Jäger und Gejagte
Wer in Hitlers Wehrmacht bei der U-Boot-Waffe diente, der zählte sich zu einer Elite. Doch das hatte einen hohen Preis: Von rund vierzigtausend deutschen U-Boot-Fahrern kehrten etwa dreißigtausend niemals zurück.Oktober 1941: Diese Offiziere auf einem britischen Zerstörer halten Ausschau nach deutschen U-Booten (Bild: IMW/Lt. H. W. Tomlin).
14,3 Millionen Bruttoregistertonnen Schiffsraum, vor allem britischer und amerikanischer Herkunft, wurden von den U-Booten vernichtet. In den 68 Monaten dieses Krieges kämpften auf deutscher Seite ungefähr 40.000 U-Boot-Fahrer. Fast 30.000 von ihnen kehrten nie zurück.
Gefühl der Auserwähltheit
Die Besatzungen in den engen Stahlzylindern der U-Boote rekrutierten sich aus Freiwilligen, erfüllt von dem Gedanken, einer Elite anzugehören. Es gab ein bewusst gezüchtetes Gefühl der Auserwähltheit: Auf beste körperliche und psychische Eignung achtete man noch, als an anderen Fronten bereits Sechzigjährige in den Kampf geschickt wurden. Dennoch bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Was bringt Menschen dazu, sich - wie die U-Boot-Männer - freiwillig extremer Todesgefahr auszusetzen?
Zweifelhafte Romantik
Ganz am Anfang standen vielleicht Illusionen. Vierzig bis fünfzig Männer, auf Gedeih und Verderb zusammengepfercht, mögen erstaunliche Formen von Kameradschaft entwickeln. Betrachtet man die Sache aus der Ferne, liegt Romantik über allem: die "Jäger der Meere", die Aussicht, Schicksal spielen zu können für andere Schiffe, für andere Besatzungen, die hilflos den Torpedos ausgesetzt sind. "Schiffe versenken" ist ja ein Spiel, das es heute noch gibt. Und Seekriegs-Romantik springt uns aus mancher Website Ewiggestriger entgegen, die sich an den "Grauen Wölfen" erfreuen.
Hasard und Moral
Wirklich als Motiv für vergeblichen Heldenmut herhalten können solche naiven Vorstellungen wenig, haben doch viele U-Boot-Fahrer Dutzende Einsätze mitgemacht - Gelegenheit, sämtliche Illusionen zu verlieren. Aber selbst in späten Phasen des Krieges, als der Angriff auf gut gesicherte Geleitzüge längst Hasard geworden war, schien die Moral ungebrochen.
Und noch ein Umstand macht nachdenklich: Nationalsozialistische Ideologie kam auf deutschen U-Booten im Zweiten Weltkrieg kaum vor. Man sah sich als "Freikorps" unter einem eigenen Führer: dem Befehlshaber der U-Boote (BdU) Karl Dönitz. Hass auf den Feind gehörte nicht zum Kodex, wohl aber Ehrgeiz und Spezialistentum. Woher die Todesverachtung der U-Boot-Männer kam, dieses Problem erschließt sich uns nicht. Vielleicht ist es die uralte Frage, was Menschen überhaupt in Kriege treibt...
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brachten die Besatzungen auf engstem Raum zu. Es gab keinen Platz für Privates. Von Körperpflege konnte kaum die Rede sein: Oft war sogar ein Frischwasserbunker mit Dieselöl gefüllt. Flöhe, Kopf- und Filzläuse hatten eine sehr gute Zeit. Das Beste war - jedenfalls zu Beginn der Fahrt - noch das Essen. Auch das konnte sich aber, weil es keine Kühlräume gab, rasch auf verschimmelte Brotstücke beschränken. Wegen des pelzigen Aussehens wurden solche Brote von der Besatzung "Hasen" genannt.
brachten die Besatzungen auf engstem Raum zu. Es gab keinen Platz für Privates. Von Körperpflege konnte kaum die Rede sein: Oft war sogar ein Frischwasserbunker mit Dieselöl gefüllt. Flöhe, Kopf- und Filzläuse hatten eine sehr gute Zeit. Das Beste war - jedenfalls zu Beginn der Fahrt - noch das Essen. Auch das konnte sich aber, weil es keine Kühlräume gab, rasch auf verschimmelte Brotstücke beschränken. Wegen des pelzigen Aussehens wurden solche Brote von der Besatzung "Hasen" genannt.



