Verhexte Ziffern und Brüche? Ach wo, alles ganz natürlich!, fand Adam Ries.
Zahlen für das Volk
Das Einmaleins lernen Kinder heute schon in der ersten Klasse - vor dem 17. Jahrhundert stand Mathematik in den Lateinschulen noch gar nicht auf dem Lehrplan. Kein Wunder also, dass das einfache Volk die Rechenkunst als Hexenwerk betrachtete. Sogar Studenten standen dem Fach mit Argwohn gegenüber.Erst Einfaches, dann Schwieriges
Adam Ries sollte das ändern - mit seinen neu entwickelten Lehrmethoden: Er schrieb seine Bücher auf Deutsch, nicht in Latein. Sein didaktischer Grundsatz war es, vom Einfachen zum Schwierigeren überzugehen. Unzählige Wiederholungen, Übungsbeispiele und Proben machten aus dem vermeintlichen Ungeheuer Mathematik ein beherrschbares Procedere.
Inspirierendes Erfurt
Rechenaufgaben für seine Bücher entnahm Ries dem Alltag der Handwerker und Händler. So überrascht es kaum, dass ihn die Handelsstadt Erfurt, die gleichzeitig eine blühende Universitätsstadt war, zu seinen wohl besten Werken anregte: In Erfurt schrieb er 1518 Rechnen auf der Linie und im Jahre 1522, gegen Ende seines Aufenthalts, Rechnung auf der Linie und mit der Feder.
Vom Zählen...
Ries' Erfurter Rechenschule fand ihr Publikum sowohl unter Gewerbetreibenden als auch unter anderen mathematisch interessierten Zeitgenossen, die nicht dem Gelehrtenstand angehörten. "Auf Linien rechnen" bedeutete das sinngerechte Verschieben und Aufheben von Rechenpfennigen auf einem Rechenbrett. Die Ergebnisse mathematischer Operationen konnten schließlich abgelesen werden. Linienrechnen ist also lediglich
Überschaubares schriftliches Rechnen mit der Feder: Erstausgabe des zweiten, wichtigsten Buches von Adam Ries.
...zum Rechnen
Auf solche Weise konnte das meist schriftunkundige Volk die Aufgaben rechnen, die der Alltag ihm stellte. Ein Buch für Analphabeten also, so etwas gab es noch nie! Doch der aufstrebende Kaufmannsstand hatte natürlich viel weitergehende Bedürfnisse als die unteren Schichten. Das umständliche, wenn auch anschauliche Rechenbrett-Verfahren sollte durch wirkliches "Rechnen mit der Feder" abgelöst werden. Ries verwendete methodisch geschickt indisch-arabische Ziffern, statt der bis dato bekannten römischen Zahlzeichen...
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Infobox
Um etwas zu zählen, benötigt man geeignete Zahlendarstellungen und -systeme. Die einfachste und natürlichste Gliederung liefern dafür unsere Hände und Füße. So wie sie noch heute bei Erstklässlern zum Einsatz kommen, waren sie Basis verschiedener Zahlensysteme der Hochkulturen aller Kontinente: fünf Finger einer Hand, zehn Finger an beiden Händen oder insgesamt zwanzig Finger und Zehen. Griechen, Chinesen und Mayas hatten eine Fünfer-Stufung; Ägypter, Sumerer und auch Babylonier die Zehner-Stufung; in Indien gab es eine Zwanziger-Stufung. Aus diesen Stufungen ließen sich beliebig hohe Zahlen zusammensetzten. Noch heutige Zählweisen belegen diese alten Zahlensysteme: Das französische Wort für die Zahl 80 ist quatre-vingt, was übersetzt "vier mal zwanzig" bedeutet. Die Mesopotamier kannten wegen ihrer hoch entwickelten Astronomie die Jahreseinteilung in 360 Tage, woraus sich vermutlich ihre zusätzliche Sechziger-Stufung entwickelt hat. Im Zweistromland wurde die Null erfunden. Auch Mayas und Inder entdeckten die Null für sich. In Europa tat man sich dagegen schwer mit einer Zahl, die gar keine ist.



