Nation und Dynastie
Die berühmteste Familie der Welt kommt fast täglich in irgendwelchen Schlagzeilen vor: Wo sonst liegen Glück und Tragödien, Pracht und Skandal so nah beieinander wie bei den Mitgliedern des britischen Königshauses?George V. (1865 bis 1936) saß seit 1910 auf dem britischen Thron. Ihm verdanken die Windsors ihren Namen.
Als die Untertanen Seiner Majestät König George V. am Morgen des 18. Juli 1917 die Zeitungen aufschlugen und diese Erklärung lasen, staunten sie nicht schlecht: Ihr Monarch hatte sich einen neuen Namen zugelegt. Was veranlasste den König, auf alle "Titel und Ehren der Herzoge und Herzoginnen von Sachsen, der Fürsten und Fürstinnen von Sachsen-Coburg und Gotha" zu verzichten und sich von nun an Windsor zu nennen?
Grund: Deutschland
Im erbitterten Krieg gegen Deutschland liegt die Erklärung des historisch einmaligen Vorgangs. Genealogen unterbreiteten diverse - mehr oder weniger sinnvolle - Namensvorschläge. Lord Stamfordham, der Privatsekretär des Königs, hatte schließlich die entscheidende Idee: Edward III., von 1327 bis 1377 König, nannte sich einst Edward of Windsor - und wurde nun Namensgeber der Königlichen Familie.
Symbol für Englisches
Denn die suchte nach etwas durch und durch Britischem. Und Windsor Castle, Sommerresidenz und Stammschloss des englischen Königshauses, war über die Jahrhunderte zentraler Ort der Inselgeschichte und Symbol für Englisches schlechthin. Queen Victoria, auch Großmutter des deutschen Kaisers Wilhelm II., hat sich vermutlich im Grabe umgedreht, mahnte sie doch einst die Familie, "das deutsche Element in unserem Hause zu pflegen und zu ehren". Nun galten aber neue Maximen, nichts sollte mehr an die deutsche Herkunft des Königshauses erinnern! Um ihrer Popularität Willen hatte die Dynastie dem Nationalismus Rechnung zu tragen.
Windsor Castle: Sommerresidenz und Stammsitz der königlichen Familie.
Die Inselmonarchie stand seit nunmehr drei Jahren im Krieg mit dem deutschen Kaiserreich und dessen Verbündeten. Das Empire, riesiges Weltreich verteilt über die Kontinente, drohte zu zerbröckeln. Zudem schien sich die bis dahin herrschende soziale Ordnung in weiten Teilen Europas aufzulösen. So ließ die revolutionäre Stimmung in Russland auch die republikanischen und antimonarchistischen Bewegungen in England für die Monarchie gefährlich erscheinen.
Antideutsche Hetzkampagne
Was auf den ersten Blick wie eine willkürliche Namensänderung ausgesehen haben mag, erwies sich bald als kluger Schritt: Denn mehr noch als die krisenhafte Situation im Land sorgte den König die antideutsche Hetzkampagne, in deren Visier auch das Königshaus zunehmend geriet. Der Krieg und die damit verbundenen hohen Verluste an Menschenleben beeinflussten die Moral. Eine Welle des Hasses richtete sich gegen alles, was auch nur im Entferntesten deutsch war oder klang.
Harmloses Windsor
George V. gab mit der Namensänderung den antideutschen Ressentiments nach. Viele seiner Untertanen glaubten, dass die Träger deutscher Namen - wie eben die Angehörigen des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha - zwangsläufig prodeutsche Gefühle hegen müssten. Die Umbenennung zum harmlosen Windsor sollte jede Verbindung des britischen Königshauses mit dem deutschen Adel tilgen. Und sie würde dem englischen Volk beweisen, dass seine "Erste Familie" wirklich britisch ist! ...
Seite
1
| 2
Infobox
Windsor Castle...
ist das größte bewohnte Schloss der Welt. Es liegt ungefähr dreißig Kilometer westlich von London auf einer Anhöhe über der Themse im Ort Windsor. Die ursprünglich zu einer Verteidigungsanlage gehörende Burg wurde, beginnend im 11. Jahrhundert, von Wilhelm dem Eroberer erbaut. Über die Jahrhunderte hinweg folgten stetig Erweiterungen und Umbauten.
Bewohnt wird Schloss Windsor seit jeher von britischen Monarchen. Elizabeth II. nutzt es heute ebenfalls als Zweitwohnsitz neben dem Buckingham Palace. Wenn die Königin nicht anwesend ist, kann das Schloss besichtigt werden. Unter anderem sieht man dort eine Gemäldesammlung mit den Werken vieler namhafter Künstler, wie Rubens, van Dyck, Holbein, Dürer und Rembrandt. Die 1992 durch einen Brand schwer beschädigten Räume sind mittlerweile wieder restauriert.
ist das größte bewohnte Schloss der Welt. Es liegt ungefähr dreißig Kilometer westlich von London auf einer Anhöhe über der Themse im Ort Windsor. Die ursprünglich zu einer Verteidigungsanlage gehörende Burg wurde, beginnend im 11. Jahrhundert, von Wilhelm dem Eroberer erbaut. Über die Jahrhunderte hinweg folgten stetig Erweiterungen und Umbauten.
Bewohnt wird Schloss Windsor seit jeher von britischen Monarchen. Elizabeth II. nutzt es heute ebenfalls als Zweitwohnsitz neben dem Buckingham Palace. Wenn die Königin nicht anwesend ist, kann das Schloss besichtigt werden. Unter anderem sieht man dort eine Gemäldesammlung mit den Werken vieler namhafter Künstler, wie Rubens, van Dyck, Holbein, Dürer und Rembrandt. Die 1992 durch einen Brand schwer beschädigten Räume sind mittlerweile wieder restauriert.
Infobox
Wer regiert, wer repräsentiert?
England war nach der Revolution des Jahres 1688 die erste konstitutionelle Monarchie. Im Unterschied zur absoluten Monarchie, bei der die Staatsgewalt ausschließlich in der Hand des Monarchen (König, Kaiser, ...) liegt, ist bei dieser Form dessen Macht beschränkt.
Im Falle der konstitutionellen Monarchie ist das Oberhaupt des Staates an eine Verfassung gebunden und wird durch sie kontrolliert. Zwar ernennt der Monarch die Regierung, doch das Parlament hat das Recht der Gesetzgebung. Der einzige Einfluss, den der Monarch auf die Legislative hat, ist sein Veto-Recht.
Heute jedoch ist das Vereinigte Königreiche eine parlamentarische Monarchie. Somit liegt die Macht ausschließlich beim Parlament und bei der Regierung. Das britische Königshaus hat nur noch repräsentative Funktion.
England war nach der Revolution des Jahres 1688 die erste konstitutionelle Monarchie. Im Unterschied zur absoluten Monarchie, bei der die Staatsgewalt ausschließlich in der Hand des Monarchen (König, Kaiser, ...) liegt, ist bei dieser Form dessen Macht beschränkt.
Im Falle der konstitutionellen Monarchie ist das Oberhaupt des Staates an eine Verfassung gebunden und wird durch sie kontrolliert. Zwar ernennt der Monarch die Regierung, doch das Parlament hat das Recht der Gesetzgebung. Der einzige Einfluss, den der Monarch auf die Legislative hat, ist sein Veto-Recht.
Heute jedoch ist das Vereinigte Königreiche eine parlamentarische Monarchie. Somit liegt die Macht ausschließlich beim Parlament und bei der Regierung. Das britische Königshaus hat nur noch repräsentative Funktion.


