Hitlers Zombie
Zwölf Jahre lang lag die Macht unbestritten in Hitlers Händen. Wer daran teilhaben wollte, musste in seiner Nähe sein. Ein Bürokrat, dem das sehr gut gelang, war Martin Bormann - Sekretär des "Führers".Am 7. Dezember 1972 stoßen Bauarbeiter an der Westberliner S-Bahn-Strecke auf zwei Skelette. Die Schädel haben Glassplitter zwischen den Zähnen. Gerichtsmediziner identifizieren das mit 1,90 Metern größere der beiden Skelette als sterblichen Rest des SS-Arztes Dr. Ludwig Stumpfegger.
Gebissuntersuchungen am zweiten, 1,68 Meter großen Skelett bestätigen dann den spontanen Verdacht: Der Tote ist Martin Bormann, Sekretär des Führers und, nach Hitler, mächtigster Mann in der Nazi-Hierarchie während der letzten Jahre des Dritten Reichs.
Fememörder
Die Jugend Martin Bormanns, der "braunen Eminenz", wie man ihn später nennt, ist für NS-Karrieren kaum außergewöhnlich: Als Sohn eines Postbeamten am 17. Juni 1900 bei Halberstadt geboren, wird der junge Bormann nach dem Ersten Weltkrieg Bauer und Gutsinspektor in Mecklenburg. 1924 landet Bormann kurzzeitig im Gefängnis, weil er an einem Fememord beteiligt war - der damals üblichen Methode rechtsradikaler Kreise, offene Rechnungen zu begleichen.
Das Jahr im Gefängnis qualifiziert den brutalen und ungebildeten Mann für höhere Weihen: 1928 tritt Bormann der NSDAP bei, ist Fahrer des Weimarer Gauleiters Fritz Sauckel. Rasch steigt der willige Helfer in die Führungsriege auf. Meriten erwirbt er mit der Idee einer parteieigenen Unfallversicherung für die SA.
Die Kasse weist bald erheblichen Überschuss aus; Hitler wird auf Bormann aufmerksam. Seinerseits sucht Bormann beharrlich Hitlers Nähe. Sogar seine zweite Ehe - mit der ältesten Tochter des einflussreichen Parteijuristen Walter Buch - ist dem großen Ziel untergeordnet.
Stabsleiter bei Heß
Bormann, bildungsfern, doch von primitiver bürokratischer Effizienz, rutscht nach oben. Hitler, ein ausgezeichneter Menschenkenner, sieht die fast hündische Ergebenheit des getreuen Paladins, macht ihn zum Verwalter seines Vermögens, und vertraut ihm die Aufsicht über den Berghof am Obersalzberg an. Bormann schleicht den Weg zur Macht, ohne eigene Substanz, lauernd auf jedes Wort seines Herrn.
Eva Braun und Adolf Hitler 1942 auf dem Berghof: Bormann ist der Verwalter. (Bild: Bundesarchiv, CreativeCommons)
Im Mai 1941 entschwindet Heß nach Schottland, getrieben von der Illusion, dort Friedensgespräche mit Churchills Regierung einleiten zu können. Nichts hält von nun an Bormanns Karriere auf. Schon Ende des Monats avanciert der Oberbürokrat zum Leiter der NS-Parteikanzlei im Rang eines Reichsministers.
Mit dem Amt übernimmt Bormann die formalistisch erstarrte Hülle der einst von Flügelkämpfen belebten NSDAP - passend zum eigenen Wesen, das unterwürfiger, kritikloser Gehorsam charakterisiert.
Wie Kühe und Ochsen
"Es war ihm gelungen", schreibt rückblickend Hitlers Architekt und Rüstungsminister Albert Speer, "sich unscheinbar darzustellen und seine Bastion unmerklich auszubauen. Selbst unter den vielen gewissenlosen Machtträgern stach er durch Brutalität und Gefühlsrohheit hervor; er verfügte über keinerlei Bildung, die ihm Schranken auferlegt hätte und setzte in jedem Fall durch, was Hitler befohlen hatte oder was er selber aus Andeutungen Hitlers herauslesen mochte. Von Natur aus subaltern, behandelte er seine Untergebenen, als hätte er es mit Kühen und Ochsen zu tun; er war Landwirt."...
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Hitlers Trio
Drei Männer kontrollierten ab etwa 1941 fast uneingeschränkt den Zugang zu Adolf Hitler: Das waren Martin Bormann, Chef der NS-Parteikanzlei und - seit 1943 - offizieller Sekretär des Führers, ferner Hans Heinrich Lammers, Jurist, Chef der Reichskanzlei und ebenso wie Bormann im Rang eines Reichsministers, sowie Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht.
Das Trio bildete praktisch eine innere Kabinettsregierung, zumal Hitler die immer noch bestehende Reichsregierung kaum mehr einberief. Göring und Goebbels, sonst nur selten einer Meinung, verbündeten sich 1943 vor allem gegen Bormann und Lammers (Keitel hielten sie für eine Null), setzten sich jedoch nicht durch.
Eine wichtige Funktion des "Schutzschirms" um Hitler war, den "Führer" von mit den Jahren immer schlechter werdenden Nachrichten abzuschotten - und gleichzeitig das von Hitler teilweise bewusst erzeugte administrative Chaos zu steuern.
Bormann intrigierte sogar noch während der letzten Tage im Bunker gegen Göring und erwirkte dessen Verhaftung durch die SS auf dem Obersalzberg. Der Jurist Lammers überlebte, anders als Bormann und Keitel, Niederlage und Nürnberger Tribunal.
Drei Männer kontrollierten ab etwa 1941 fast uneingeschränkt den Zugang zu Adolf Hitler: Das waren Martin Bormann, Chef der NS-Parteikanzlei und - seit 1943 - offizieller Sekretär des Führers, ferner Hans Heinrich Lammers, Jurist, Chef der Reichskanzlei und ebenso wie Bormann im Rang eines Reichsministers, sowie Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht.
Das Trio bildete praktisch eine innere Kabinettsregierung, zumal Hitler die immer noch bestehende Reichsregierung kaum mehr einberief. Göring und Goebbels, sonst nur selten einer Meinung, verbündeten sich 1943 vor allem gegen Bormann und Lammers (Keitel hielten sie für eine Null), setzten sich jedoch nicht durch.
Eine wichtige Funktion des "Schutzschirms" um Hitler war, den "Führer" von mit den Jahren immer schlechter werdenden Nachrichten abzuschotten - und gleichzeitig das von Hitler teilweise bewusst erzeugte administrative Chaos zu steuern.
Bormann intrigierte sogar noch während der letzten Tage im Bunker gegen Göring und erwirkte dessen Verhaftung durch die SS auf dem Obersalzberg. Der Jurist Lammers überlebte, anders als Bormann und Keitel, Niederlage und Nürnberger Tribunal.



