Eine Totgeburt?
Aus den Wirren von Krieg und Revolution entstand dieser neue Staat. Bald gab eine Mehrheit der Deutschen seinen Schöpfern die Schuld an allem, was fehlschlug. Schwer belastet war die Republik schon am Beginn.Erste Sitzung der Nationalversammlung in Weimar: am Rednerpult Friedrich Ebert, der spätere erste Reichspräsident.
Verkrampfte Neutralität
Das galt aber, und hier liegt der springende Punkt, auch schon für eine Mehrzahl der Bürger jener ersten deutschen Demokratie: Den Anhängern der verflossenen Monarchie war sie bloß schlechter Kompromiss, den Kommunisten demokratisch verbrämte Ausbeutergesellschaft, den Nazis dekadente "System"-Zeit, Beamte und Soldaten mühten sich in verkrampfter Neutralität. Beinahe allein die Sozialdemokraten spielten, zumindest in den ersten Jahren und unter Vorbehalt, ihre Rolle als Partei der neuen Republik. Auf die Barrikaden ging dafür niemand.
Schönwetter-Demokraten?
Ist uns Deutschen die Demokratie im Grunde wesensfremd? Sind wir "Schönwetter-Demokraten", die solch originär "westliche" Staatsform bloß akzeptieren, so lange und so weit wirtschaftlich die Rechnung stimmt? Derartige Fragen drängen sich jedem auf, der die Zeit von Weimar im Blick hat. Sie sind nicht ganz belanglos für Deutschlands Gegenwart und Zukunft. Auch deshalb ist die Weimarer Republik ein interessantes Kapitel unserer Geschichte.
Zu Teilen bösartig
Dieses Kapitel begann mit zwei wichtigen Dokumenten: Eines ist der Versailler Vertrag, das andere die Weimarer Verfassung. Der Versailler Vertrag nötigte die Deutschen zur Demokratie - und beschnitt ihnen gleichzeitig die Lebensgrundlagen. Er war ungerecht, bösartig zu Teilen, legte dem neuen Staat eine Hypothek auf, die der niemals verkraften konnte.
Der Sieger Forderungen waren maßlos: Deutschland verlor sein wirtschaftliches Potenzial, und auch seine Souveränität wurde rigoros eingeschränkt. (Bild: DHM)
Nahezu ideale Züge
Um die zweite Urkunde, welche die Geburt der Republik bezeugt, schien es auf den ersten Blick besser bestellt. Als der Entwurf des amtierenden Innenministers Hugo Preuß am 31. Juli 1919 von den Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung gebilligt wurde, besaß die Republik ein Grundgesetz, das in vielem nahezu ideale Züge aufwies: Der alte Obrigkeitsstaat war ad acta gelegt, in Selbstverantwortung sollten die Bürger, mittels ihrer Parteien, von nun an ihr Schicksal bestimmen. Doch hätte es dazu eben auch der Bürger bedurft. Um mit der Verfassung von Weimar leben zu können, hätte Deutschland eine andere Geschichte, eine andere Zivilgesellschaft, andere Werte haben müssen.
Am Ende Artikel 48
Es hatte sie nicht, und konnte sie nicht haben. Was von der Weimarer Verfassung übrig blieb, war am Ende der Notstandsparagraph in Artikel 48. Ihm verdankte dann Hitler die legale Basis seiner Macht. So prägte nicht etwa funktionierender Parlamentarismus sondern eine Folge von Aufständen die Anfangsjahre der Republik: zum ersten Mal im März 1920, als der ostpreußische Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp als Führer des nach ihm benannten Putsches in Erscheinung trat. Kommunistische Revolten, der Hitlerputsch von 1923 - der Demokratie schien Ruhe nicht vergönnt...
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Infobox
Der Versailler Vertrag
Noch in den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs hatte US-Präsident Wilson seine Friedensvorschläge verkündet: Ein gerechter Friede sollte es sein, "ohne Annexionen und Kontributionen", wie es damals hieß - und auf der Basis des Selbstbestimmungsrechts der Völker.
Diese schönen, hehren Ideen konterkarierte der im Mai 1919 auf der Pariser Friedenskonferenz diktierte Versailler Vertrag. Vor allem der französische Politiker Clemenceau setzte Klauseln durch, die auf eine anhaltende Schwäche des geschlagenen deutschen Gegners zielten. Deutschland büßte ein Siebtel seines Territoriums und ein Zehntel seiner Bevölkerung ein. Lediglich 100.000 Soldaten durfte fortan das deutsche Heer umfassen, zu wenig sogar für die Sicherung der Grenzen.
Doch neben den unermesslichen Reparationsforderungen war es in erster Linie der Kriegsschuldparagraph, der für dauerhafte Empörung sorgte: Den Ergebnissen der historischen Forschung vorgreifend, bürdete man Deutschland die alleinige moralische Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf. Die "Fesseln von Versailles" zu sprengen, gehörte bald zu den Hauptzielen deutscher Außenpolitik.
Noch in den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs hatte US-Präsident Wilson seine Friedensvorschläge verkündet: Ein gerechter Friede sollte es sein, "ohne Annexionen und Kontributionen", wie es damals hieß - und auf der Basis des Selbstbestimmungsrechts der Völker.
Diese schönen, hehren Ideen konterkarierte der im Mai 1919 auf der Pariser Friedenskonferenz diktierte Versailler Vertrag. Vor allem der französische Politiker Clemenceau setzte Klauseln durch, die auf eine anhaltende Schwäche des geschlagenen deutschen Gegners zielten. Deutschland büßte ein Siebtel seines Territoriums und ein Zehntel seiner Bevölkerung ein. Lediglich 100.000 Soldaten durfte fortan das deutsche Heer umfassen, zu wenig sogar für die Sicherung der Grenzen.
Doch neben den unermesslichen Reparationsforderungen war es in erster Linie der Kriegsschuldparagraph, der für dauerhafte Empörung sorgte: Den Ergebnissen der historischen Forschung vorgreifend, bürdete man Deutschland die alleinige moralische Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf. Die "Fesseln von Versailles" zu sprengen, gehörte bald zu den Hauptzielen deutscher Außenpolitik.


