Das Luxusgewächs
Die Rose begleitet die menschliche Kultur seit langer Zeit und ist aus dem Inneren Asiens in die weite Welt gelangt. Manchmal verlaufen die Auf- und Abschwünge im Dasein der Rose parallel zum Schicksal der Menschheit.Begehren und Widerstand, Sehnsucht, Verheißung und Tragödie: die Rose ist keine Blume, die gleichgültig lässt. Dies kann ein Grund sein, weshalb Menschen seit Jahrhunderten enormen Aufwand treiben, um immer wieder neue Arten und Sorten zu erschaffen. Über dreißigtausend Rosensorten gibt es heute.
Dabei hat alles mal ganz bescheiden angefangen: Rosen standen eher abseits des menschlichen Interesses. Was sollten unsere Ururahnen auch mit der stachligen Pflanze? Zarte Rosenblätter füllen leere Mägen kaum.
Die ersten Züchter
Doch wenn Dinge zwar nutzlos aber ansehnlich sind, ist der Weg schon vorgezeichnet zum Luxusgegenstand. Kultur setzt eben dort ein, wo Leute sich das Zweckfreie leisten. Die älteste Nachricht von Rosenpflanzungen hat Konfuzius (551 bis 479 v. Chr.) hinterlassen: Riesige Mengen Rosen, so der chinesische Gelehrte, blühten auf dem Tummelplatz der Privilegierten, den kaiserlichen Gärten zu Peking.
Hier hat es sich wahrscheinlich um Teerosen gehandelt: weiß, rosa, mitunter zartgelb. Wenn es so war, dann sind Pekings Palastgärtner die ersten Rosenzüchter gewesen: Die Teerose ist eine Kreuzung aus der wild wachsenden Chinarose und der ebenfalls wilden, robusten Rosa gigantea. Ausgerechnet mit der Teerose wird viel später die moderne Rosenzucht in Europa beginnen.
Protzig auf dem Tisch
Aber noch ist es nicht soweit: Im 2. Jahrhundert v. Chr. entdeckten zunächst römische Aristokraten den - vermeintlichen - Nutzwert der Rose: Rosenbalsam besitze heilende Kräfte, hieß es - bei Kopfschmerzen, gegen Wunden und bei Erkältungsbeschwerden. Bis heute hält sich solch Glaube. Ob dahinter schon pure Sehnsucht nach Luxus steckte, wer kann das wissen?
Mit dem "Sittenverfall" im Caesarenreich bedurfte der Rosenluxus jedenfalls nicht mehr umständlicher Begründungen: Rosenblüten, deren Pracht und Duft man schätzte, lagen protzig auf den Tischen der Gastmähler verstreut. Parfüm, hergestellt aus teuerstem Rosenöl, zählte zu den kostbarsten Gütern. Als Rom dann unterging, war auch die Rose im Westen vergessen.
Rosenanbau - per Edikt
Erst Karl der Große (747 bis 814) verhalf der Rose wieder zum Eintritt in die europäische Kultur. Tatsächlich hat Karl, damals noch nicht Kaiser sondern bloß König der Franken, 794 per Edikt den Rosenanbau verordnet. Das Vorbild der alten Römerzeit wirkte da nach - und die Einsicht, dass Herrscher, die den Luxus befehlen, gute Herrscher sind.
Durchweg weiß
In punkto Variantenreichtum war mit der Rose freilich noch nicht viel los: Durchweg weiß leuchteten die Rosenstöcke, und dabei blieb es bis ins 16. Jahrhundert. Dann erst brachten Reisende aus Asien gelbe und rote Rosen mit. Nun war es möglich, Zuchtversuche mit unterschiedlichem "Elternmaterial" zu unternehmen.
Eine Wildrose in voller Blütenpracht: Sie ist zu Hause in den milden Regionen des Nordens - und im fernen Asien.
Zufall im Beet
Die Neuzeit der Rosen startet 1867 mit der berühmten Züchtung La France. Ihr Schöpfer ist der französische Gärtner Jean Baptiste Gulliot. Das Ereignis ist für Rosenzüchter so wichtig wie für Historiker die Entdeckung Amerikas.
Nach eigener Aussage fand Gulliot die Pflanze zufällig in einem Beet, das er mit Teerosensaatgut versehen hatte. Kreuzungen aus Teerosen und "alten" europäischen Rosen bilden fortan die früheste Klasse der "modernen Rosen". In der Sprache der Wissenschaft heißen sie Teehybride. Was Farben betrifft, wird nun (fast) alles Denkbare möglich. Dauerblüte, gefälliger Wuchs, Fruchtbarkeit und edel wirkende, hoch gebaute Knospen sind zusätzliche, erwünschte Eigenschaften.
Zeichen von Degeneration
Beinahe zeitgleich mit Gulliots Zufallstreffer überträgt der englische Biologe Henry Bennett um 1870 die Erkenntnisse der Mendelschen Vererbungslehre auf die Rosenzucht. Jetzt ist eine solide Basis vorhanden, Teerosen-Abkömmlinge systematisch mit Blick auf Vater- und Muttersorte zu kreieren. Sieben Jahrzehnte lang dominieren Teehybride den Rosenmarkt. Um 1940 jedoch ist der Gipfel ihrer Vollendung überschritten: Zeichen von Degeneration treten auf; das empfindliche Luxusgewächs schwächelt. Hilfe muss her.
1945: Peace!
So, wie 1867 mit der Rose La France in die Moderne, tritt die Zucht mit der endlich wieder resistenten Rose Peace 1945 in das postmoderne Zeitalter ein. Das Verdienst gebührt erneut einem Franzosen, dem Züchter Francis Meilland. Der nennt sein Geschöpf allerdings Mme A. Meilland, in Italien erhält es den Namen Gioia (Freude), in Deutschland die Bezeichnung Gloria Dei.
Der Zweite Weltkrieg ist schuld, dass es mit der Kommunikation innerhalb der Internationale der Rosenzüchter zeitweise hapert. Peace tauft man die Rose in den USA. Bei der 1. Vollversammlung der Vereinten Nationen erhält jeder Delegierte ein Exemplar.
Immer noch Widerstand
Heute ist die Rosenzucht ein quasi industrieller Wirtschaftszweig. Forscher arbeiten für die Branche, ebenso wie Marketingexperten. Dennoch: Nicht alles klappt, was der Mensch sich in seinen Träumen ausmalen mag. Der Sehnsucht nach universellem Gestalten setzt die Natur immer noch Widerstand entgegen: Auf eine schwarze Rose müssen wir bislang verzichten. Vielleicht ist das gut so, weil das Objekt der Begierde, die Rose, so im letzten Reservat sein Geheimnis bewahrt.
Michael Schmittbetz (04.06.2008)
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Der wissenschaftliche Name...
der Rose lautet schlicht: Rosa L. Er bezeichnet eine Pflanzengattung mit etwa dreihundert Arten aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Rosen haben übrigens keine Dornen, sondern Stacheln. Die Früchte der Rose sind als Hagebutten bekannt. Als Urheimat der Rose gelten die nördlichen gemäßigten und die subtropischen Zonen.
Entwicklungsgeschichtlich stammt die Gattung Rosa L. aus dem Inneren Asiens. Traditionell sind der Hauptexporteur von Rosen die Niederlande. 2004 gelangten 675 Millionen Rosen im Wert von 681 Millionen Euro von dort nach Deutschland. Kleinere, aber noch beträchtliche Mengen Rosen exportieren Italien, Kenia und Ecuador.
der Rose lautet schlicht: Rosa L. Er bezeichnet eine Pflanzengattung mit etwa dreihundert Arten aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Rosen haben übrigens keine Dornen, sondern Stacheln. Die Früchte der Rose sind als Hagebutten bekannt. Als Urheimat der Rose gelten die nördlichen gemäßigten und die subtropischen Zonen.
Entwicklungsgeschichtlich stammt die Gattung Rosa L. aus dem Inneren Asiens. Traditionell sind der Hauptexporteur von Rosen die Niederlande. 2004 gelangten 675 Millionen Rosen im Wert von 681 Millionen Euro von dort nach Deutschland. Kleinere, aber noch beträchtliche Mengen Rosen exportieren Italien, Kenia und Ecuador.
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Von den alten Römern...
kennt man die Sitte, bei geheimen Besprechungen eine Rose an die Decke des Raumes zu hängen. Hintergrund dürfte die Legende sein, dass der Liebesgott Cupido dem Harpocrates, dem Gott der Verschwiegenheit, Rosen sandte mit der Bitte, die Liebesaffären seiner Mutter Venus diskret zu behandeln.
Irgendwie hat sich der Gedanke bis in die Gegenwart erhalten: Beichtstühle sind oft mit Schnitzwerk aus Rosenmotiven verziert. Wer heute klassisch gebildet erscheinen möchte, verwendet im Gespräch an passender Stelle die Wendung sub rosa (unter der Rose). Sie signalisiert dem Gesprächspartner die Vertraulichkeit des Gesagten.
kennt man die Sitte, bei geheimen Besprechungen eine Rose an die Decke des Raumes zu hängen. Hintergrund dürfte die Legende sein, dass der Liebesgott Cupido dem Harpocrates, dem Gott der Verschwiegenheit, Rosen sandte mit der Bitte, die Liebesaffären seiner Mutter Venus diskret zu behandeln.
Irgendwie hat sich der Gedanke bis in die Gegenwart erhalten: Beichtstühle sind oft mit Schnitzwerk aus Rosenmotiven verziert. Wer heute klassisch gebildet erscheinen möchte, verwendet im Gespräch an passender Stelle die Wendung sub rosa (unter der Rose). Sie signalisiert dem Gesprächspartner die Vertraulichkeit des Gesagten.




