Bergkgeschrey
Im 11. Jahrhundert fanden Bauern im Gestein des Erzgebirges Silberadern. Tausende zogen darauf in das Mittelgebirge - die Bergmänner hämmerten sich mit viel Mühe durchs Gestein.Fast undurchdringlich war der Urwald, der das Mittelgebirge zwischen der Mark Meißen und Böhmen überdeckte. "Miriquidi" - Dunkler Wald - wurde er genannt. Erst im 12. Jahrhundert besiedelten Bauern aus dem Main-Frankenraum die unwirtliche Gegend und fristeten ein hartes Dasein. Dank kleinerer Eisen-, Zinn- und Kupferfunde konnten sie sich ein Zubrot verdienen.
Metallener Glanz
Doch das Leben in Abgeschiedenheit währte nur kurz. 1168 ertönte das erste große "Bergkgeschrey": Kaufleute hatten in der Nähe von Christiansdorf, heute Freiberg, Silber gefunden. Der Glanz des Metalls zog deutsche und böhmische Bergleute, Händler und Köhler in Massen in das Gebirge. Am Fundort entstand die Siedlung Freiberg, die 1186 Stadtrecht erhielt. Nur vierzig Jahre später war Freiberg die größte Stadt in der Markgrafschaft Meißen.
Was hier begann, fand im 15. Jahrhundert weiter westlich seine Fortsetzung: Am 27. Oktober 1492 entdeckte der Bergmann Kasper Nitzel aus Frohnau am Schreckenberg einen äußerst ergiebigen Silbererzgang. Das zweite große "Bergkgeschrey" lockte wieder Tausende in die Region, die nun den Namen Erzgebirge erhielt. Vier Jahre später wurde am Ort die "Neustadt am Schreckenberg" gegründet, das spätere St. Annaberg.
Innerhalb von vierzig Jahren schnellte die Einwohnerzahl auf zwölftausend. Die Bergstadt überflügelte damit sogar Metropolen wie Dresden und Leipzig. Weitere Funde, die zum Aufblühen des Bergbaus im gesamten Erzgebirge führten, machten die Gründung weiterer Städte wie Buchholz (1501), Marienberg (1521) und Scheibenberg (1522) nötig.
Münzen, Schmuck und Werkzeuge
Bis ins 16. Jahrhundert hinein bereicherten sich vor allem die sächsischen Landesherren am Silberbergbau. Was die Bergleute Untertage aus dem Gestein brachen, wurde in Hüttenwerken zerkleinert und geschmolzen. Aus dem Metall wurden Münzen geprägt, Werkzeuge und Schmuck hergestellt. Als der Zenit des Silberbergbaus überschritten war, half die Entwicklung neuer Verfahren und Techniken den Bergbau im Erzgebirge zu erhalten. Denn nun wurden auch so genannte Silberräuber wie Kobalt - zur Blaufarben-Herstellung -, Nickel oder Wismut für den Abbau interessant.
Das Schaubergwerk in Annaberg zeigt, unter welchen Bedingungen zu früherer Zeit in den Stollen malocht wurde.
Touristischer Lockruf
Am 1. März 1991 wurde im Schacht 371 in Schlema der letzte Hunt gefördert. Im selben Jahr endete vorerst (siehe Infobox) die über 800-jährige Geschichte des Bergbaus im Erzgebirge. Geblieben sind lieb gewonnene Traditionen wie Bergparaden, Schaubergwerke und die einzigartige erzgebirgische Volkskunst, die jedes Jahr mehr Touristen in die Region locken.
Christiane Nienhold (aktualisiert 01.12.2011)
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Bergwerk | ![]() |
Infobox
Neues Bergkgeschrey?
Seit Anfang 2011 wird nach fast einhundert Jahren Pause in Sachsen wieder nach Silber gegraben. Grund dafür ist vor allem die Wirtschaftskrise. Edelmettalle stellen in diesen Zeiten einen stabilen Wert da. Der Preis für Silber legte im letzten Quartal des Jahres 2010 um rund fünfzig Prozent zu.
Der baden-württembergische Edelmetallhändler Adalbert Geiger investiert deshalb mit seiner Sachsen Bergwerk GmbH in die Wiedereröffnung längst stillgelegter Minen im Raum Zschorlau, Aue, Schneeberg und Wolkenstein, Großbrückerswald sowie Brand-Erbisdorf, Weißenborn und Freiberg.
Neben Silber wird nach Blei, Zink, Kupfer, Zinn, Wismut, Wolfram, Gold, Nickel, Indium, Gallium, Germanium, Eisen, Mangan, Kobalt, Molybdän sowie Fluss- und Schwerspat gesucht.
2013 könnte das erste Silbererz abgebaut werden, bis dahin werden die Vorbereitungen und Erkundungen voraussichtlich dauern.
Seit Anfang 2011 wird nach fast einhundert Jahren Pause in Sachsen wieder nach Silber gegraben. Grund dafür ist vor allem die Wirtschaftskrise. Edelmettalle stellen in diesen Zeiten einen stabilen Wert da. Der Preis für Silber legte im letzten Quartal des Jahres 2010 um rund fünfzig Prozent zu.
Der baden-württembergische Edelmetallhändler Adalbert Geiger investiert deshalb mit seiner Sachsen Bergwerk GmbH in die Wiedereröffnung längst stillgelegter Minen im Raum Zschorlau, Aue, Schneeberg und Wolkenstein, Großbrückerswald sowie Brand-Erbisdorf, Weißenborn und Freiberg.
Neben Silber wird nach Blei, Zink, Kupfer, Zinn, Wismut, Wolfram, Gold, Nickel, Indium, Gallium, Germanium, Eisen, Mangan, Kobalt, Molybdän sowie Fluss- und Schwerspat gesucht.
2013 könnte das erste Silbererz abgebaut werden, bis dahin werden die Vorbereitungen und Erkundungen voraussichtlich dauern.
Infobox
Unglück im Karl-Marx-Schacht
Laut einer alten Urkunde wurde ab 1348 im sächsischen Zwickau Steinkohle abgebaut. Mit Hilfe neuer Maschinen und Arbeitstechniken drangen die Bergmänner seit der Industriellen Revolution in große Tiefen vor. Damit konnte die Ausbeute der Gruben erhöht werden, doch für die Kumpels wurde die Arbeit Untertage immer riskanter.
Denn beim Abbau von Steinkohle tritt Methangas aus. Gefährlich wird es in den Schächten, wenn durch schlechte Bewetterung (Abluftausfuhr und Frischluftzufuhr) das Gas bestimmte Konzentrationen erreicht, die es brennbar und explosiv machen.
Vielleicht war Methangas die Ursache für das schwerste Grubenunglück der DDR-Geschichte: Am 22. Februar 1960 erschüttert um 8.20 Uhr eine Explosion den Karl-Marx-Schacht in Zwickau. 174 Bergmänner werden in 1100 Meter Tiefe verschüttet. Rettungskräfte kämpfen sich in den von Qualm, Feuer und Hitze fast vollständig ausgefüllten Schacht hinunter. Sie können 40 Bergleute lebend nach oben bringen und 13 Männer nur noch tot bergen.
Weitere sechs Tage versuchen über fünfhundert Retter das Leben der noch vermissten Kumpel zu retten. Als jedoch in dem weit verzweigten Schachtsystem ein weiterer großer Brandherd entdeckt wird, beschließt die Regierung, den Abschnitt zuzumauern und die Suche aufzugeben. 123 Tote sind zu beklagen.
Laut einer alten Urkunde wurde ab 1348 im sächsischen Zwickau Steinkohle abgebaut. Mit Hilfe neuer Maschinen und Arbeitstechniken drangen die Bergmänner seit der Industriellen Revolution in große Tiefen vor. Damit konnte die Ausbeute der Gruben erhöht werden, doch für die Kumpels wurde die Arbeit Untertage immer riskanter.
Denn beim Abbau von Steinkohle tritt Methangas aus. Gefährlich wird es in den Schächten, wenn durch schlechte Bewetterung (Abluftausfuhr und Frischluftzufuhr) das Gas bestimmte Konzentrationen erreicht, die es brennbar und explosiv machen.
Vielleicht war Methangas die Ursache für das schwerste Grubenunglück der DDR-Geschichte: Am 22. Februar 1960 erschüttert um 8.20 Uhr eine Explosion den Karl-Marx-Schacht in Zwickau. 174 Bergmänner werden in 1100 Meter Tiefe verschüttet. Rettungskräfte kämpfen sich in den von Qualm, Feuer und Hitze fast vollständig ausgefüllten Schacht hinunter. Sie können 40 Bergleute lebend nach oben bringen und 13 Männer nur noch tot bergen.
Weitere sechs Tage versuchen über fünfhundert Retter das Leben der noch vermissten Kumpel zu retten. Als jedoch in dem weit verzweigten Schachtsystem ein weiterer großer Brandherd entdeckt wird, beschließt die Regierung, den Abschnitt zuzumauern und die Suche aufzugeben. 123 Tote sind zu beklagen.



