Tolle Knolle
Mitte des 16. Jahrhunderts setzte der Siegeszug der Knolle in Europa ein. Dem Nachtschattengewächs wurden verschiedene Wirkungen - von sexuell stimulierend bis giftig - zugeschrieben. Für Entzücken sorgte die Blüte.Die Vielfalt ist groß: Weltweit soll es mehr als 5.000 Kartoffelsorten geben. Vitamine und Nährstoffe stecken in dem gesunden Knollengewächs.
Wunderschöne Blüte
Kartoffelliebhaber priesen neben der sexuell angeblich stimulierenden Wirkung ihre Nahrhaftigkeit und ihre wunderschöne Blüte. Doch das knollige Nachtschattengewächs, welches zwischen 1550 und 1575 mit spanischen Mönchen von Südamerika nach Europa kam, stieß nicht nur auf Begeisterung. Es dauerte fast zweihundert Jahre, bis die Kartoffel in Massen auf den Feldern der "Alten Welt" wuchs.
Kletternde Wildpflanze
Am Oberlauf des Flusses Magdalena, nahe der heutigen kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, entdeckte der Spanier Castellano 1536 "Pflanzen mit wenigen blassvioletten Blüten und mehligen Wurzeln". Er berichtete weiter, die Knolle habe einen angenehmen Geschmack und sei ein leckeres Gericht auch für Spanier. Wenn viele Europäer zu dieser Zeit seine Meinung auch nicht geteilt haben: im Hochland der Anden war die Knolle schon seit dem siebten Jahrtausend v. Chr. als Nahrungsmittel bekannt und beliebt.
Die Blüten der Kartoffelpflanze. Vorsicht ist jedoch geboten: ihr Grün ist giftig.
Der Mais, das Hauptnahrungsmittel der Andenvölker, wuchs in Höhen über dreitausend Metern nicht mehr. Aber eine sich selbst vermehrende und kletternde Wildpflanze mit verdickten unterirdischen und Stengelstücken - später auch als Knollen bezeichnet - gedieh prächtig an den Gebirgshängen.
Azteken und Inkas veredelten die Pflanze. Um ihre Knollen länger lagern zu können, stellte man Trockenkonserven her, die so genannten Chuño. Dafür wurden die Kartoffeln mehrere Wochen lang der Sonne und nächtlichen Frösten ausgesetzt. Jahrelang konnten die nun harten und leichten Knollen als Zutat für Suppen oder als Mehlzusatz für leckeres Mandelgebäck verwendet werden.
"Abscheuliche Pflanze"
Als die Spanier die ersten Kartoffeln im 16. Jahrhundert aus dem eroberten Inkareich an den Hof Phillips II. brachten, hatten sie allerdings vergessen, sich die Gebrauchsanweisung mitgeben zu lassen. Viele rätselten, was man mit der Pflanze mit dem merkwürdigen Aussehen und den geheimnisvollen Eigenschaften eigentlich tun sollte.
Sir Walter Raleigh, Seefahrer und Günstling der englischen Königin Elizabeth, pflanzte Kartoffeln in seinem Garten und ließ sie von einem alten Gärtner pflegen. Der probierte eines Tages von ihrer Frucht - den grünen Beeren - und weigerte sich schockiert, diese "abscheuliche Pflanze" noch länger in seinem Garten zu dulden...
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"Rettet Linda!"
So lautet der Name einer Initiative von Bauernverbänden und Verbraucherschützern, die sich seit 2005 für den Erhalt eines besonderen Kulturgutes einsetzt: Linda, die Lieblingskartoffel der Deutschen, sollte nach dreißig Jahren vom Markt verschwinden.
Ihr Züchter, der Saatguthersteller Europlant, hatte Ende 2004 die eigentlich bis 2009 laufende Zulassung der Sorte vorzeitig zurückgezogen. Diese Entscheidung löste einen Sturm der Entrüstung bei Bauern und Kartoffelliebhabern aus. Warum?
Seit 1974 wurde Linda beim Bundessortenamt geführt, am 31. Dezember 2004 lief der Sortenschutz, also das staatlich gewährte Monopol für Europlant, die Kartoffel zu Anbauzwecken in den "gewerblichen Verkehr" zu bringen, aus. Nur dem Sorteninhaber ist es gestattet, die Zulassung während der Schutzzeit zu verlängern oder zurückzuziehen.
So können Saatgutkonzerne bewährte Sorten vom Markt nehmen und sowohl Bauern als auch Konsumenten zwingen, weniger nachgefragte oder neu gezüchtete Sorten, für die sie noch Monopolrechte besitzen, zu kaufen. Nach dem Ende des Sortenschutzes, der dem Züchter das exklusive Vermarktungsrecht und somit hohe Lizenzgebühren garantiert, können auch andere Landwirte die Sorte lizenzfrei nutzen.
Allein aus Profitgründen habe Europlant die Zulassung für Linda vorzeitig zurückgezogen, lautet der Vorwurf der Gegner, während der Konzern die Anfälligkeit der Kartoffel für Keime und Fäule als Grund nennt.
Auf Antrag des Linda-Freundeskreises gewährte das Bundessortenamt der schmackhaften Knolle eine Schonfrist und verlängerte die Auslaufzeit der Zulassung bis zum 30. Juni 2007. Gegen diese Entscheidung klagte Europlant erfolglos. In der Zwischenzeit beantragte Biobauer Karsten Ellenberg die Wiederzulassung in Deutschland; das Verfahren dauert noch an.
Doch die Kartoffelfreunde hatten noch eine andere Lösung parat: Laut EU-Recht kann eine Sorte, die in einem EU-Land zugelassen ist, auch in anderen EU-Ländern angebaut werden. Ellenberg pflanzte Linda in besten schottischen Boden und beantragte dort die Sortenzulassung. Nach zweijähriger Qualitätsprüfung erklärte Großbritannien Linda im August 2009 offiziell zur Pflanzkartoffel - und ebneten ihr damit den Weg zurück auf deutsche Äcker. Es scheint, als sei Linda gerettet.
So lautet der Name einer Initiative von Bauernverbänden und Verbraucherschützern, die sich seit 2005 für den Erhalt eines besonderen Kulturgutes einsetzt: Linda, die Lieblingskartoffel der Deutschen, sollte nach dreißig Jahren vom Markt verschwinden.
Ihr Züchter, der Saatguthersteller Europlant, hatte Ende 2004 die eigentlich bis 2009 laufende Zulassung der Sorte vorzeitig zurückgezogen. Diese Entscheidung löste einen Sturm der Entrüstung bei Bauern und Kartoffelliebhabern aus. Warum?
Seit 1974 wurde Linda beim Bundessortenamt geführt, am 31. Dezember 2004 lief der Sortenschutz, also das staatlich gewährte Monopol für Europlant, die Kartoffel zu Anbauzwecken in den "gewerblichen Verkehr" zu bringen, aus. Nur dem Sorteninhaber ist es gestattet, die Zulassung während der Schutzzeit zu verlängern oder zurückzuziehen.
So können Saatgutkonzerne bewährte Sorten vom Markt nehmen und sowohl Bauern als auch Konsumenten zwingen, weniger nachgefragte oder neu gezüchtete Sorten, für die sie noch Monopolrechte besitzen, zu kaufen. Nach dem Ende des Sortenschutzes, der dem Züchter das exklusive Vermarktungsrecht und somit hohe Lizenzgebühren garantiert, können auch andere Landwirte die Sorte lizenzfrei nutzen.
Allein aus Profitgründen habe Europlant die Zulassung für Linda vorzeitig zurückgezogen, lautet der Vorwurf der Gegner, während der Konzern die Anfälligkeit der Kartoffel für Keime und Fäule als Grund nennt.
Auf Antrag des Linda-Freundeskreises gewährte das Bundessortenamt der schmackhaften Knolle eine Schonfrist und verlängerte die Auslaufzeit der Zulassung bis zum 30. Juni 2007. Gegen diese Entscheidung klagte Europlant erfolglos. In der Zwischenzeit beantragte Biobauer Karsten Ellenberg die Wiederzulassung in Deutschland; das Verfahren dauert noch an.
Doch die Kartoffelfreunde hatten noch eine andere Lösung parat: Laut EU-Recht kann eine Sorte, die in einem EU-Land zugelassen ist, auch in anderen EU-Ländern angebaut werden. Ellenberg pflanzte Linda in besten schottischen Boden und beantragte dort die Sortenzulassung. Nach zweijähriger Qualitätsprüfung erklärte Großbritannien Linda im August 2009 offiziell zur Pflanzkartoffel - und ebneten ihr damit den Weg zurück auf deutsche Äcker. Es scheint, als sei Linda gerettet.



