Das wohl bekannteste Propagandafoto Rommels: 1941 in sorgfältig arrangierter Feldherrenpose vor Tobruk.
"Ein großer Feldherr"
London, 27. Januar 1942: Die Mitglieder des Britischen Unterhauses trauen ihren Ohren nicht recht. "Wir haben es mit einem äußerst kühnen und geschickten Gegner zu tun," verkündet Premierminister Winston Churchill den erstaunten Parlamentariern, "mit einem großen Feldherrn, wenn ich so etwas über die Schrecken des Krieges hinweg sagen darf." Derart massives Loben des deutschen Feindes ist ungewöhnlich, für manchen geradezu ein Affront. Auch General Sir Claude Auchinleck, Oberbefehlshaber in Kairo, reagiert empört.Arg in der Klemme
Auchinleck schien der "große Feldherr", sein Gegenspieler Erwin Rommel, erfreulicherweise Anfang des Monats Januar eher arg in der Klemme: Britische Truppen, vorwiegend Australier, hatten die deutsche Panzergruppe Afrika samt verbündeten Italienern auf die Ausgangsstellungen zurückgeworfen - auf Ausgangsstellungen eines Eroberungszuges, der im März 1941 so hoffnungsvoll gestartet war. Die Cyrenaika, das strategisch wichtige Stück Wüste am Mittelmeer, war nun den Achsenmächten wieder entrissen, deutsch-italienische Träume von baldiger Invasion Ägyptens und vom Sperren des Suezkanals scheinbar ausgeträumt.
Hilfe für Mussolini
Rommel, der berühmte Divisionskommandeur aus dem Frankreichfeldzug und Befehlshaber des Unternehmens Sonnenblume, von Hitler als Hilfe für den bedrängten Partner Mussolini nach Nordafrika gesandt, hatte Federn lassen müssen: nach raschem Angriff - vor der Festung Tobruk - gescheitert, der "Stoß zum Draht" - ein hasardmäßiger Panzervorstoß Richtung Ägypten - ins Leere gegangen. Die Briten triumphierten.
Zufall oder Leistung?
Schon Rommels spektakuläre afrikanische Anfangserfolge deutete manch einer im deutschen Oberkommando mehr als Zufall denn als echte Leistung. Kritiker des "Hitler-Lieblings" Rommel verfügten über stichhaltige Argumente: Tatsächlich scherte Rommel sich kaum um Weisungen aus der Heimat, ging zum Angriff vor, obwohl per Funk Stillstand befohlen war. Die Führung der Briten, mit Abhörberichten des deutschen Funkverkehrs versorgt, glaubte noch an den Gehorsam des störrischen Generals - und zog Truppen ab zum Einsatz in Griechenland. So gelangte Rommel, im April 1941, zum ersten Mal bis vor Tobruk, jagte die britischen Panzer vor sich her. Dort aber verließ ihn, wohl wegen Überheblichkeit und mangelnder Planung, zum ersten Mal das Glück.
Kühnheit und Eitelkeit
Dies war typisch für Rommel, der seinen meist zahlenmäßig weit überlegenen Gegner mit unorthodoxen Taktiken zwar immer wieder verblüffte, jedoch sogar ernsthafte Einwände beiseite schob, die er besser berücksichtigt hätte. Starrsinn, Wendigkeit und Tempo, Neigung zum Vabanquespiel, Fähigkeit zum geschickten Kalkül - alle diese Eigenschaften vereinigten sich im Charakter des deutschen Panzergenerals. Ebenso wie Kühnheit und Eitelkeit.
Wie ein Kavallerist
Rommels militärischer Mythos, während des Afrikafeldzugs zum Höhepunkt gebracht, geht zurück auf den Juni 1940: In Frankreich schon zeigt der Kommandeur der 7. Panzerdivision eigensinnige Methoden: Statt, wie üblich, per Funkgerät und Kradmelder vom hinten gelegenen Gefechtsstand zu befehlen, führt Rommel seine Division "aus dem Sattel", ähnlich Kavalleriekommandeuren früherer Tage, oft mit Gebrüll und über Sprechfunk vom vordersten Panzer aus. Einmal meldet ihn sein eigener Stabschef als vermisst...
Infobox
Die Vorgeschichte
Am 15. November 1891 wird Erwin Rommel in Heidenheim (Württemberg) geboren. Ab 1910 ist er Soldat: Fahnenjunker, 1912 zum Leutnant befördert. 1914 bis 1918 kämpft Rommel im Ersten Weltkrieg und erhält für seine Erfolge am italienischen Frontabschnitt (Longarone) das Pour le Merite, die höchste Kriegsauszeichnung, die Preußen zu vergeben hatte. Mit dem Ende des Krieges ist er Hauptmann. 1918 bis 1933 dient der bewährte, beliebte Offizier in der Reichswehr. Nach 1933 ist Rommel als Oberst Chef des Führerbegleitkommandos, später, im Polenfeldzug, als Generalmajor Kommandant des Führerhauptquartiers. Im Juni und Juli 1940 zeichnet er sich mit seiner 7. Panzerdivision während des Angriffs auf Frankreich aus. Im Frühjahr 1941 schickt Hitler den Generalleutnant als Befehlshaber des Unternehmens Sonnenblume zur Hilfe für den Achsenpartner Italien nach Nordafrika...


