Viele Versorger bieten Ökostrom an; bei manchen existiert er jedoch nur auf dem Papier. Labels erleichtern das Erkennen von "echtem" Ökostrom.
Ramona Ballod: Es gibt inzwischen Kennzeichnungen für Anbieter von echtem Ökostrom. Wir von der Verbraucherzentrale befürworten das OK Power Label und das Grüner Strom Label. Bei denen ist unter anderem Bedingung, dass Versorger in neue Anlagen investieren, so dass der Anteil der regenerativen Energien steigt und konventioneller Strom verdrängt wird.
LexiTV: Es gibt seit 2002 ein europäisches Label für erneuerbare Energien, das Renewable Energy Certificate System oder kurz RECS. Was muss man sich darunter vorstellen?
Ramona Ballod: Von RECS-Zertifikaten sollten Verbraucher die Finger lassen! Das ist ein Zertifikat, das wir vollkommen ablehnen. Es funktioniert folgendermaßen: In Norwegen wird Wasserkraft-Strom produziert. Dann wird dieser Wasserkraft-Strom aufgeteilt in die Kilowattstunde Strom und in das Ökozertifikat "Wasser". Der Strom wird ins Ausland weitergeleitet oder wird in Norwegen verbraucht. Aber das Zertifikat, das Papier dazu, das geht zum Beispiel nach Deutschland. Und dann kann ein Versorger hier Teile seines Atom- oder Kohlestroms nehmen, das Papier drauf kleben und sagen: "Wir verkaufen euch Ökostrom." So funktioniert ein RECS-Zertifikat. Und das hat natürlich mit Ökostrom überhaupt nichts zu tun.
LexiTV: Die Angelegenheit klingt auch ein bisschen undurchsichtig.
Ramona Ballod: Das ist in der Tat undurchsichtig und eigentlich auch eine ziemlich verlogene Sache. Es gab zum Beispiel Verdachtsfälle, dass konventioneller Strom mit RECS-Zertifikaten umetikettiert wurde und der eigentliche Wasserstrom in Frankreich und Norwegen nochmal als Ökostrom verkauft wurde. Also wurde das Papier zweimal zu Geld gemacht. Bei Zertifikaten sollte man also immer ganz genau hinsehen und nachhaken.
LexiTV: Ist denn jeder, der echten Ökostrom bezieht, gleich ein Umweltschützer?
Ramona Ballod: Nicht unbedingt. Die wirklichen Öko-Aktivisten sind die Verbraucher, die ihren Stromverbrauch senken. Wer Ökostrom bezieht, aber zwei Waschmaschinen und fünf Fernseher betreibt, der setzt sich nur eine rosarote Brille auf. Der bezahlt zwar viel, erhält aber seinen Konsum aufrecht.
LexiTV: Viele Verbraucher sind der Meinung, sie tun schon ihr Möglichstes, um Strom zu sparen...
Ramona Ballod: Bei uns in der Energieberatung können sich Verbraucher von Ingenieuren erklären lassen, was noch herauszuholen ist. Wir leihen auch kostenlos Messgeräte aus. Die können Stromsparwillige mit nach Hause nehmen und so den Verbrauch ihrer Geräte feststellen. Ich sage immer: Schließt eure Computeranlage an ein Messgerät an. Rechner und Peripheriegeräte sind heruntergefahren, angeblich aus, und ziehen dennoch Strom im zweistelligen Watt-Bereich, Nacht für Nacht.
LexiTV: Schauen wir zum Schluss noch in die Zukunft: Was glauben Sie, wie hoch der Strompreis in zehn Jahren sein wird?
Ramona Ballod: In zehn Jahren? Dreißig, fünfunddreißig Cent, denke ich. Eher fünfunddreißig.
LexiTV: Da lohnt sich das Stromsparen dann richtig!
Ramona Ballod: Es lohnt sich auf jeden Fall, das sind nicht nur Peanuts. Die Leute vermuten, es bringt umso eher etwas, umso höher die Energiepreise sind. Es hat sich aber auch vorher schon gelohnt. Stromsparen ist immer rentabel; ich kann es wirklich jedem ans Herz legen.
LexiTV: Frau Ballod, vielen Dank für das Gespräch!
(Das Interview führte Urte Paul, 22.01.2010)
Teil 1: Mit welchen Begründungen Energieversorger die Preise erhöhen
Teil 2: Warum Atomenergie nicht so billig ist wie behauptet
Teil 3: Welcher "Ökostrom" gar nicht öko ist - und was der Umwelt wirklich hilft
Teil 2: Warum Atomenergie nicht so billig ist wie behauptet
Teil 3: Welcher "Ökostrom" gar nicht öko ist - und was der Umwelt wirklich hilft
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Nichts wie weg
Wer seine Stromrechnung trotz Sparbemühungen zu hoch findet, dem rät Ramona Ballod, einen kritischen Blick auf den Stromvertrag zu werfen und sich über Konkurrenzangebote zu informieren. "Es gibt fast immer einen günstigeren Anbieter", sagt die Energieexpertin. "Sogar Ökostrom kann man oft billiger haben als Strom vom konventionellen Anbieter." Nur bei ganz billigen Angeboten rät Ballod zur Vorsicht. Vorkasse-Produkte etwa lehnt die Verbraucherzentrale prinzipiell ab. "Viele Leute, die zu uns in die Beratung kommen, haben damit schlechte Erfahrungen gemacht", begründet die Expertin.
Bei den meisten Stromversorgern können Neukunden über das Internet Unterlagen anfordern oder sich online anmelden. "Man muss natürlich schauen, wie die Laufzeit des eigenen Vertrags ist", erläutert Ramona Ballod. "Kunden im Grundversorgungstarif können meist mit Monatsfrist aus ihrem Vertrag raus." Ist man beim neuen Anbieter angemeldet, übernimmt der auch die Kündigung des alten Vertrags. In der Regel dauert es sechs bis acht Wochen, bis der Wechsel vonstatten geht. Kompliziert ist der Anbieterwechsel laut Ramona Ballod nicht: "Ich bin mittlerweile schon dreimal gewechselt und hatte nie Probleme."
Wer seine Stromrechnung trotz Sparbemühungen zu hoch findet, dem rät Ramona Ballod, einen kritischen Blick auf den Stromvertrag zu werfen und sich über Konkurrenzangebote zu informieren. "Es gibt fast immer einen günstigeren Anbieter", sagt die Energieexpertin. "Sogar Ökostrom kann man oft billiger haben als Strom vom konventionellen Anbieter." Nur bei ganz billigen Angeboten rät Ballod zur Vorsicht. Vorkasse-Produkte etwa lehnt die Verbraucherzentrale prinzipiell ab. "Viele Leute, die zu uns in die Beratung kommen, haben damit schlechte Erfahrungen gemacht", begründet die Expertin.
Bei den meisten Stromversorgern können Neukunden über das Internet Unterlagen anfordern oder sich online anmelden. "Man muss natürlich schauen, wie die Laufzeit des eigenen Vertrags ist", erläutert Ramona Ballod. "Kunden im Grundversorgungstarif können meist mit Monatsfrist aus ihrem Vertrag raus." Ist man beim neuen Anbieter angemeldet, übernimmt der auch die Kündigung des alten Vertrags. In der Regel dauert es sechs bis acht Wochen, bis der Wechsel vonstatten geht. Kompliziert ist der Anbieterwechsel laut Ramona Ballod nicht: "Ich bin mittlerweile schon dreimal gewechselt und hatte nie Probleme."



