Der Global Player
Alfred Herrhausen war ab Mai 1988 alleiniger Vorstandssprecher des Vorstandes der Deutschen Bank. Innovatives Denken und unorthodoxe Konzepte zur Lösung der internationalen Schuldenkrise verbanden sich bei ihm mit großem politischen Einfluss. Nach Intellekt und Durchsetzungsvermögen zählte er zu den mit weitem Abstand bedeutendsten deutschen Wirtschaftspersönlichkeiten.Hier einige Eckdaten seiner Biografie:
Alfred Herrhausen wird am 30. Januar 1930 in Essen als Sohn eines Vermessungsingenieurs geboren. Aufgewachsen ist Herrhausen als Trümmerkind des Zweiten Weltkriegs. Schon während seiner Schulzeit arbeitet er unter Tage, um sich das Geld für sein Studium zu verdienen.
Ab 1952 arbeitet Herrhausen als Direktions-Assistent in der Hauptverwaltung der Ruhrgas AG. 1955 wechselt er zu den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen AG (VEW) nach Dortmund.
1969 geht Herrhausen mit 38 Jahren als Stellvertreter des Vorstandes zur Deutschen Bank nach Frankfurt. Bereits 1971 wird er zum ordentlichen Mitglied des Vorstandes ernannt.
Anfang 1980 entwirft Herrhausen Pläne für eine komplette Umstrukturierung, um die Bank für kommende Feldzüge auf globalem Terrain schlagkräftiger zu machen. Nach internen Umstellungen beginnt er als erster Manager, durch Zukauf zum Beispiel der Morgan Grenfell Bank, weltweit zu expandieren. Im Laufe der Jahre 1987 bis 1989 entwickelt sich Herrhausen zu einem der profiliertesten Akteure in der globalen Schuldenkrise, bei der es um etliche Milliarden Dollar und um die Existenz vieler großer Bankhäuser geht.
Die Forderung nach dem teilweisen, aber dennoch gravierenden Schuldenerlass für die am stärksten verschuldeten Länder ist einer seiner Haupt-Programmpunkte. Besonders US-amerikanische Institute wären dadurch in ihren geschäftlichen Interessen tangiert worden. Gleichzeitig hätte diese Strategie der Deutschen Bank günstige Positionen auf dem Weg zur globalen Machtstellung verschafft.
Am 30. November 1989 wird Alfred Herrhausen Opfer eines Bombenanschlags. Er stirbt im Alter von 59 Jahren in Bad Homburg.
Michael Schmittbetz (25.09.2003)
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