Initialzündung
Ab 1841 wurde die preußische Infanterie mit dem Zündnadelgewehr des thüringischen Schlossers Nikolaus Dreyse ausgerüstet. Die Wirkung der neuen "Wunderwaffe" zeigte sich wenig später.Sie glaubten, unverwundbar zu sein. Doch dieses Selbstbild der Europäer erwies sich als gefährliche Illusion. Am Ende eines vier Jahre dauernden wechselseitigen Abschlachtens gab es das alte Europa nicht mehr. Neue Schusswaffen mit furchtbarer, zuvor nicht gekannter Zerstörungskraft richteten Europas Nationen zwischen 1914 und 1918 gegen sich selbst. Fast zehn Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben.
"Wettrüsten der Gehirne"
Europa war zum Opfer seiner eigenen waffentechnischen Überlegenheit geworden. Und die Grundlage dafür wurde ausgerechnet in einer Ära des relativen Gleichgewichts geschaffen. Bündnissysteme dienten der gegenseitigen Friedenssicherung. Der ganze Kontinent war beflügelt vom technischen und wirtschaftlichen Aufschwung - um 1914 schließlich in den Abgrund zu stürzen. Denn das "Wettrüsten der Gehirne" ab Mitte des 19. Jahrhunderts hatte auch eine rasante Perfektionierung der Tötungsinstrumente zur Folge.
Thüringer Tüftler
Am Anfang dieser Entwicklung - einer Initialzündung gleich - steht neben anderen die fast vergessene Konstruktion eines thüringischen Schlossers. Nikolaus Dreyse (1787 - 1867) beschäftigte sich schon seit 1824 in seiner kleinen Sömmerdaer Eisenwarenfabrik mit der Gewinn versprechenden Produktion kupferner Zündhütchen für Perkussionsgewehre - damals modernste Waffentechnik auf dem Markt. Doch der Tüftler wollte mehr: Gestützt auf Erfahrungen aus der Gesellenzeit, die er unter anderem in einer Pariser Maschinen- und Gewehrfabrik verbrachte, arbeitete Dreyse an der Verlegung der Zündung ins Innere des Gewehrs sowie an der Konstruktion einer Einheitspatrone, die alle für den Schuss erforderlichen Teile enthalten sollte.
Seine Entwicklung öffnete den Weg zur modernen Waffenentwicklung: Nikolaus von Dreyse (1787 - 1867), der Erfinder des Zündnadelgewehrs, wurde 1864 für seine Verdienste geadelt.
Ergebnis war das so genannte Zündnadelgewehr, anfangs noch eine waffentechnische Entwicklung unter vielen. In allen europäischen Armeen arbeitete man seit geraumer Zeit an der Verbesserung der Treffgenauigkeit der Gewehre. So waren Waffen mit gezogenem Lauf - die Kugel wird durch Einschnitte in der inneren Laufwand des Gewehrs beim Schuss geführt - damals schon weit verbreitet. Dennoch spielten Handfeuerwaffen wegen ihrer hohen Kosten und ihrer Anfälligkeit militärtaktisch lange Zeit nur eine sekundäre Rolle im Vergleich zur Artillerie. Dreyses Entwicklung sollte zu einer tiefen Zäsur auf dem Gebiet der militärischen Waffentechnik wie auch auf dem der Taktik führen.
Erschwertes Laden
Richteten sich die Veränderungen zuvor meist auf die Vervollkommnung des Zündsystems, machte sich der Sömmerdaer Zivilist nämlich an die Lösung eines grundsätzlichen Problems. Die erste Generation des Zündnadelgewehrs war wie alle Konkurrenten noch ein so genannter Vorderlader. Das erschwerte das Laden im Gefecht, da der Soldat gezwungen war, sich aus der Deckung zu begeben, wenn er das Gewehr beim Einbringen der Munition senkrecht nach oben hielt.
In liegender Position
Anknüpfend an die alte Idee seines Pariser Lehrmeisters Pauli - der schon Anfang des 19. Jahrhunderts von Napoleon Bonaparte mit der Verbesserung der Gewehrtechnik beauftragt worden war, aber keine serienreife Konstruktion zu Stande brachte - entwickelte Dreyse im Jahr 1835 einen Hinterlader, der es dem Soldaten erlaubte, auch in liegender Position sein Gewehr zu laden. Nach einigen Widerständen in der preußischen Militärbürokratie erkannte man schließlich den umwälzenden Charakter des neuen Systems.
"Wunderwaffe" M/41
Dreyse wurden sogar finanzielle Mittel zur Errichtung einer Gewehr- und Munitionsfabrik bewilligt. 1841 begann in Sömmerda, unter strenger Geheimhaltung, die Produktion. Bis 1863 lieferte die Fabrik mehr als dreihunderttausend Exemplare des neuen Gewehrs - das den Namen M/41 trug - in die Waffenkammern des Berliner Zeughauses, von wo aus die komplette preußische Infanterie mit der "Wunderwaffe" ausgerüstet wurde...
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Das Zündnadelgewehr
Eine auch für den Laien verständliche Erklärung des Zündnadelgewehrmechanismus' liefert Friedrich Engels in seiner Geschichte des gezogenen Gewehrs (1861): "Nachdem er (Dreyse) zuerst die Methode entwickelt hatte, eine Schusswaffe durch eine plötzlich in die in der Patrone enthaltene Explosivmasse eindringende Nadel abzufeuern, vollendete er seine Erfindung, indem er einen Hinterlader konstruierte, der mit diesem Nadel zündenden Mechanismus versehen war.
Die Patrone enthält Kugel, Pulver sowie die Explosivmischung und wird ungeöffnet in die Kammer gebracht, die etwas größer ist als der gezogene Lauf. Eine einfache Handbewegung schließt den Verschluss und spannt zugleich die Schusswaffe. Hinter der Ladung, in einem hohlen, eisernen Zylinder, liegt eine starke, spitze Stahlnadel, die durch eine Spiralfeder in Bewegung gesetzt wird. Das Spannen der Waffe besteht lediglich darin, diese Feder zurückzuziehen, zusammenzupressen und festzuhalten.
Wenn am Abzug gezogen wird, setzt er diese Feder frei, die sofort vorwärts schnellt, auf die Patrone aufschlägt und augenblicklich die Explosivmischung entzündet; dadurch wird die Ladung abgefeuert. So besteht das Laden und Feuern mit dieser Waffe nur aus fünf Bewegungen: Verschluss öffnen, Patrone hineinstecken, Verschluss schließen, die Waffe in Anschlag bringen und Feuern. Kein Wunder, dass so fünf wohl gezielte Schüsse in einer Minute abgegeben werden können."
Eine auch für den Laien verständliche Erklärung des Zündnadelgewehrmechanismus' liefert Friedrich Engels in seiner Geschichte des gezogenen Gewehrs (1861): "Nachdem er (Dreyse) zuerst die Methode entwickelt hatte, eine Schusswaffe durch eine plötzlich in die in der Patrone enthaltene Explosivmasse eindringende Nadel abzufeuern, vollendete er seine Erfindung, indem er einen Hinterlader konstruierte, der mit diesem Nadel zündenden Mechanismus versehen war.
Die Patrone enthält Kugel, Pulver sowie die Explosivmischung und wird ungeöffnet in die Kammer gebracht, die etwas größer ist als der gezogene Lauf. Eine einfache Handbewegung schließt den Verschluss und spannt zugleich die Schusswaffe. Hinter der Ladung, in einem hohlen, eisernen Zylinder, liegt eine starke, spitze Stahlnadel, die durch eine Spiralfeder in Bewegung gesetzt wird. Das Spannen der Waffe besteht lediglich darin, diese Feder zurückzuziehen, zusammenzupressen und festzuhalten.
Wenn am Abzug gezogen wird, setzt er diese Feder frei, die sofort vorwärts schnellt, auf die Patrone aufschlägt und augenblicklich die Explosivmischung entzündet; dadurch wird die Ladung abgefeuert. So besteht das Laden und Feuern mit dieser Waffe nur aus fünf Bewegungen: Verschluss öffnen, Patrone hineinstecken, Verschluss schließen, die Waffe in Anschlag bringen und Feuern. Kein Wunder, dass so fünf wohl gezielte Schüsse in einer Minute abgegeben werden können."



