Krieg der Kontinente
Konflikt zwischen Ideologien - Glaubenskrieg - das waren die Gemetzel im Osten. Aber Hitler wollte mehr, als nur "Lebensraum" in Stalins Reich erobern. Ihm schwebte die Weltherrschaft vor - und ein Nazi-Europa.Frühjahr 1941, vor der Karte Osteuropas: Hitler plant mit seinen Beratern Keitel und Jodl den Überfall.
In den Köpfen hängen blieb, obwohl Historiker manches geleistet haben, nur ein höchst dürftiges Erklärungsschema: Zwei totalitäre Regimes, mit einander ausschließenden Ideologien, mussten nun mal aufeinander stoßen; die Vision vom Lebensraum im Osten, vom deutschen Herrenvolk, habe sich eben nicht mit der Idee der kommunistischen Weltrevolution vertragen. Auf die Art aber ist das bloß langweilige Vergangenheit, vorbei. Sollte es da nicht mehr - und Spannenderes - geben?
Endziel Weltherrschaft
Gewiss wollte Hitler seinen Krieg im Osten, gewiss war dies, anders als der "verkehrte" Krieg im Westen, der eigentliche Kampf der Nationalsozialisten gegen die Kommunisten. Was Hitler, spätestens ab 1940, allerdings wirklich wollte, das waren nicht russische Steppen und Sümpfe. Es war, für sich - und für das deutsche Volk, wie er es verstand - die Weltherrschaft: "Falls einmal alles vorüber ist", kommentierte Italiens Diktator Mussolini seinen übermächtigen deutschen Jünger, "dann bleibt uns am Ende wohl bloß noch der Mond zum Erobern übrig..."
Der Mond? Wenn was vorüber ist? Um den Russlandfeldzug allein kann es sich bei Mussolinis ironischer Bemerkung ja kaum gehandelt haben: Denn Russlands Niederlage wäre nicht das Ende des Krieges gewesen, Englands erhoffte Kapitulation, infolge der russischen Niederlage, ebenfalls nicht. Hinter all dem stand, Alptraum in Hitlers Auffassung der Welt, ein anderer Gigant - jenseits des Ozeans: In der Rolle der USA, in ihrer Wirtschaftsmacht und in ihrem enormen strategischen Potenzial, liegt die Erklärung für Hitlers Angriffsentschluss Richtung Osten.
Als Wahnwitz entlarvt?
Während der Nachkriegsjahre ist es Mode geworden, Hitlers Plan zur Auslöschung von Stalins Reich als "Wahnwitz" zu entlarven. Nur, gerade ein wahnwitziger Entschluss setzt immer noch Handlungsfreiheit voraus, unterstellt, dass es in der konkreten Situation noch andere, vernünftige Varianten gegeben hätte.
Joachim Fest bringt das Problem in seiner Hitler-Biografie auf den Punkt: "Der Entschluss zum Angriff auf die Sowjetunion ist vielfach als eine der blinden, rätselhaften, nur schwer begreiflichen Entscheidungen Hitlers angesehen worden, doch enthielt er mehr Rationalität und zugleich mehr Verzweiflung, als sich dem ersten Blick offenbart..."
Formung Europas
Unter dem Zwang zum Sieg, bei Strafe des eigenen Untergangs, blieb der nazideutschen Führung nur ein einziges Verfahren: die Formung des europäischen Kontinents, mit all seinen Menschen und Ressourcen, zum Instrument, welches Deutschland den Weg in die Weltherrschaft ebnet. Das Reich allein, in europainterne Konflikte verwickelt, wäre dem globalen Gegner niemals ebenbürtig...
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Fehleinschätzungen
Überraschende Ausfallbewegung sollte er sein, der Angriff gen Osten, um die festgefahrene Kriegssituation zu Deutschlands Gunsten zu verändern. Natürlich steckten Hitler und seine Generale voll optimistischer Illusionen: War Russlands Heer nicht ein "Koloss auf tönernen Füßen"? Hatte die Rote Armee nicht gerade im Krieg gegen das kleine Finnland schmählich versagt?
Der Optimismus aber war äußerlich: "Mir ist, als ob ich die Tür zu einem dunklen, niemals gesehenen Raum aufstoße, ohne zu wissen, was sich hinter dieser Tür befindet," meinte der von Sorgen geplagte Hitler in der Nacht zum 22. Juni 1941, dem Angriffstag. "Hinter dieser Tür" befand sich tatsächlich mehr, als Generale und Nazigrößen jemals vermutet hätten!
Rund 15.000 Panzer standen den Sowjets schon zu Beginn, gegen etwa 3.600 deutsche Panzer, zur Verfügung. Massiv war die russische zahlenmäßige Überlegenheit an Reserven aller Art. Lediglich Motivation und Routine erlaubten der Wehrmacht beeindruckende Anfangserfolge. Im Schlamm und Schnee vor Moskau, Ende Dezember 1941, scheiterte Hitlers Gesamtkonzept, als Stalin frische sibirische Divisionen in die Schlacht warf. Kein deutscher Stab ahnte etwas von deren Existenz...
Überraschende Ausfallbewegung sollte er sein, der Angriff gen Osten, um die festgefahrene Kriegssituation zu Deutschlands Gunsten zu verändern. Natürlich steckten Hitler und seine Generale voll optimistischer Illusionen: War Russlands Heer nicht ein "Koloss auf tönernen Füßen"? Hatte die Rote Armee nicht gerade im Krieg gegen das kleine Finnland schmählich versagt?
Der Optimismus aber war äußerlich: "Mir ist, als ob ich die Tür zu einem dunklen, niemals gesehenen Raum aufstoße, ohne zu wissen, was sich hinter dieser Tür befindet," meinte der von Sorgen geplagte Hitler in der Nacht zum 22. Juni 1941, dem Angriffstag. "Hinter dieser Tür" befand sich tatsächlich mehr, als Generale und Nazigrößen jemals vermutet hätten!
Rund 15.000 Panzer standen den Sowjets schon zu Beginn, gegen etwa 3.600 deutsche Panzer, zur Verfügung. Massiv war die russische zahlenmäßige Überlegenheit an Reserven aller Art. Lediglich Motivation und Routine erlaubten der Wehrmacht beeindruckende Anfangserfolge. Im Schlamm und Schnee vor Moskau, Ende Dezember 1941, scheiterte Hitlers Gesamtkonzept, als Stalin frische sibirische Divisionen in die Schlacht warf. Kein deutscher Stab ahnte etwas von deren Existenz...



