"Verkehrter" Krieg
Nicht nach Osten hatten des "Führers" Truppen ab Mai 1940 zu kämpfen. Stattdessen stand der Feind im Westen dem "Lebensraum"-Krieg im Weg. War das schon der Keim späterer Niederlagen?Rom 1938, Hitler und Benito Mussolini: der Duce hatte die faschistische Konstellation einst vorgemacht.
Krieg mit dem Westen?
Den Krieg in östlicher Weite, den Kampf zur Eroberung von "Lebensraum", den wollte er, um fast jeden Preis. Aber wollte Hitler jenen Krieg, zu dieser Zeit, wie er nach den Kriegserklärungen Englands und Frankreichs am 3. September 1939 unwiderruflich ausgebrochen war? Darüber wurde jahrzehntelang spekuliert.
Faschistische Konstellation
Wir wissen heute, nein. Denn waren auch tiefere Überzeugungen bei ihm rar, taktische Prinzipien gab es für den Unheilsbringer schon. Darunter fiel fast von Beginn an die Methode, gemeinsam mit den Konservativen die Linke, den "Bolschewismus", zu schlagen. Erst wenn dies geschehen war, galt es, die "Reaktionäre" im Machtkampf zu überspielen, bis er, Hitler, als alleiniger Triumphator übrig blieb. Historiker nennen das die "faschistische Konstellation". Mussolini hatte es einst vorexerziert. Und Hitler war auf genau die Weise Diktator geworden.
Europäische Dimension
Im eigenen Land, in der "Kampfzeit", erfolgreich, vielversprechend noch in der Phase des Münchner Abkommens 1938, versagte die schlaue Methode jetzt, wo es um wahrhaft europäische Dimensionen ging: das halb faschistische Polen, gegen manche Hoffnung, kein Satellit auf dem Marsch gen Osten, stolz, verzweifelt und halsstarrig dafür; England nicht bereit, ein deutsches Empire neben dem britischen zu dulden, stattdessen Polen vertraglich verpflichtet; Frankreich zwar psychisch kaum in der Lage zum Kampf, doch klar im Fahrwasser der Briten... Chamberlain und Daladier, bei aller Befriedungspolitik gegenüber dem Aggressor, waren eben doch keine Hugenberg und Papen, die Hitler, bevor er sie kaltstellte, noch den Steigbügel hielten.
Deutsche Truppen marschieren im Juni 1940 durch den Arc de Triomphe in Paris: Aber ist es wirklich der Triumph für Hitler?
So resultiert aus dem unerwarteten Scheitern der "faschistischen Konstellation" im Maßstab Europas, aus der politischen Konsequenz der "konservativen" Mächte, eine geschichtliche Ironie: Beinah mit dem ersten Schuss deutscher Truppen Richtung Osten, auf Stellungen der Polen, bekam das Nie-Gewollte Gestalt: die Westfront, auf der entgegengesetzten, der falschen Seite des Reichs!
Mit letzter Hartnäckigkeit
Da steckte der Mann nun in der Klemme, hätte es sich selbst eingestehen müssen. Aber Hitler wäre nicht Hitler gewesen, ohne auch diesen verkehrten, ungewollten Krieg mit letzter Hartnäckigkeit zu führen. Fast sollte die Wehrmacht, den Sieg über Polen gerade in der Tasche, auf dem Absatz kehrtmachen und sich auf Frankreich stürzen. Das ging nicht, denn schon der kurze polnische Feldzug brauchte Deutschlands Ressourcen praktisch auf. Zudem und deshalb: Wer im Generalstab Rang und Namen hatte, zeigte sich froh über den Stillstand im Westen. Als Anfang Mai 1940, nach vielen Querelen, die Offensive begann, war wohl noch nie ein Angriff so sehr gegen den Willen der meisten Generale unternommen worden...
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Ein Zweifrontenkrieg...
- das war es, was die deutsche Militärführung im Zweiten Weltkrieg unbedingt vermeiden wollte. Auch Hitler selbst warnte ja immer wieder, der Erfahrungen von 1914 bis 1918 eingedenk.
Mit dem Angriff auf Russland im Juli 1941 aber war klar, dass deutsche Truppen nun, bei jeweils verminderter Kapazität, an einer stattlichen Reihe von Fronten zu kämpfen hatten: Rommels Afrikakorps in der Wüste galt es, mit Mannschaftsersatz, Waffen, Treibstoff und Lebensmitteln zu versorgen; die Atlantikschlacht band Rohstoffe und industrielle Ressourcen; der Luftkrieg störte die Produktion, erforderte Menschen und Gerät. Hinzu kamen die Anforderungen der Besatzungstruppen praktisch auf dem ganzen Kontinent.
All dies musste bewältigt werden, während der Schwerpunkt der deutschen Anstrengungen in Russland lag. Auch deshalb war das Scheitern programmiert - lange vor der alliierten Landung in der Normandie im Juni 1944.
- das war es, was die deutsche Militärführung im Zweiten Weltkrieg unbedingt vermeiden wollte. Auch Hitler selbst warnte ja immer wieder, der Erfahrungen von 1914 bis 1918 eingedenk.
Mit dem Angriff auf Russland im Juli 1941 aber war klar, dass deutsche Truppen nun, bei jeweils verminderter Kapazität, an einer stattlichen Reihe von Fronten zu kämpfen hatten: Rommels Afrikakorps in der Wüste galt es, mit Mannschaftsersatz, Waffen, Treibstoff und Lebensmitteln zu versorgen; die Atlantikschlacht band Rohstoffe und industrielle Ressourcen; der Luftkrieg störte die Produktion, erforderte Menschen und Gerät. Hinzu kamen die Anforderungen der Besatzungstruppen praktisch auf dem ganzen Kontinent.
All dies musste bewältigt werden, während der Schwerpunkt der deutschen Anstrengungen in Russland lag. Auch deshalb war das Scheitern programmiert - lange vor der alliierten Landung in der Normandie im Juni 1944.



