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Politbüro

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Kleines d und großes Z
Offizielles Organisationsprinzip der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) war der so genannte demokratische Zentralismus. Was ist unter dem merkwürdig paradox klingenden Begriff zu verstehen? Formal betrachtet sollten Weisungen von oben nach unten laufen, verbunden mit einer ebenfalls von oben nach unten gerichteten Rechenschaftspflicht, während "konstruktive Kritik", und demokratische Wahlakte, von unten nach oben erfolgen sollten.

Theoretisch wählten demnach die Partei-Grundorganisationen ihre Parteisekretäre. Delegierte der Grundorganisationen wählten die Mitglieder der Kreisleitungen, auf ähnliche Weise wurde die Zusammensetzung der Bezirksleitungen bestimmt, bis hinauf zu den Mitgliedern des Zentralkomitees. Das Zentralkomitee wählte dann, wieder der Theorie nach, die Mitglieder des Politbüros. Und das Politbüro wählte den Generalsekretär.

Praktisch allerdings waren die zu wählenden Personen von den jeweils übergeordneten Partei-Ebenen vorgegeben: Die jeweilige Kreisleitung bestimmte die Parteisekretäre der Grundorganisationen; wer Mitglied einer Kreisleitung werden sollte, war von der übergeordneten Bezirksleitung "nominiert" und so weiter. Der Wahlakt selbst lief dann als reine Routinehandlung über die Bühne, meist mit dem Ergebnis der Einstimmigkeit.

Ähnliches passierte im und mit dem Politbüro: Theoretisch sollte das Zentralkomitee die Mitglieder des Politbüros wählen; praktisch wählte der jeweilige Generalsekretär sein Politbüro unter dem Aspekt persönlicher Gefolgschaft aus. Um die Situation im Ganzen zu beschreiben, gab es die sarkastische Bemerkung vom kleinen d und vom großen Z: Demokratie spielte eine extrem untergeordnete, nahezu verschwindende Rolle gegenüber der Allgegenwart des Zentralismus.

Ein Effekt dieses verlogenen Systems war, dass die Mitglieder des Politbüros praktisch nicht abgewählt werden konnten. Auch deshalb stieg der Altersdurchschnitt immer mehr an. Wer das Politbüro verließ, war unheilbar krank, verstorben oder - was selten geschah - in Ungnade gefallen.

Generalsekretäre kommunistischer Parteien der Ostblockstaaten wurden auf internationalem Parkett - sprich: in Moskau - gekürt. Dass die Mitglieder des SED-Politbüros schließlich, auf der Sitzung am 17. Oktober 1989, von ihrem formalen (Ab)wahlrecht Gebrauch machten, hatte den Charakter einer besonderen Pointe - und leitete den endgültigen Zusammenbruch ein: Zermürbt vom kleinen d und vom großen Z, war an der Parteibasis längst jede Eigenständigkeit erloschen.

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Erich Mielke (1907 bis 2000),...
bekannt vor allem als Minister für Staatssicherheit, zählte zu den prominentesten Mitgliedern des SED-Politbüros. Obwohl ein gewiefter und zynischer Machttaktiker, war auch Mielke von dem Glauben durchdrungen, nach dem Willen der Massen zu handeln und deshalb deren Zustimmung, ja Zuneigung zu verdienen. Diesem unter hohen Funktionären verbreiteten Glauben - im Sinne einer Lebenslüge - hing Mielke sogar mit besonderer Zähigkeit an.

Unsanft aus sämtlichen Illusionen gerissen wurde der nun schon Ex-Stasichef während einer Rede vor der "gewendeten" Volkskammer am 13. November 1989, die er als einfacher Abgeordneter hielt: "Ich liebe - ich liebe doch alle - alle Menschen - na, ich liebe doch - ich setze mich doch dafür ein", waren seine gestammelten Worte, als ihn Zwischenrufe aus dem Konzept gebracht hatten.

Wenige Woche zuvor hatte Mielke am Sturz des Generalsekretärs Erich Honecker mitgewirkt. Dabei versuchte der alte Geheimdienstler, Honecker mit verfänglichen Dokumenten über dessen Verhalten in der Haft unter den Nazis zu erpressen. Honecker reagierte in der Politbürositzung am 13. Oktober 1989 mit einem barschen "Reiß dein Maul nicht so weit auf!" Auch der Generalsekretär hatte schließlich Akten im Panzerschrank, die Mielkes Vergangenheit betrafen. Später wirkte Mielke zeitweise desorientiert. Seine Illusionen waren ins Nichts zerstoben.