Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Görlitz

Infobox

Die Teilung
Über viele Jahrhunderte war Görlitz eine einheitliche Stadt. Seit 1945 führt eine Grenze entlang der Neiße durch Görlitz: Aus den Stadtvierteln am rechten Ufer des Flusses entstand Zgorzelec.

Nach der Vertreibung der deutschstämmigen Schlesier siedelten dort vor allem Polen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat in der heutigen Ukraine verlassen mussten. Folge der radikalen Umsiedlungsaktionen in den Jahren 1945 bis 1948 war nicht nur eine politische Grenze, sondern auch die Errichtung ethnischer, sprachlicher und kultureller Barrieren.

Mit Ausnahme der 1970er Jahre war die deutsch-polnische Grenze kaum durchlässig und es bestanden nur wenige Kontakte zwischen den beiden Teilstädten und ihren Bewohnern. Die nahezu hermetische Trennung der zwei Städte über fast ein halbes Jahrhundert führte zu tief greifenden historischen und kulturellen Differenzen, die den Prozess der Integration noch lange bestimmen werden.

Infobox

Die schlesische Episode
Am 13. Mai 2006 eröffnete in Görlitz das Schlesische Museum. Im aufwändig sanierten Schönhof, dem ältesten Renaissance-Bürgerhaus Deutschlands, präsentiert es neun Jahrhunderte schlesische Geschichte.

Görlitz erlebte in der "schlesischen Episode" im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine zweite Blüte. Die Entwicklung von Industrie und kommunaler Selbstverwaltung nach dem Übergang an Preußen 1815 bescherten der Stadt einen erstaunlichen Aufschwung. Görlitz wurde zum wirtschaftlichen, politischen und geistigen Zentrum der niederschlesischen Oberlausitz, wo sich Verwaltung und Gerichtsbarkeit konzentrierten, Verkehrswege kreuzten.

Als Standort industrieller Großbetriebe und mittelständischer Unternehmen bot Görlitz Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten. Ein Großteil der Bevölkerung fand eine beachtliche Lebensqualität. Doch die Weltkriege unterbrachen den steten Aufstieg.

Erst nach 1990 begannen sich die Görlitzer wieder ihrer Vergangenheit zu erinnern, nachdem die zu DDR-Zeiten fast in Vergessenheit geraten war. Heute gleicht die Brüderstraße, die vom Obermarkt zum Museum führt, einer schlesischen Promenade: Geschäfte mit regionalen Andenken reihen sich an Reisebüros, die Exkursionen ins polnische Schlesien anbieten.