Die 1960er Jahre
Liebe, Freiheit, Selbstbestimmung - das kam an, auch bei jungen Menschen im Osten. Der Staat reagierte nur wenig tolerant. Beatmusik war bald "musikalischer Klassenfeind".Die Beatles, 1964: Per Rundfunk und auf mitgebrachten Schallplatten gelangte ihre Musik auch in die DDR.
Vorbild Amerika
Überall in Ostdeutschland fanden sich junge Bands wie die Spotlights, Team 4, das Diana Show Quartett, die Butlers (die spätere Klaus Renft Combo) oder die Sputniks zusammen und begannen, die Musik ihrer Vorbilder aus Amerika und England mit durchschlagendem Erfolg nachzuspielen. Die Entstehung der "Gitarrengruppen" und der damit einhergehenden Beatbewegung wurde zu Beginn von der DDR-Staatsmacht toleriert. Man versuchte, die neu entstandene Jugendbewegung politisch einzubinden.
Frischer Wind
Im Ergebnis des Deutschlandtreffens der Freien Deutschen Jugend im Jahr 1964 gründete sich mit dem legendären DT 64 sogar eine eigene Jugendradiowelle. In dieser Zeit presste das DDR-Label AMIGA auch die ersten Beatplatten. Doch der frische Wind wehte nur kurze Zeit durch die DDR.
Musikalischer "Klassenfeind"
Die jungen wilden Musiker mit ihren langen Haaren und elektrischen Gitarren wurden den DDR-Oberen schnell suspekt. Vor allem die englischen Songtexte, die von Liebe und Freiheit und Selbstbestimmung handelten, zeigten Wirkung. Die mit dem Beat-Virus infizierte Jugend ließ sich immer weniger unter Kontrolle halten. Das erregte Anstoß bei der Staatsmacht. Mittlerweile beeinflussten zunehmend Bands wie die Beatles und die Rollings den Ostbeat stilistisch. Der musikalische Einmarsch des "Klassenfeindes" in die Köpfe der Jugendlichen musste gestoppt werden.
"Gammler" und "Rowdys"
Rundfunkantennen wurden von den Dächern gerissen, Bands verboten, die Beatfans bekamen als "Gammler" und "Rowdys" die Härte der Staatsmacht zu spüren. Der Protest artikulierte sich bei der legendären Leipziger Beat-Demo am 31. Oktober 1965, bei der Jugendliche offen gegen Bandverbote demonstrierten (siehe Infokasten).
Streng auf Linie
Das 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 machte durch den auf ihm festgelegten, streng linientreuen Kurs die Hoffnungen der meisten DDR-Musiker auf mehr künstlerische Freiheit zunichte. Das Zitat von SED-Chef Walter Ulbricht: "Man sollte doch mit der Monotonie des Yeah - Yeah - Yeah endlich Schluss machen..." ging in die DDR-Geschichte ein. Die Folgen für die gesamte Szene waren gravierend. Viele Bands erhielten Auftrittsverbote oder wurden von staatlicher Seite angehalten, sich der FDJ-Singebewegung anzuschließen. Die Beatmusik wurde als "dekadent" gebrandmarkt.
Illegal oder getarnt
Erreicht wurde wenig, denn die Folge war eine trickreiche Anpassung der Gruppen. Sie spielten Beatmusik entweder illegal oder getarnt als Schlager-Bands unter neuen Namen. Damit setzte sich der Beat endgültig in den Köpfen der Jugendlichen fest, da die verbotenen Dinge die interessantesten sind. Die wenigen in diesen Jahren erschienen Beatplatten zeichnen sich durch eine besonders intensive und originelle Mischung von Jazz, Schlager und Beatelementen aus.
Die 1960er Jahre: politisch suspekt
Die 1970er Jahre: der Drahtseilakt
Die 1980er Jahre: endgültig Schluss?
Die 1970er Jahre: der Drahtseilakt
Die 1980er Jahre: endgültig Schluss?
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Infobox
All you need is beat
Der Spruch war um die Mitte der 1960er Jahre auch in der DDR populär. Dabei schwankte die Politik von Partei- und Staatsführung gerade zu dieser Zeit extrem zwischen maßvoller Förderung und Repression. Ebenso konservativ eingestellt wie große Teile der Bevölkerung, standen die DDR-Oberen den jungen ostdeutschen Beatbands und deren Fans im Allgemeinen allerdings eher skeptisch gegenüber.
Anlass zum "Durchgreifen" bot sich, als am 15. September 1965 ein Konzert der Rolling Stones auf der Westberliner Waldbühne in Prügeleien mit der Polizei und zwischen zerlegtem Mobiliar endete. Die "Sicherheitsorgane" befürchteten für den Osten Ähnliches.
Ostdeutsche Polizei und MfS "schossen" sich nun republikweit auf die Beatszene ein: Aus überwiegend konstruierten Gründen - zum Beispiel Steuerhinterziehung - verbot man Bands; "Gammler" bekamen den offiziellen Druck in Schulen und Betrieben zu spüren.
Vermutlich brachte das Verbot der Butlers - einer Band, die erst kurz zuvor von der FDJ hoch gelobt worden war und sogar im Rundfunk präsent sein durfte - das Fass zum Überlaufen: Am 31. Oktober 1965 demonstrierten auf dem Leipziger Leuschnerplatz mehrere Hundert (nach anderen Quellen bis zu zweieinhalbtausend) Jugendliche gegen die Anti-Beat-Politik der DDR-Führung.
Die Staatsgewalt knüppelte den Protest nieder, es gab Verletzte, viele Demonstranten wurden verhaftet und kurzzeitig der "Arbeitserziehung" zugeführt. Für die Rockmusik in der DDR war das ein herber Rückschlag. Andererseits bildete die Erzählung von der Beat-Demo auf dem Leuschnerplatz bis zum Ende der DDR so etwas wie einen Gründungsmythos der subkulturellen Leipziger Szene.
Der Spruch war um die Mitte der 1960er Jahre auch in der DDR populär. Dabei schwankte die Politik von Partei- und Staatsführung gerade zu dieser Zeit extrem zwischen maßvoller Förderung und Repression. Ebenso konservativ eingestellt wie große Teile der Bevölkerung, standen die DDR-Oberen den jungen ostdeutschen Beatbands und deren Fans im Allgemeinen allerdings eher skeptisch gegenüber.
Anlass zum "Durchgreifen" bot sich, als am 15. September 1965 ein Konzert der Rolling Stones auf der Westberliner Waldbühne in Prügeleien mit der Polizei und zwischen zerlegtem Mobiliar endete. Die "Sicherheitsorgane" befürchteten für den Osten Ähnliches.
Ostdeutsche Polizei und MfS "schossen" sich nun republikweit auf die Beatszene ein: Aus überwiegend konstruierten Gründen - zum Beispiel Steuerhinterziehung - verbot man Bands; "Gammler" bekamen den offiziellen Druck in Schulen und Betrieben zu spüren.
Vermutlich brachte das Verbot der Butlers - einer Band, die erst kurz zuvor von der FDJ hoch gelobt worden war und sogar im Rundfunk präsent sein durfte - das Fass zum Überlaufen: Am 31. Oktober 1965 demonstrierten auf dem Leipziger Leuschnerplatz mehrere Hundert (nach anderen Quellen bis zu zweieinhalbtausend) Jugendliche gegen die Anti-Beat-Politik der DDR-Führung.
Die Staatsgewalt knüppelte den Protest nieder, es gab Verletzte, viele Demonstranten wurden verhaftet und kurzzeitig der "Arbeitserziehung" zugeführt. Für die Rockmusik in der DDR war das ein herber Rückschlag. Andererseits bildete die Erzählung von der Beat-Demo auf dem Leuschnerplatz bis zum Ende der DDR so etwas wie einen Gründungsmythos der subkulturellen Leipziger Szene.



