Das Deutsche Rote Kreuz
Die ewige Flagge der Humanität auch im Gemetzel zeigen - das ist die Idee des Roten Kreuzes. Im Alltag kennen wir die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz aus schwierigen Lebenslagen aller Art.Das Symbol des Roten Kreuz, entstanden aus der Umkehrung der Schweizer Flagge.
Von Blutspende bis Wasserwacht
Unfall- und Rettungsdienst, Katastrophenhilfe, Krankentransporte, Blutspendedienste, Suchdienst, Wasserwacht - auf all diesen Gebieten spielt das DRK im Alltag eine wichtige Rolle. Weiterer Schwerpunkt ist der breit gefächerte Bereich der Sozialarbeit: ambulante soziale Dienste, Altenpflege, Behindertenhilfe, Jugend- und Migrantenarbeit, bis hin zur psychosozialen Krebsnachsorge. Daher kennen wir das DRK, daher kennen wir das Zeichen des Roten Kreuzes.
Bürgerbewegung
Paradox für den, der über die Einzelheiten Bescheid weiß, aber im Grunde genommen nicht überraschend ist, dass das DRK in der Öffentlichkeit mehr oder weniger als staatliche Institution gilt. Dabei definiert es sich doch selbst gern als Bürgerbewegung. Erstaunlich erscheint die Identifikation mit dem Staat vielleicht deshalb kaum, weil die personelle Verflechtung von staatlicher Leitung und Verbandsführung auf allen Ebenen sehr dicht ist. Dadurch sichert sich das DRK Einfluss auf wichtige soziale Entscheidungen und den Zugriff auf öffentliche Mittel. Gerade der ehrenamtliche Charakter auch höchster Funktionen im DRK macht hier manches möglich.
Dreihunderttausend Aktive
Kritiker sehen solche Verflechtung allerdings als Stein des Anstoßes. Politische Prominenz, Angehörige des Geburts- und Geldadels, ferner Spitzen der staatlichen Verwaltung, der Medien und der Wissenschaft besetzen in der Organisationsstruktur des DRK so manche ausschlaggebende Position. Sie regieren - als ehrenamtliche Funktionäre - über circa 85.000 hauptamtliche Mitarbeiter und über rund dreihunderttausend aktive, wiederum ehrenamtliche Helfer. Verwaltet wurden im Jahr 1996 Aufwendungen von ungefähr 7,5 Milliarden DM, die aktuellen Ausgaben dürften darüber liegen. Einiges davon erklärt sich aus der speziellen Tradition und Situation des DRK, auf die hier kurz eingegangen werden soll.
Das Deutsche Rote Kreuz ist nationale Hilfsgesellschaft und Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege. Es verbindet eine maßgebliche Position in Genf mit einer bedeutenden Position in der Bundesrepublik als Wohlfahrtsverband. "Die Aufgaben der Wohlfahrtspflege basieren rechtlich auf der Entwicklung der Bundesrepublik als Sozialstaat", so Dr. Gregor Mattheis, Mitglied des DRK-Präsidiums. Dies sei weltweit so ziemlich einmalig, jedenfalls nicht typisch für andere Länder wie zum Beispiel die USA, Frankreich und Japan. Dort konzentrieren sich die nationalen Gesellschaften auf die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz in Genf.
Kritische Stimmen
Das Resultat in Deutschland ist eine sehr komplexe Struktur, welche besagte Kritiker dazu bringt, dem DRK die Attribute "Hilfs-Multi" oder "Wohlfahrtskonzern" anzuhängen. Insgesamt betätigt sich das DRK in rund 120 Aufgabenfeldern. Wasser auf die Mühlen der Kritiker ist die oft nicht sehr große Transparenz bei Umsatzzahlen, Gewinnen in einzelnen Bereichen, Spendeneinnahmen und Ausgaben.
"Gleichgeschaltet" unter SS-Regie
Kompliziert ist auch die Geschichte des DRK. Als Geburtsjahr des Deutschen Roten Kreuzes gilt 1869. Am 20. April schließen sich die schon bestehenden zwölf Landesvereine zu einer gemeinsamen Organisation mit Sitz in Berlin zusammen. Erst ab Januar 1921 aber firmiert die Organisation als Deutsches Rotes Kreuz e.V. Unter der Nazidiktatur verliert das DRK alle seine Wohlfahrtseinrichtungen. Es wird in der Folge "gleichgeschaltet" unter dem obersten SS-Arzt Dr. Ernst Grawitz. Als nationaler Verband im Sinne des Rot-Kreuz-Gründers Dunant ist es somit gelähmt und kann auch nichts zu den ohnehin lauen Bemühungen des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) zur Verhinderung des Holocaust beitragen. 1945 wird es als nationalsozialistische Organisation verboten.
Wiederbeginn und Einheit
Am 4. Februar 1950 gründet sich das DRK in der Bundesrepublik neu. Die Anerkennung durch das IKRK folgt 1952. Jenes Jahr ist auch Gründungsdatum des DRK der DDR, dieses wird 1954 vom IKRK anerkannt. Das DRK der DDR hat im Vergleich zu seinem Gegenstück im Westen eingeschränktere Aufgaben: Schwerpunkte sind die Arbeit in den Betrieben sowie der Zivilschutz. Im November 1990 erklären die sechs neu gebildeten Landesverbände des DRK der DDR den Beitritt zum DRK (West) zum 1. Januar 1991. Die Strukturen werden in der Folgezeit vereinheitlicht.
Auf dem Prüfstand
Aktuelle Aufgabe des DRK ist die Bewältigung der Dynamik von Ehrenamtlichkeit und Professionalität. Viele Diskussionen drehen sich auch um das Selbstverständnis: Ist das DRK Bürgerbewegung oder Unternehmen? Wie stellt sich das DRK zum Wettbewerb? "Das Rote Kreuz unterscheidet sich hier in keiner Weise von anderen Organisation", betont Präsidiums-Mitglied Dr. Mattheis. "Es ist wegen seines moralischen Anspruchs indessen auf einem besonderen Prüfstand, was seine innere Kultur und Glaubwürdigkeit angeht."
Michael Schmittbetz (22.10.2003)
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Chronologie des Roten Kreuzes
Die ursprüngliche Fassung des Genfer Rotkreuz-Abkommens von 1864 hat bis heute allerlei Änderungen und Ergänzungen erfahren. Deshalb sprechen wir von den Genfer Abkommen im Plural. Hier die Chronologie:
Die ursprüngliche Fassung des Genfer Rotkreuz-Abkommens von 1864 hat bis heute allerlei Änderungen und Ergänzungen erfahren. Deshalb sprechen wir von den Genfer Abkommen im Plural. Hier die Chronologie:
1864: Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde.
1899: Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken und Schiffbrüchigen der Streitkräfte zur See (Ergänzung 1907).
1929: Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen.
1949: Abkommen zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten.
1977 erweiterte man dieses Vertragswerk um zwei Zusatzprotokolle über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte und den Schutz der Opfer nicht-internationaler bewaffneter Konflikte.
Konsequent eingehalten wurden die Regeln von Genf niemals und von keiner Kriegspartei. Der U-Boot-Krieg, Luftangriffe auf Zivilisten, der Mord an Gefangenen und folterähnliche Verhöre - all dies sind flagrante Verstöße gegen die Genfer Abkommen.
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Organisationen des Roten Kreuzes
Es ist ein wenig Verwirrung um das Rote Kreuz. Denn hinter dem einprägsamen Symbol - 1864 durch schlichte Farbumkehr der Schweizer Flagge gewonnen - stecken viele Organisationen.
Da ist zunächst das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), gegründet 1863 von einem Fünfer-Ausschuss unter Initiator Henri Dunant. Vor allem Schweizer Bürger sitzen bis heute in den Führungspositionen. Das IKRK betrachtet sich in erster Linie als zuständig für internationale Konflikte und Bürgerkriege in der Dritten Welt.
Neben dem IKRK existiert die 1919 in Paris gegründete Liga der Rotkreuz-Gesellschaften, seit einigen Jahren nennt sie sich Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Sie ist multinationale Dachorganisation für eine Vielzahl von nationalen Rotkreuz-Gesellschaften, darunter auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK).
Alle Organisationen sind vom Status her gemeinnützige Vereine, die weitestgehend unabhängig voneinander arbeiten. Die nationalen Gesellschaften müssen lediglich bestimmte ethische und formale Standards einhalten, welche von Liga beziehungsweise Föderation und IKRK gesetzt sind.
Es ist ein wenig Verwirrung um das Rote Kreuz. Denn hinter dem einprägsamen Symbol - 1864 durch schlichte Farbumkehr der Schweizer Flagge gewonnen - stecken viele Organisationen.
Da ist zunächst das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), gegründet 1863 von einem Fünfer-Ausschuss unter Initiator Henri Dunant. Vor allem Schweizer Bürger sitzen bis heute in den Führungspositionen. Das IKRK betrachtet sich in erster Linie als zuständig für internationale Konflikte und Bürgerkriege in der Dritten Welt.
Neben dem IKRK existiert die 1919 in Paris gegründete Liga der Rotkreuz-Gesellschaften, seit einigen Jahren nennt sie sich Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Sie ist multinationale Dachorganisation für eine Vielzahl von nationalen Rotkreuz-Gesellschaften, darunter auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK).
Alle Organisationen sind vom Status her gemeinnützige Vereine, die weitestgehend unabhängig voneinander arbeiten. Die nationalen Gesellschaften müssen lediglich bestimmte ethische und formale Standards einhalten, welche von Liga beziehungsweise Föderation und IKRK gesetzt sind.


