Die Thurn und Taxis blieben zwar auch später, während der Zeit des Deutschen Bundes, wettbewerbsfähig, doch ließ das infolge der Napoleonischen Kriege aufgekommene nationalstaatliche Gedankengut keinen Platz für frühneuzeitliche Restprivilegien aus dem 16. Jahrhundert.
"350 Jahre alter Krebsschaden"
Als Besitzer des größten zusammenhängenden Postnetzes strebte Preußen nach Beendigung des preußisch-österreichischen Krieges 1866 eine einheitliche, nationale Reichspost an. Zur Beseitigung des "350 Jahre alten Krebsschadens Deutschlands" schloss der Staat daher 1867 einen Ablösungsvertrag mit den Thurn und Taxis, in dem letztere ihre gesamten Postrechte gegen eine Summe von drei Millionen Talern abtraten.
Hochragend, stattlich und wehrhaft
Mit der Reichsgründung 1871 begann sich das Image der Post zu wandeln: die neue Staatspost hatte nun den Reichsgedanken zu repräsentieren. Zu diesem Zweck ordnete das Reich den Bau prunkvoller Postpaläste an, die den Bedürfnissen der staatlichen Selbstdarstellung dienten. Der Direktor des Reichspostamtes in Münster, Doktor Fischer, brachte den sich in der Architektur spiegelnden Wertekonsens auf den Punkt: hochragend, stattlich und wehrhaft nach außen seien die neuen Bauten, hell und wohnlich im Inneren - kurz: ein Ebenbild des Reiches, für dessen Dienst sie errichtet worden seien. Was einst die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erfolglos beanspruchten, nämlich Nachrichtenhoheit und Kommunikationskontrolle, nahm nun der Staat für sich in Anspruch.
Diener des Staates
Ausführende Organe im Dienst des Staates waren Postbeamte, die hoheitliche Aufgaben wahrnahmen. Zu deren Pflichten gehörte die Wahrung des Briefgeheimnisses; Verstöße wurden streng geahndet. Auch wenn die Beamten eine eher bescheidene Existenz führten, umgab ihre Tätigkeit doch ein großes Sozialprestige und die Aura, einer zentralen, staatlichen Institution anzugehören.
Die letzte Bastion
In der heutigen Zeit ist von diesem Prestige nichts geblieben. Als zu schwerfällig für den internationalen Wettbewerb galt das Monopol der Post. Daher sind Postangestellte seit der Privatisierung Dienstleister, deren Wert mit der Wirtschaftlichkeit der Post steigt und fällt. Auch wenn die Deutsche Post AG aufgrund verbliebener Exklusivrechte marktführend ist wie einst die taxische Post, droht ihr Konkurrenz von Hunderten anderen Unternehmen. In der Konsequenz heißt das: vorn Serviceorientierung, hinten Stellenabbau. Schon jetzt verrichten immer mehr ungelernte Arbeitskräfte die Arbeit qualifizierter Angestellter - weil sie billiger sind. Die freie Marktwirtschaft hat Schattenseiten. Was daraus wird, wird die Zukunft zeigen: Ende 2007 ist die letzte Bastion der Deutschen Post, das Briefmonopol, gefallen.
Yvonne Schmidt (aktualisiert 01.12.2009)
"350 Jahre alter Krebsschaden"
Als Besitzer des größten zusammenhängenden Postnetzes strebte Preußen nach Beendigung des preußisch-österreichischen Krieges 1866 eine einheitliche, nationale Reichspost an. Zur Beseitigung des "350 Jahre alten Krebsschadens Deutschlands" schloss der Staat daher 1867 einen Ablösungsvertrag mit den Thurn und Taxis, in dem letztere ihre gesamten Postrechte gegen eine Summe von drei Millionen Talern abtraten.
Hochragend, stattlich und wehrhaft
Mit der Reichsgründung 1871 begann sich das Image der Post zu wandeln: die neue Staatspost hatte nun den Reichsgedanken zu repräsentieren. Zu diesem Zweck ordnete das Reich den Bau prunkvoller Postpaläste an, die den Bedürfnissen der staatlichen Selbstdarstellung dienten. Der Direktor des Reichspostamtes in Münster, Doktor Fischer, brachte den sich in der Architektur spiegelnden Wertekonsens auf den Punkt: hochragend, stattlich und wehrhaft nach außen seien die neuen Bauten, hell und wohnlich im Inneren - kurz: ein Ebenbild des Reiches, für dessen Dienst sie errichtet worden seien. Was einst die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erfolglos beanspruchten, nämlich Nachrichtenhoheit und Kommunikationskontrolle, nahm nun der Staat für sich in Anspruch.
Diener des Staates
Ausführende Organe im Dienst des Staates waren Postbeamte, die hoheitliche Aufgaben wahrnahmen. Zu deren Pflichten gehörte die Wahrung des Briefgeheimnisses; Verstöße wurden streng geahndet. Auch wenn die Beamten eine eher bescheidene Existenz führten, umgab ihre Tätigkeit doch ein großes Sozialprestige und die Aura, einer zentralen, staatlichen Institution anzugehören.
Die letzte Bastion
In der heutigen Zeit ist von diesem Prestige nichts geblieben. Als zu schwerfällig für den internationalen Wettbewerb galt das Monopol der Post. Daher sind Postangestellte seit der Privatisierung Dienstleister, deren Wert mit der Wirtschaftlichkeit der Post steigt und fällt. Auch wenn die Deutsche Post AG aufgrund verbliebener Exklusivrechte marktführend ist wie einst die taxische Post, droht ihr Konkurrenz von Hunderten anderen Unternehmen. In der Konsequenz heißt das: vorn Serviceorientierung, hinten Stellenabbau. Schon jetzt verrichten immer mehr ungelernte Arbeitskräfte die Arbeit qualifizierter Angestellter - weil sie billiger sind. Die freie Marktwirtschaft hat Schattenseiten. Was daraus wird, wird die Zukunft zeigen: Ende 2007 ist die letzte Bastion der Deutschen Post, das Briefmonopol, gefallen.
Yvonne Schmidt (aktualisiert 01.12.2009)
Teil 1: Vernetzung erwünscht
Teil 2: Monopol mit Widerständen
Teil 3: Wandel zur Staatspost - und zurück
Teil 2: Monopol mit Widerständen
Teil 3: Wandel zur Staatspost - und zurück
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Infobox
Früher Gebühr, heute Entgelt
Der Schwarze Einser war die erste deutsche Briefmarke, herausgegeben von Bayern 1849. Berechnete die Post das Porto bis dahin nach der jeweiligen Entfernung, stellte das neue Wertzeichen die Gebührenordnung auf eine neue Grundlage. Da die Post ein Staatsbetrieb war, war das Porto folglich eine öffentlich-rechtliche Gebühr, der Kauf der Marke ein Verwaltungsakt.
Seit der Privatisierung der Deutschen Post 1995 ist der Erwerb allerdings ein privatrechtlicher Kaufvertrag. Die früheren Postbenutzer sind nun Postkunden, die eine privatrechtliche Dienstleistung gegen ein Leistungsentgelt entgegen nehmen. Ausgegeben werden die Briefmarken aber immer noch vom Staat, nämlich vom Bundesfinanzministerium.
Der Schwarze Einser war die erste deutsche Briefmarke, herausgegeben von Bayern 1849. Berechnete die Post das Porto bis dahin nach der jeweiligen Entfernung, stellte das neue Wertzeichen die Gebührenordnung auf eine neue Grundlage. Da die Post ein Staatsbetrieb war, war das Porto folglich eine öffentlich-rechtliche Gebühr, der Kauf der Marke ein Verwaltungsakt.
Seit der Privatisierung der Deutschen Post 1995 ist der Erwerb allerdings ein privatrechtlicher Kaufvertrag. Die früheren Postbenutzer sind nun Postkunden, die eine privatrechtliche Dienstleistung gegen ein Leistungsentgelt entgegen nehmen. Ausgegeben werden die Briefmarken aber immer noch vom Staat, nämlich vom Bundesfinanzministerium.



