Freund oder Feind?
Im Unterschied zu Schädlingen sind Pilze an den Resten von Organismen interessiert. Statt zu töten, recyclen sie und halten Feld, Wald und Wiese in Ordnung. Dabei kreuzen sich ihre Lebensräume mit denen des Menschen.Zeichen von Geselligkeit? Beim Hallimasch wachsen die Fruchtkörper eng beisammen auf.
Leben im Erdreich
Der eigentliche Pilz besteht aus dem Myzel, einem dichten Geflecht von Zellfäden. Mikroskopisch klein breitet es sich unter der Erdoberfläche aus. Weil sie es nicht in Energie umwandeln können, verzichten Pilze auf Sonnenlicht. Stattdessen ernähren sie sich von organischen Substanzen, meist Holz- oder Pflanzenresten, indem sie an ihnen haften, ihre Zellen zersetzen und die Reststoffe verwerten.
Pilze sind jedoch nicht immer parasitär. Sie leben mit ihren Wirten auch in freundschaftlichen Verhältnissen, zum gegenseitigen Vorteil. Und natürlich wachsen sie nicht nur im Wald! Überall wo es feucht ist, fühlen sich Pilze wohl - um uns und in uns. In unserer Darmflora können sich Hefepilze einnisten, in Schwimmbädern und Saunen lauert der Fußpilz!
Angriff auf die Gesundheit
Menschen mit schwachen Abwehrkräften oder chronischen Durchblutungsstörungen leiden oft unter Pilzerkrankungen. Bei ihnen siedeln die Schmarotzer gern in verletzten Hautzellen, etwa im Bereich von Haaren, Zehen oder Nägeln. Dort verursachen sie Rötungen und Juckreiz. Eine gute Vorbeugung gegen solche Hautpilze ist zuckerarme, ballaststoffreiche Kost.
Detail des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald (1475-1528): Ein Gepeinigter des ominösen Antoniusfeuers fleht um Heilung.
Gefahr aus der Luft
Eigentlich könnten Schimmelpilze gut gemeinte Hinweise auf Baumängel, falsches Heiz- und Lüftungsverhalten oder unzureichende Isolierungen sein. Wenn sie sich aber erstmal übermäßig vermehren, wird es heikel: Im Aeroplankton - das sind alle biologischen Partikel wie Pollen, Hautschuppen und Milben in der Luft - steigt der Anteil ihrer Sporen über das hygienisch vertretbare Maß. Wie feiner Staub setzen sie sich dann auf Möbeln, Gardinen oder Teppichböden ab.
Wegen ihrer geringen Größe von 2 bis 10 Mikrometern geraten Schimmelpilze auch in die menschlichen Atemwege. Dort können die Sporen - abhängig von ihrer Konzentration - Allergien auslösen, die mit Krankheiten wie Asthma oder Heuschnupfen einhergehen. Dass Pollenallergien statistisch gesehen viel häufiger auftreten, mag beruhigen. Dennoch: Pilzbefall ist in jedem Fall eine Gefahr, die mitsamt ihrer Ursachen dringend beseitigt werden sollte.
Edle Nebeneffekte
Kontrolliert eingesetzt, verrichten die winzigen Übeltäter gute Dienste. Als so genannter Edelschimmel verwandeln sie Käsesorten wie Gorgonzola oder Roquefort in teure Delikatessen. Ähnlich wie die Edelfäule, die die reifen Rieslingtrauben verfeinert. Und nicht zuletzt: Das Penicillin - die Wunderwaffe gegen bakterielle Infektionen wie Tuberkulose und Milzbrand - wird aus Schimmelpilzen gewonnen. Sind Pilze dem Menschen also doch mehr Freund als Feind?
Giftige Doppelgänger
Ganz so einfach ist es leider nicht: Selbst beim Sammeln von Speisepilzen ist Vorsicht angebracht. Ausgerechnet beliebte Sorten wie Pfifferling, Champignon oder Perlpilz haben gefährliche Doppelgänger. Den rund fünftausend genießbaren mitteleuropäischen Sorten stehen etwa 150 Giftpilze gegenüber. Einige von ihnen wirken tödlich. Ihr wohl berüchtigtster Vertreter, der Fliegenpilz, ist übrigens nicht annähernd so wirkungsvoll wie häufig behauptet wird: Anstatt seine Konsumenten zu vergiften, ruft er meist "nur" Sinnestäuschungen hervor.
Lebensraum Waldboden: Pilze nutzen alle organischen Stoffe, die sie mit dem Myzel erreichen. Sie sind Recyclingspezialisten.
Nicht berauschend, sondern heilsam sind die Wundereffekte der asiatischen Shiitake, Rai-Chi oder Goldkäppchen. Während sie in China und Japan schon seit Jahrhunderten als Zutaten für medizinische Speisen dienen - etwa gegen Entzündungen, Tumore oder Magenleiden -, war in Europa lange Zeit sehr wenig über sie bekannt. Gegenwärtig liegen sie so hoch im Kurs, dass manche Hobby-Mykologen die Zucht im eigenen Garten versuchen.
Teure Freunde
Bei den wahren Delikatesspilzen ist dies nicht so einfach: Trüffel aus Südfrankreich oder Norditalien stammen zwar teilweise aus kontrolliertem Anbau, die Suche mit speziellen Trüffelschweinen und -hunden ist aber immer noch rentabel. Das unvergleichliche Aroma der kartoffelartigen Fruchtkörper hat nämlich einen stolzen Preis: 100 Gramm weiße Trüffel kosten um die 400 Euro. - So gesehen haben diese Pilze durchaus etwas mit guten Freunden gemeinsam: Die sind auch unbezahlbar!
Fanny Backhaus/aktualis. Michael März (04.09.2007)
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"Wann ist eigentlich Pilzsaison?"
- das fragen sich unerfahrene Sammler oft. Kam man im letzten September noch mit gefüllten Körben aus dem Wald, passen die Fundstücke ein Jahr später gerade so in eine Hand. Mykologen, also Pilzwissenschaftler, oder ehrenamtliche Pilzberater können über dieses Problem nur schmunzeln.
Für sie dauert die Saison das ganze Jahr: Im Frühling gibt es Morcheln, im Sommer Pfifferlinge, im Herbst Ritterlinge je nach Geschmack. Am größten ist die Auswahl von August bis Oktober. In diesen Monaten gedeihen die meisten essbaren und vor allem schmackhaften Pilze, wie Champignon, Marone und Steinpilz. Ihre Wachstumsphasen und -mengen schwanken von Jahr zu Jahr.
Bevor sich Experten auf die Suche nach ihren Lieblingssorten begeben, achten sie auf Niederschlagsmengen, Temperaturen und den allgemeinen Zustand der Vegetation. So können sie im Voraus abschätzen, ob der Gang in den Wald lohnt.
- das fragen sich unerfahrene Sammler oft. Kam man im letzten September noch mit gefüllten Körben aus dem Wald, passen die Fundstücke ein Jahr später gerade so in eine Hand. Mykologen, also Pilzwissenschaftler, oder ehrenamtliche Pilzberater können über dieses Problem nur schmunzeln.
Für sie dauert die Saison das ganze Jahr: Im Frühling gibt es Morcheln, im Sommer Pfifferlinge, im Herbst Ritterlinge je nach Geschmack. Am größten ist die Auswahl von August bis Oktober. In diesen Monaten gedeihen die meisten essbaren und vor allem schmackhaften Pilze, wie Champignon, Marone und Steinpilz. Ihre Wachstumsphasen und -mengen schwanken von Jahr zu Jahr.
Bevor sich Experten auf die Suche nach ihren Lieblingssorten begeben, achten sie auf Niederschlagsmengen, Temperaturen und den allgemeinen Zustand der Vegetation. So können sie im Voraus abschätzen, ob der Gang in den Wald lohnt.
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Dass Pilze zu den ältesten halluzinogenen Drogen der Menschheit gehören, macht das Freund-Feind-Schema noch komplizierter. Seit Jahrtausenden werden halluzinogene Pilze bei schamanischen Ritualen und religiösen Zeremonien verwendet.
Im hohen Mittelalter befanden sich sogar ganze Dörfer im unfreiwilligen Pilz-Rausch: Das verheerende Antoniusfeuer griff um sich. Betroffene klagten zunächst über Verwirrungen, dann über Durchblutungsstörungen. Zuletzt starben ihre Gliedmaßen ab.
Erst im 17. Jahrhundert stellte sich heraus, dass pilzverseuchte Ernten den "Brand" hervorriefen: Die Menschen fielen einer Vergiftung zum Opfer! Verantwortlich war das Mutterkorn, das traditionell von Hebammen wegen der Wehen lösenden Wirkung geschätzt wurde. Dieser Schmarotzer enthält Lysergsäure, die stärkste psychoaktive Wirkungen hervorruft und auch Hauptbestandteil des LSD ist.
Apropos: Einem wahren Kaufrausch geben sich heutzutage manche Amsterdambesucher hin. Hier sind so genannte Magic Mushrooms legal erhältlich. Doch Achtung! Bei den einen stiften die Zauberpilze Angst und Verwirrung, bei den anderen Aggression und Gewalt.
Im hohen Mittelalter befanden sich sogar ganze Dörfer im unfreiwilligen Pilz-Rausch: Das verheerende Antoniusfeuer griff um sich. Betroffene klagten zunächst über Verwirrungen, dann über Durchblutungsstörungen. Zuletzt starben ihre Gliedmaßen ab.
Erst im 17. Jahrhundert stellte sich heraus, dass pilzverseuchte Ernten den "Brand" hervorriefen: Die Menschen fielen einer Vergiftung zum Opfer! Verantwortlich war das Mutterkorn, das traditionell von Hebammen wegen der Wehen lösenden Wirkung geschätzt wurde. Dieser Schmarotzer enthält Lysergsäure, die stärkste psychoaktive Wirkungen hervorruft und auch Hauptbestandteil des LSD ist.
Apropos: Einem wahren Kaufrausch geben sich heutzutage manche Amsterdambesucher hin. Hier sind so genannte Magic Mushrooms legal erhältlich. Doch Achtung! Bei den einen stiften die Zauberpilze Angst und Verwirrung, bei den anderen Aggression und Gewalt.




