Das Spiel geht weiter
Mit dem Kalten Krieg begann das große Wettrüsten - auch unter Wasser. U-Boote mit immer mehr Atomraketen patrouillierten auf geheimen Routen. Der Ost-West-Konflikt ist vorbei, die U-Boote jedoch sind noch da.Anfang Februar 2009 passiert es: tief unter der Meeresoberfläche, weit draußen im Atlantik, stoßen zwei fast vergessene Seeungeheuer zusammen. Obwohl deren stumme Dompteure an Land das Missgeschick nahezu lautlos über die Bühne bringen, geraten die Monster ins Scheinwerferlicht: Ein britisches und ein französische Atom-U-Boot sind kollidiert.
Das Herz aus Uran, der Bauch voller nuklearer Sprengköpfe, die Seele aus dem Kalten Krieg: so dümpeln die Boote noch heute auf dem schmalen Grat zwischen Frieden und atomaren Krieg. Wie vor dreißig Jahren kreuzen sie mit ballistischen Raketen im Fast-Kriegszustand durch die Weltmeere. Was tun sie nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation dort noch?
Bedrohliche Sicherheit
Die Idee der ballistischen Atom-U-Boote ist untrennbar verbunden mit der im Kalten Krieg aufgekommenen Theorie der Abschreckung durch Mutual Assured Destruction, sichere gegenseitige Vernichtung. Da es gegen Atombomben keinen wirksamen Schutz gibt, soll ihr Einsatz mit der permanenten Androhung einer vernichtenden nuklearen Revanche sinnlos gemacht werden. Die Möglichkeit zum so genannten Zweitschlag muss dabei jederzeit gegeben - das Raketensilo also nicht zerstörbar sein. Oder gut versteckt.
Mit dem Einfall, Raketen auf U-Booten zu stationieren, spielten schon deutsche Konstrukteure im Zweiten Weltkrieg. Getauchte U-Boote sollten V1- und V2-Raketen in Containern hinter sich her schleppen, überraschend vor Englands und Amerikas Küsten auftauchen und ihre tödliche Fracht dort starten. Sowjetische Konstrukteure erfuhren noch während des Krieges von den Versuchen und entwickelten das Konzept weiter. Nach dem Krieg erkannten auch die USA das Potential der beweglichen Raketenverstecke.
Unbegrenzte Energie
Ein Defizit der schwimmenden Abschussrampen war ihre begrenzte Tauch- und Einsatzfähigkeit. Dieselmotoren brauchen Luft und Treibstoff, solche Boote müssen regelmäßig auftauchen oder dicht unter der Wasseroberfläche schnorcheln.
Doch mit der Entwicklung der Atombombe kam fast gleichzeitig die Lösung ihres Transportproblems: Nuklearreaktoren an Bord können U-Boote nahezu endlos mit Energie versorgen, ohne Zufuhr von Treibstoff oder Luft. Die Tauchzeit ist damit nur durch den Nahrungsmittelvorrat und durch die Ausdauer der Besatzung begrenzt.
Das Spiel beginnt
Das größte Versteckspiel des Kalten Krieges konnte nun beginnen: Damals wie heute dauert eine typische Patrouille zwei bis drei Monate. In dieser Zeit bleibt das U-Boot ständig unter Wasser, in Schleichfahrt und absoluter Funkstille. Die Besatzung besteht aus zwei kompletten Crews, die in 12-Stunden-Schichten abwechseln, um das Boot jederzeit voll einsatztauglich zu halten. Gelegentlich lässt das U-Boot eine Antenne nach oben steigen, um aktuelle Lageberichte oder Befehle zu empfangen.
Ein getauchtes U-Boot der Ohio-Klasse startet zwei ballistische Atomraketen. (Illustration der US Navy)
Schnell argwöhnten beide Seiten, dass die abschreckende Zweitschlagswaffe des Gegners eigentlich eine Erstschlagswaffe sei. Tatsächlich eignen sich ballistische Atom-U-Boote für eine Angriffsvariante, die in die Terminologie des Kalten Krieges als Enthauptungsschlag einging: Man fahre unentdeckt vor die Küste des Feindes und feuere erst dort seine atomare Nutzlast ab.
Durch die geringe Entfernung sinkt die Vorwarnzeit beim Gegner auf wenige Minuten - Kommandozentralen, Infrastrukturen und Hauptstädte könnten rasch zerstört, der Gegner "kopflos" und zweitschlagsunfähig gemacht werden. Solch eine Drohung durch die atomgetriebenen Räuber verlangte nach den passenden Gendarmen: atomgetriebene Jagd-U-Boote...
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Infobox
Seit den ersten Atom-U-Booten...
blieb das Konstruktionsprinzip weitgehend unverändert. Den Kern bildet ein wassergekühlter Atomreaktor (die Sowjets verbauten oft zwei), der Dampf erzeugt und damit eine Turbine antreibt. Problematisch sind dabei vom Reaktor erzeugter Lärm und Vibrationen, die das Boot unter Wasser kilometerweit ortbar machen. Die gesamte Antriebssektion, inklusive Reaktor, wird daher nicht mehr starr in das U-Boot eingebaut, sondern auf einem so genannten Floß befestigt, das frei beweglich im Boot aufgehängt ist.
Atom-U-Boote mit ballistischen Raketen sind zudem auf besonders leisen Betrieb angewiesen. Ihre Reaktoren arbeiten so langsam, dass die natürliche Konvektion des Wassers in seinem Inneren ausreicht, um den Reaktor zu kühlen - daher sind keine Pumpen nötig und der Antrieb arbeitet nahezu geräuschlos.
Ein Kompromiss aus Leistung und Geräuscharmut sind Reaktoren mit Flüssigmetallkühlung. Nur die Sowjetunion verwendete diese Reaktoren serienmäßig in einigen U-Booten. Das Kühlmetall wird durch Magnetfelder bewegt, es sind keine mechanischen Teile nötig, was Havarieanfälligkeit, Geräuschentwicklung und Größe des Reaktors verringert Solche Reaktoren erwiesen sich aber bald als zu empfindlich oder schlecht konstruiert, fast alle Flüssigmetallreaktoren in sowjetischen U-Booten havarierten.
blieb das Konstruktionsprinzip weitgehend unverändert. Den Kern bildet ein wassergekühlter Atomreaktor (die Sowjets verbauten oft zwei), der Dampf erzeugt und damit eine Turbine antreibt. Problematisch sind dabei vom Reaktor erzeugter Lärm und Vibrationen, die das Boot unter Wasser kilometerweit ortbar machen. Die gesamte Antriebssektion, inklusive Reaktor, wird daher nicht mehr starr in das U-Boot eingebaut, sondern auf einem so genannten Floß befestigt, das frei beweglich im Boot aufgehängt ist.
Atom-U-Boote mit ballistischen Raketen sind zudem auf besonders leisen Betrieb angewiesen. Ihre Reaktoren arbeiten so langsam, dass die natürliche Konvektion des Wassers in seinem Inneren ausreicht, um den Reaktor zu kühlen - daher sind keine Pumpen nötig und der Antrieb arbeitet nahezu geräuschlos.
Ein Kompromiss aus Leistung und Geräuscharmut sind Reaktoren mit Flüssigmetallkühlung. Nur die Sowjetunion verwendete diese Reaktoren serienmäßig in einigen U-Booten. Das Kühlmetall wird durch Magnetfelder bewegt, es sind keine mechanischen Teile nötig, was Havarieanfälligkeit, Geräuschentwicklung und Größe des Reaktors verringert Solche Reaktoren erwiesen sich aber bald als zu empfindlich oder schlecht konstruiert, fast alle Flüssigmetallreaktoren in sowjetischen U-Booten havarierten.
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Die Entwicklung...
von immer mehr und immer moderneren Atomwaffen im Kalten Krieg kostete gewaltige Summen. Gleichzeitig entwickelten beide Seiten Raketenabfangtechniken und -gegenmaßnahmen, die das Konzept der friedenserzwingenden Mutual Assured Destruction gefährdeten. In Folge schlossen die Atommächte eine ganze Reihe von Verträgen:
Bereits 1963 einigte man sich auf ein Verbot von Atomtests in der Atmosphäre, im All und unter Wasser (alle Staaten außer Frankreich und China). Im Atomwaffensperrvertrag von 1968 erklären 184 Nationen (außer Israel, Nordkorea, Pakistan und Indien) den Verzicht auf nukleare Waffen bzw. die Absicht zur Abrüstung.
Im SALT I-Vertrag legten die USA und Russland 1972 eine Höchstzahl an Atomsprengköpfen fest. Ebenfalls 1972 erklärten beide Länder im ABM-Vertrag, die Entwicklung von Raketenabwehrmaßnahmen stark einzuschränken. 2002 traten die USA von diesem Vertrag zurück.
In den START I und II-Verträgen von 1991 und 1993 beschlossen die USA und Russland schließlich eine Reduktion der Atomsprengköpfe auf dreitausend Stück pro Seite. Ein START III-Vertrag mit weiteren Reduktionen war geplant, der Ausstieg der USA aus dem ABM-Vertrag aber machte weitere Vertragsgespräche bis heute zunichte.
von immer mehr und immer moderneren Atomwaffen im Kalten Krieg kostete gewaltige Summen. Gleichzeitig entwickelten beide Seiten Raketenabfangtechniken und -gegenmaßnahmen, die das Konzept der friedenserzwingenden Mutual Assured Destruction gefährdeten. In Folge schlossen die Atommächte eine ganze Reihe von Verträgen:
Bereits 1963 einigte man sich auf ein Verbot von Atomtests in der Atmosphäre, im All und unter Wasser (alle Staaten außer Frankreich und China). Im Atomwaffensperrvertrag von 1968 erklären 184 Nationen (außer Israel, Nordkorea, Pakistan und Indien) den Verzicht auf nukleare Waffen bzw. die Absicht zur Abrüstung.
Im SALT I-Vertrag legten die USA und Russland 1972 eine Höchstzahl an Atomsprengköpfen fest. Ebenfalls 1972 erklärten beide Länder im ABM-Vertrag, die Entwicklung von Raketenabwehrmaßnahmen stark einzuschränken. 2002 traten die USA von diesem Vertrag zurück.
In den START I und II-Verträgen von 1991 und 1993 beschlossen die USA und Russland schließlich eine Reduktion der Atomsprengköpfe auf dreitausend Stück pro Seite. Ein START III-Vertrag mit weiteren Reduktionen war geplant, der Ausstieg der USA aus dem ABM-Vertrag aber machte weitere Vertragsgespräche bis heute zunichte.




