Duftende Blätter
In Asien hat die Zubereitung und das Trinken von Tee eine weit über das Alltägliche hinausreichende Bedeutung erlangt. Sein Genuss ist ein Ritual, welches Erleuchtung bringen soll.Die Teepflanze (Camellia sinensis) benötigt viel Sonne und sandige Böden. In China entsteht aus den Blättern oft Grüner Tee.
Meditation und Plauderei
Die Entwicklung chinesischer Teekunst steht in engem Zusammenhang mit dem Buddhismus. Durch Konzentration und intensive Meditation erhoffen Buddhisten, Erleuchtung zu erfahren. Diese Vorstellung spiegelt sich im zeremoniellen Genießen von Tee wider - einem Wechselspiel von konzentriertem Handeln und Plauderei.
Während des 5. und 6. Jahrhunderts, der Blütezeit des Buddhismus in China, tranken meditierende Mönche mit Vorliebe Tee, um sich wach zu halten. Zudem wussten sie von seiner entgiftenden Wirkung; als Heilpflanze war das Getränk seit langem bekannt. Regelmäßig Tee sollen die Chinesen bereits ab 200 v. Chr. unter der Westlichen Han-Dynastie getrunken haben - das zumindest besagen die ersten schriftlichen Überlieferungen, obwohl Tee noch wesentlich älter ist.
Von China nach Japan
Eng verbunden mit dem Buddhismus also entstand vor über zweitausend Jahren eine komplexe Kultur rund um den Tee. Zeremonien spielen bei alldem seit jeher eine wichtige Rolle. Wenn von Teezeremonie die Rede ist, kommt den meisten wahrscheinlich Japan in den Sinn. Der Brauch aber kam aus China und wurde in Japan nur stärker ritualisiert: Während japanische Teezeremonien strengen Regeln folgen, läuft im Reich der Mitte alles lockerer und entspannter ab.
Denn Teezeit heißt ja auch, eine Auszeit zu nehmen, heißt Innehalten - eben eine Form der Meditation. Beliebte Orte, um sich bei einer Tasse Tee zu entspannen, sind eigens dafür eingerichtete Teehäuser. Wichtig für eine gelungene Zeremonie: guter Tee, passende Teegeräte und weiches Wasser. Guter Tee ist junger Tee, am besten noch aus demselben Jahr. Besonders beliebt: Grüner Tee mit möglichst hellen Blättern.
Damit allein war es aber nicht getan: Windofen, Holzkohle-Hammer und Feuerzange - diverse aufwändige Utensilien gehörten einst zur klassischen Teezeremonie. Erst während der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) reduzierte sich das bis dahin verwendete Instrumentarium auf Teekannen und -schalen. Immer noch aber kann eine Teezeremonie Stunden dauern und bedarf guter Vorbereitung.
Feier in einem Teehaus: Anders als bei der traditionellen Teezeremonie herrscht hier Ausgelassenheit. (Zeitgenössische Grafik aus: Sitten und Bräuche Japans, 1867)
Damit sich das Tee-Aroma voll entfalten kann, sollte die Kanne aus Keramik und bauchig sein. Für jede Teesorte verwenden Kenner verschiedene Kannen, weil deren Keramik das jeweilige Aroma annimmt. Die Teeschalen sind winzig und so geformt, dass ein weiteres säulenartiges Trinkgefäß mit rund drei Zentimetern Durchmesser in sie hineingestellt werden kann.
Meist von Frauen gelenkt und geleitet, beginnt die Teezeremonie (Cha Dao) mit dem Reinigen der Kanne und der Blätter: Die Kanne wird zunächst mit kochend heißem Wasser ausgespült. Die Teemeisterin gibt nun viele grobe Teeblätter hinein und lässt sie kurz ziehen. Das erste Teewasser schüttet sie weg. Erst der zweite Aufguss kommt zum Einsatz.
Zunächst füllt die Teemeisterin den Tee in das höhere, säulenartige Gefäß, das wie ein kleiner Turm aus der Trinkschale ragt. Die Gäste wärmen sich daran mit drehenden Bewegungen die Hände, nehmen Farbe und Duft des Tees auf - ein wichtiger Bestandteil der Zeremonie. Nun wird die Teeschale verkehrt herum auf die Trinksäule gesetzt und beides umgedreht: "Himmel und Erde werden gedreht", heißt es in China. Danach genießt man den Tee aus den kleinen Schalen. Immer sollte der Tee heiß und in drei Schlucken getrunken werden.
Im Alltag wenig spektakulär
Heute trinken Chinesen ihren Tee im Alltag meist auf weniger spektakuläre Weise. Anders als in der Teezeremonie gilt es als dekadent, die Blätter nach dem ersten Aufguss zu wechseln. Und die Wenigsten veranstalten Teezeremonien zu Hause, eher zelebriert man den Teegenuss in Teehäusern - aus besonderem Anlass.
Stefanie Barthel (aktualisiert 11.12.2007)
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Infobox
Anbaugebiete
Aus China ist die Kultivierung von Tee seit ungefähr zweieinhalb Jahrtausenden überliefert. Noch heute ist das "Reich der Mitte" das wichtigste Anbauland (Produktion 2007: über eine Million Tonnen), knapp vor Indien.
Während in Asien die Teeherstellung eine lange Tradition hat, entwickelte sich Kenia erst in den letzten vier Jahrzehnten zum bedeutenden Tee-Exporteur: Das afrikanische Land führte 2007 fast dreihunderttausend Tonnen Tee aus. Europäische Länder hingegen müssen Tee importieren, weil es zum Anbau zu kalt ist.
Die Teepflanze benötigt schließlich starke Sonneneinstrahlung, viel Wärme und Feuchtigkeit. Sumpfige Böden oder stehendes Wasser verträgt sie nicht, gut eignen sich sandige Gebirgsböden mit moderaten Mengen an Niederschlag.
In Japan sind die Produktionsverfahren so weit perfektioniert, dass auch höherwertige Teesorten maschinell geerntet werden. Andere wichtige asiatische Anbaugebiete für Tee sind Taiwan und Nepal.
Aus China ist die Kultivierung von Tee seit ungefähr zweieinhalb Jahrtausenden überliefert. Noch heute ist das "Reich der Mitte" das wichtigste Anbauland (Produktion 2007: über eine Million Tonnen), knapp vor Indien.
Während in Asien die Teeherstellung eine lange Tradition hat, entwickelte sich Kenia erst in den letzten vier Jahrzehnten zum bedeutenden Tee-Exporteur: Das afrikanische Land führte 2007 fast dreihunderttausend Tonnen Tee aus. Europäische Länder hingegen müssen Tee importieren, weil es zum Anbau zu kalt ist.
Die Teepflanze benötigt schließlich starke Sonneneinstrahlung, viel Wärme und Feuchtigkeit. Sumpfige Böden oder stehendes Wasser verträgt sie nicht, gut eignen sich sandige Gebirgsböden mit moderaten Mengen an Niederschlag.
In Japan sind die Produktionsverfahren so weit perfektioniert, dass auch höherwertige Teesorten maschinell geerntet werden. Andere wichtige asiatische Anbaugebiete für Tee sind Taiwan und Nepal.
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Yogi, Roibush und Jasmin
Tee in seiner Vielfalt ist hierzulande längst kein Exot mehr. Aber: Was in Deutschland als Tee bezeichnet wird, ist oft kein Tee, sondern ein teeähnliches Getränk.
Nur aus den Blättern und Blüten der Strauchpflanzen Camellia sinensis und Camellia assamica wird echter Tee. Letztere Pflanze ist übrigens Namensgeberin für die bekannte Teesorte Assam. Weißer Tee, Grüner Tee und Schwarzer Tee stammen jeweils von einer dieser Pflanzen ab.
Die beiden Ur-Teepflanzen sind jedoch immer seltener in reiner Form zu finden. Zunehmend werden sie von so genannten Hybriden verdrängt. Inzwischen existiert auch noch eine dritte Züchtung, die als Teepflanze anerkannt wird: die Camellia Japonica, auch Thea Japonica. Schon vor sechshundert Jahren tauchte sie in Japan erstmals auf.
Viele bekannte Tees, wie beispielsweise der Earl Grey, sind blendings, also Mischungen verschiedener Teesorten. Minderwertige Tees können mit Blüten, wie zum Beispiel Jasmin, aufgewertet werden. Immer häufiger wird jedoch künstliches Aroma hinzugefügt.
Nicht nur Blätter vom Teestrauch füllen also unsere Teebeutel: Yogi-Tee zum Beispiel enthält die Gewürze Zimt, Kardamom, Ingwer, Nelken und schwarzen Pfeffer - und ist besser bekannt unter dem Namen Chai.
Tee in seiner Vielfalt ist hierzulande längst kein Exot mehr. Aber: Was in Deutschland als Tee bezeichnet wird, ist oft kein Tee, sondern ein teeähnliches Getränk.
Nur aus den Blättern und Blüten der Strauchpflanzen Camellia sinensis und Camellia assamica wird echter Tee. Letztere Pflanze ist übrigens Namensgeberin für die bekannte Teesorte Assam. Weißer Tee, Grüner Tee und Schwarzer Tee stammen jeweils von einer dieser Pflanzen ab.
Die beiden Ur-Teepflanzen sind jedoch immer seltener in reiner Form zu finden. Zunehmend werden sie von so genannten Hybriden verdrängt. Inzwischen existiert auch noch eine dritte Züchtung, die als Teepflanze anerkannt wird: die Camellia Japonica, auch Thea Japonica. Schon vor sechshundert Jahren tauchte sie in Japan erstmals auf.
Viele bekannte Tees, wie beispielsweise der Earl Grey, sind blendings, also Mischungen verschiedener Teesorten. Minderwertige Tees können mit Blüten, wie zum Beispiel Jasmin, aufgewertet werden. Immer häufiger wird jedoch künstliches Aroma hinzugefügt.
Nicht nur Blätter vom Teestrauch füllen also unsere Teebeutel: Yogi-Tee zum Beispiel enthält die Gewürze Zimt, Kardamom, Ingwer, Nelken und schwarzen Pfeffer - und ist besser bekannt unter dem Namen Chai.



