Zankapfel Europas
Als Friedrich II. Schlesien 1741 annektierte, erfuhr die an Veränderungen reiche Geschichte der Region erneut eine Zäsur. Lange bevor es eine preußische Provinz wurde, war Schlesien heftig umkämpftes Streitobjekt.Friedrich II. von Preußen (1712 bis 1786) setzte seinen Anspruch auf Schlesien konfliktreich gegen die Habsburger durch.
Diese Zeilen stammen aus dem Gedicht Tränen des Vaterlandes, in dem der Dichter Andreas Gryphius im Jahre 1636 die Situation seiner schlesischen Heimat während des Dreißigjährigen Krieges beschreibt. Brennpunkt kriegerischer Konflikte sollte das Schicksal Schlesiens über die folgenden Jahrhunderte sein.
Vandalen gaben den Namen
Schlesien war stets Zankapfel europäischer Mächte. Germanisch, böhmisch, deutsch, tschechisch, habsburgisch, preußisch, polnisch - mehrfach wechselten die Herrschaftsverhältnisse in der langen Geschichte dieser Region, die vom ostgermanischen Vandalenstamm der Silinger einst ihren Namen bekam. Bis zum Jahr 500 besiedelten sie das heutige Schlesien. Während der Völkerwanderung zogen die Silinger über den Rhein, slawische Völker aus dem Osten ließen sich im Gebiet rechts und links des Ober- und Mittellaufs der Oder nieder.
Wechselnde Mächte
Der erste Machtwechsel war vollzogen - friedlich und ohne staatliche Organisation und nationalistisches Geplänkel. Weitere folgten, gingen aber weniger problemlos vonstatten. Im 9. Jahrhundert schlossen die böhmischen Premysliden, die Burgherren von Prag, das schlesische Gebiet für zwei Jahrhunderte ihrem Großmährischen Reich an. Dann drängten die polnischen Piasten nach Schlesien. Der Streit zwischen Böhmen und Polen wurde erst im Pfingstfrieden von Glatz 1137 beendet. Schlesien wurde polnisch, die Grafschaft Glatz sowie die Region um Troppau, Jägerndorf, Leobschütz und Hultschin blieben jedoch mährisch. Der polnische Herzog Boleslaus III. verteilte sein Land, wie damals Gang und Gäbe, unter seinen Söhnen: Der älteste Sohn Wladislaw II. erhielt Schlesien, wurde aber bald darauf von seinen Brüdern vertrieben - Boleslaus und Mesko teilten das Land, wenn auch sehr ungleich, untereinander auf.
Siedendes Wasser auf die Feinde
Bereits in dieser Zeit "verheerten" auch schon die deutschen Kaiser die Region. So beschreibt ein anonymer Verfasser 1113 in der ältesten überlieferten Polen-Chronik die Belagerung der schlesischen Stadt Glogau durch Heinrich V.: "Die Deutschen warfen mit ihren Schleudern große Steine und Feuer in die Stadt. Die Polen aber ließen Mühlsteine und große Klötze mit spitzen Pfählen von der Mauer herabrollen. Sie gossen siedendes Wasser auf die Feinde. Die Deutschen trieben Sturmböcke auf Wagen an die Mauern und richteten Leitern auf. Die Polen wiederum versuchten, die Feinde mit langen eisernen Haken in die Höhe zu ziehen." Heinrich V. musste schließlich erfolglos von dannen ziehen.
"Auf ewige Zeiten"
In der Folgezeit machte Böhmen Schlesien den Polen streitig. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts unterstellten sich die schlesischen Regionalfürsten nacheinander böhmischer Lehnshoheit. Ein einheitliches Staatsgebiet war Schlesien zwar nie, doch wurde die Region nun völlig zerstückelt. Im Vertrag von Trentschin verzichtete der polnische König Kasimir III. 1335 "auf ewige Zeiten" zu Gunsten des böhmischen Königs auf die schlesischen Herzogtümer. Die Aktion war nicht ganz uneigennützig, entsagte der Böhme doch im Gegenzug seinen polnischen Thronansprüchen. Nach dem Aussterben der ungarisch-böhmischen Königslinie im Jahre 1526 gingen die schlesischen Ländereien schließlich auf Österreich über...
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Infobox
Bereits während des Ersten Schlesischen Krieges (1740 bis 1742) brachte Friedrich der Große Schlesien preußisch auf Vordermann: Zuerst bekam die neue Provinz eine eigene Verwaltung, die dem modernen absolutistischen Staat entsprach; im Anschluss dann ein preußisch militärisches Rekrutierungssystem.
Auch wirtschaftlich wurde Schlesien modernisiert und zum wichtigen Wirtschaftsfaktor - Oberschlesien entwickelte sich zum modernsten Montanrevier Europas. Um den wirtschaftlichen Aufschwung weiter zu fördern, lockte Friedrich II. mit diversen bevölkerungspolitischen Maßnahmen Siedler nach Schlesien.
Sogar aus seiner Privatschatulle soll der preußische Herrscher das arg gebeutelte Schlesien unterstützt haben. Es gelang ihm, die Region dauerhaft zu stärken.
Auch wirtschaftlich wurde Schlesien modernisiert und zum wichtigen Wirtschaftsfaktor - Oberschlesien entwickelte sich zum modernsten Montanrevier Europas. Um den wirtschaftlichen Aufschwung weiter zu fördern, lockte Friedrich II. mit diversen bevölkerungspolitischen Maßnahmen Siedler nach Schlesien.
Sogar aus seiner Privatschatulle soll der preußische Herrscher das arg gebeutelte Schlesien unterstützt haben. Es gelang ihm, die Region dauerhaft zu stärken.



