neuen Eliten privilegierte. Die Nation kam zur Ruhe und wurde selbst zum Eigentum.
Der ganze Clan
Welchen Wert aber soll Eigentum haben, das nicht erblich ist - besonders für einen korsischen Familienmenschen wie Bonaparte? Die Lösung lag nahe: Umwandlung des Konsulats in eine Erbmonarchie. Erbkaiser der Franzosen wird Bonaparte, nunmehr Napoleon I., am 18. Mai 1804 - "von Gottes Gnaden und aufgrund der Verfassung der Republik", wie es im Text der Kaiserproklamation heißt. Napoleons Verwandte, der ganze Clan aus gierigen Brüdern und Schwestern, erhalten pompöse Titel und Pfründen; gleiches gilt für verdiente Militärs und Verwaltungshäuptlinge aller Art.
Karikatur von 1815: General Bonaparte als Gefangener auf Sankt Helena. "Ich rauche und beweine meine Sünden", so die Bildunterschrift des Originals.
"Warum", fragt Willms, "duldeten Menschen mit Sinn und Verstand ... diesen Operettenschwindel? Die Antwort ist einfach: Sie alle hatten die revolutionär-republikanische Gleichheit und Brüderlichkeit von Herzen satt, ihr Ehrgeiz galt ausnahmslos Besitz und Bedeutung, jeder von ihnen träumte von Reichtum, der unabhängig macht von den Wechselfällen des Schicksals."
Grenzenlose Expansion
Den Imperator des Eigentums machte der unermessliche Reichtum, den er etwa in den Kellerräumen der Tuilerien anhäufen ließ, keineswegs unabhängig von des Schicksals Wechselfällen: Napoleon scheiterte, zuerst in Spanien, später in Russland, trotz allen militärischen Talents. Schließlich fegte der Aufstand Europas die Reste des Imperiums hinweg. Ursache der Niederlage: strategische Überdehnung. Wie manche moderne Großbank kannte der korsische Emporkömmling eben nur noch das Prinzip grenzenloser Expansion. Und wie dort platzte die spekulative Blase am Ende.
Ein "Weltgeist" überlebt
Spätestens ab 1814 ließ die Klasse der neuen Eigentümer, ihre Schäfchen waren im Trockenen, den zunehmend erfolglosen Imperator fallen. Als Gefangener der Briten verbrachte General Bonaparte die letzten Jahre seines ereignisreichen Lebens auf der Insel Sankt Helena mitten im Südatlantik - über siebentausend Kilometer entfernt von Paris. Dort strickte er an seiner Legende, reklamierte gar revolutionäre Ideale für sich. Am 5. Mai 1821 starb Napoleon Bonaparte an einem Magenleiden. Der "Weltgeist" des bürgerlichen Besitzdenkens überlebte.
Michael Schmittbetz (28.01.2010)
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Joséphine
Ehe und vorhergehende Liaison mit Joséphine de Beauharnais (1763 bis 1814) erlaubten dem General Bonaparte den Durchbruch in den Dunstkreis der Macht. Seitens des kleinen Korsen handelte es sich dabei aber nicht vorrangig um karrieristisches Kalkül, es war eine Liebesheirat.
Ganz anders sah Joséphine - eine von der Karibikinsel Martinique stammende Lebedame mit kreolischem Einschlag - die Sache: Die ehemalige Geliebte des Direktors (quasi Regierungschefs) Paul de Barras setzte angesichts ihres nach damaligen Begriffen schon fortgeschrittenen Alters auf den unbeholfenen Bonaparte - und machte ihn zum Protegé ihres Ex-Geliebten. Das alles freilich, ohne dieser "Rentenversicherung" als Mann irgendein Interesse entgegenzubringen.
Ganz anders sah Joséphine - eine von der Karibikinsel Martinique stammende Lebedame mit kreolischem Einschlag - die Sache: Die ehemalige Geliebte des Direktors (quasi Regierungschefs) Paul de Barras setzte angesichts ihres nach damaligen Begriffen schon fortgeschrittenen Alters auf den unbeholfenen Bonaparte - und machte ihn zum Protegé ihres Ex-Geliebten. Das alles freilich, ohne dieser "Rentenversicherung" als Mann irgendein Interesse entgegenzubringen.
Nichts hielt Joséphine davon ab, während Bonapartes Feldzügen in Italien und Ägypten zahlreiche Liebschaften zu unterhalten. Der ehrgeizige General platzte fast vor korsischer Eifersucht, setzte die dadurch angestaute Energie allerdings in militärische Aktivität um. Joséphine scheute nicht einmal davor zurück, ihren bekanntesten Liebhaber, den schönen Husarenleutnant Hippolyte Charles, bei einem ihrer seltenen, von Bonaparte erbettelten Besuche in dessen italienischem Hauptquartier mit sich zu führen.
Gegen Ende des Ägyptenfeldzugs fiel einer von Bonapartes Eifersuchts-Droh-Bettelbriefen in britische Hände und wurde prompt in mehreren Londoner Zeitungen veröffentlicht. Bonaparte verzieh Joséphine immer wieder, trotz ihrer anhaltenden Verschwendungssucht. Barras seinerseits glaubte, Bonaparte über Joséphine, zu der er weiterhin ausgezeichnete Beziehungen pflegte, politisch am "Haken" zu haben. Ein Irrtum!
Erst nach ihrer Krönung zur Kaiserin 1804 scheint Joséphine weitgehend treu gewesen zu sein. Die Scheidung im Dezember 1809, Joséphine konnte Napoleon keine Kinder gebären, erschütterte sie schwer. Manche Historiker mutmaßen, dass Joséphine der eigentliche Antrieb von Napoleons Aufstieg gewesen sei. Tatsächlich begann die Lebenskurve des Kaisers ab 1810 nach unten zu weisen.
Aus dynastischen Gründen heiratete Napoleon 1811 Marie Luise von Habsburg, älteste Tochter des österreichischen Kaisers Franz I. Joséphine starb am 29. Mai 1814, nach Napoleons Niederlage, qualvoll an einer Kehlkopfentzündung. Der russische Zar Alexander I. hatte bis fast zum Schluss an ihrem Sterbebett im Schloss Malmaison geweilt.
Aus dynastischen Gründen heiratete Napoleon 1811 Marie Luise von Habsburg, älteste Tochter des österreichischen Kaisers Franz I. Joséphine starb am 29. Mai 1814, nach Napoleons Niederlage, qualvoll an einer Kehlkopfentzündung. Der russische Zar Alexander I. hatte bis fast zum Schluss an ihrem Sterbebett im Schloss Malmaison geweilt.



