Netz ohne Spinne
Atlantikschlacht, Luftkrieg, Nordafrika: Die Westfront hat es im Verlauf des gesamten Zweiten Weltkriegs gegeben. Wieder Fuß auf okkupiertem Territorium fassten die Befreier erst nach Jahren.Truppen der USA landen am 6. Juni 1944 am Omaha Beach in der Normandie. Trotz großer Verluste ist ihr Erfolg gesichert.
Landung auf Sizilien
Jahre dauerte es, bedurfte der Siege bei Stalingrad (Winter 1942/43) und El Alamein, ehe die Westalliierten wieder auf Europas Boden Fuß zu fassen begannen. Mitte Juli 1943 setzten sie mit der Landung auf Sizilien zum Stoß auf den "weichen Unterleib" der Achse an. Die Zweite Front, die Landfront, war da - im Süden des Kontinents zunächst.
D-Day im Westen
Noch einmal mehr als elf Monate waren nötig, Zeit intensivster Vorbereitung, bis es eine neue Westfront gab: Frankreich, Schauplatz der Wehrmachtserfolge von 1940, wurde wiederum Kampfplatz, diesmal nur saßen die Deutschen, Generation unserer Großväter und Väter, am kürzeren Hebel. Am D-Day, dem 6. Juni 1944, schlug die Stunde. Hitlers Truppen, engagiert im Osten, verteilt über enorme Gebiete vom Nordkap bis zum Peloponnes und Italien hinunter, waren nicht unbedingt mit Elitedivisionen präsent.
Woher nehmen?
"Strategische Überdehnung" lautet die Diagnose, zu wenig Kampfkraft auf zu viel Raum, oder in Winston Churchills bildhaftem Vergleich: riesiges Netz ohne Spinne, ohne große, zentrale Reserve, die rasch hierhin und dorthin eilen kann. Woher sollte man sie auch nehmen?
Alliierte Bomberpulks über den Ardennen, Anfang 1945: Als das Flugwetter sich besserte, kam die letzte Offensive zum Erliegen. (Bild: 303rd Bomb Group Ass.)
Alliierte Lufthoheit
Seit dem D-Day verhinderte die so gut wie uneingeschränkte alliierte Luftherrschaft am Tag deutsche Bewegungen am Boden. Es ist nicht zu viel gesagt: Bei aller generellen alliierten Übermacht an Mannschaften, an Panzern, Geschützen, Munition wurde der Kampf im Westen hauptsächlich aus der Luft entschieden.
Gewaltiges Rüstungsprogramm
Der Verlauf der Aktion rechtfertigte Churchills Zögern Jahre zuvor: Ohne das gewaltige, voll entfaltete Rüstungsprogramm der USA wäre jede Landung verfrüht gewesen und im Blut erstickt. Noch heute diskutieren Militärs, ob eine andere Strategie der Wehrmacht im Anfangsstadium der Invasion nicht andere Ergebnisse hätte zeigen können. Rommels Konzept der "Strandverteidigung", um das es dabei geht, wurde jedoch zugunsten anderer Planung zurückgestellt. Letztlich ist es egal.
Letztes Aufbäumen der Abwehrkräfte
Der Ausbau der Brückenköpfe und der anschließende Vormarsch von Amerikanern und Briten gelangen nicht ohne Mühe. Schon auf die alten Reichsgrenzen zurückgeworfen, brachte die Wehrmacht dem Gegner noch empfindliche Schlappen bei. Reserven allerdings, um solche Teilerfolge auszunutzen, standen nicht mehr bereit. Auch deshalb blieb die Ardennenoffensive, letztes Aufbäumen der deutschen Abwehrkraft um Weihnachten 1944, strategisch fast folgenlos.
Begegnung der Fronten
Was dann losbrach, der "Wettlauf nach Berlin", ist die Schlussphase dieses Krieges. Sein Ausgang bestimmte noch einmal, trotz der schon vereinbarten Teilungspläne, das Nachkriegsschicksal unserer Nation: Gegner wurden zu Befreiern, Kultur und Loyalität der Deutschen gespalten. Die zwei Fronten, aus Ost und West, stießen aufeinander. Es dauerte nicht mehr lang, da ging "ein Eiserner Vorhang über Europa nieder", mehr oder weniger auf der Linie ihres Endverlaufs.
Michael Schmittbetz (14.09.2004)
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