Der Unglücksstein
Menschen waren schon in Antike und Mittelalter von der heilenden Wirkung dieser Steine überzeugt. Unter den Diamanten gibt es jedoch ein Exemplar, dem nichts Gutes nachgesagt wird.Rohdiamant: reiner Kohlenstoff, der unter enormem Druck und Hitze im Erdinnern zu der kristallinen Struktur verdichtet wurde.
Allerlei Legenden
Die Geschichte des Hope beginnt im fernen Indien. Schon hier ranken sich Legenden in allerlei Varianten um die Herkunft des Juwels: Einer Statue der Hindu-Göttin Shiva soll er als Auge gedient haben, bis ein Brahmane ihn ihr aus Habsucht entriss. Andere Überlieferungen besagen, der Diamant sei einst Hauptzier am Standbild des Gottes Vishnu gewesen. Von dort habe ihn der Juwelier Jean Baptiste Tavernier im siebzehnten Jahrhundert entfernt und nach Frankreich gebracht.
Verfluchtes Räubergut
Welche Geschichte denn nun der Wahrheit entspricht, ist kaum mehr zu prüfen, doch eines ist gewiss: Habsucht und Gier standen am Beginn. Als Räubergut soll der damals noch 112-karätige Stein mit einem Fluch belegt worden sein. Unglück drohte nun jedem Besitzer: zuerst Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, der ihn zum tropfenförmigen Schmuck umschleifen ließ und zum "Blauen Diamanten der Krone" machte.
Kurzes Vergnügen
Kurz war das Vergnügen, denn getragen hat er ihn nur ein einziges Mal. Aber das genügte: Erst verschied Ludwigs Lieblingsenkel, dann verließ den König das Schlachtenglück und er zog sich die Pocken zu, an denen er schließlich qualvoll zugrunde ging. Auch Ludwig XVI. und Marie Antoinette brachte der Diamant ganz offensichtlich kein Glück. War der Hope gar Schuld, dass die beiden unters Fallbeil der Revolutionäre gerieten?
Serienmäßiges Unheil
Inmitten der Revolutionswirren wurde das Juwel dann gestohlen. Fast vierzig Jahre lang blieb es verschwunden. Daran knüpfen die nächsten Berichte über serienmäßiges Unheil: Angeblich entwendete ein Kadett namens Guillot den Stein, schmuggelte das kostbare Gut nach Amsterdam, wo ihm der Diamantenhändler Vals wiederum eine neue Form gab und es später in London von seinem Sohn verkaufen ließ.
Die Familie Karls IV. malte Francisco Goya 1800: Der Blue Hope ziert vermutlich den Hals von Königin Marie Louise.
Der Fluch des Diamanten schien sich zu bewahrheiten: Der Sohn ertrank, der Vater kam über den Verlust niemals hinweg und Guillot fiel im Kampf. Es wird gemunkelt, zwischenzeitlich sei der Hope im Besitz der spanischen Königsfamilie gewesen. 1808 habe ihn dann der spanische König Karl IV. nach seiner Abdankung in London zu Geld machen müssen.
1830 soll ein gewisser Henry Thomas Hope den jetzt nur noch 44,5-karätigen Stein für neunzigtausend Dollar erworben haben. Nach ihm ist das Juwel noch heute benannt. Wieder sprießen die bösen Gerüchte: Starb Thomas Hopes Sohn an einer Vergiftung? Ist der Enkel im Bankrott zugrunde gegangen? Oder, wie andere zu wissen vorgeben, ist der Namensgeber gar einer der wenigen, die vom Fluch des Steines verschont geblieben sind?
Aus Eifersucht erschossen
Als gesichert gilt, dass der Stein, nachdem er nicht mehr im Besitz der Familie war, weiter Unheil anrichtete. Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts soll ihn ein russischer Fürst einem Pariser Tanzmädchen geschenkt haben, welches er kurze Zeit später - aus Eifersucht - erschoss. Sogar auf der Titanic soll der Hope gesichtet worden sein - wie das ausging, ist bekannt. Auch Abd-ul-Hamid II., letzter Sultan der Türken, entging dem Fluch nicht: Kurz nachdem er den Diamanten seiner Lieblingsfrau verehrt hatte, enthaupteten wilde Putschisten die Hocherfreute. Der Sultan, er war den Stein ja los, konnte fliehen.
Letzte Besitzerin
Letzte private Besitzerin war die reiche Erbin Evalyn McLean, die den Diamanten 1911 für 154.000 Dollar erwarb. Zeit ihres Lebens soll sie sich über den angeblichen Fluch amüsiert haben. Sie hat den Hope bis zu ihrem Lebensende an einer Kette getragen: Ihr Sohn kam bei einem Autounfall ums Leben, ihre Tochter starb an einer Überdosis Schlaftabletten, ihr Mann verlor den Verstand. Als McLean selbst 1947 einsam und verwirrt im Alter von 61 Jahren verschied, kaufte der New Yorker Juwelier Harray Winston den Hope aus dem Nachlass und stellte ihn der Smithsonian Institution in Washington als Dauerleihgabe zur Verfügung.
Habsucht ist das wahre Übel
Seither ist es um den Hope still geworden. Obwohl in öffentlichem Besitz, lässt sich über nachhaltigen Einfluss auf die Regierungspolitik der USA nur spekulieren. So viele Opfer hinterließ der Unglücksbringer auf seiner langen Reise durch die Geschichte: Warum nur hat niemand das böse Juwel in Tausend Stücke zerschlagen, verbrannt, ein für allemal ausgelöscht? Weil Habsucht es verhindert hat, Habsucht, von der wirklich das Unglück stammt, ob mit oder ohne Blue Hope.
Susanne Fetter (08.01.2005)


