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Erdöl

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Was ist Erdöl?
Erdöl heißt ein Stoffgemisch aus Kohlenwasserstoffen, das in der Erdkruste vorkommt. Dort entstand es über Jahrmillionen aus abgestorbenen Kleinstlebewesen und Algen: Druck und Hitze wandelten die in Sedimentschichten eingeschlossen Überreste zunächst in Faulschlamm, schließlich in Erdöl um.

Den größten Anteil am Stoffgemisch, mehr als achtzig Prozent, macht Kohlenstoff aus; hinzu kommen zehn bis fünfzehn Prozent Wasserstoff. Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel sowie diverse Metalle sind ebenfalls enthalten. Je nach geographischer Herkunft variiert die Konsistenz von Erdöl von dünnflüssig und fast transparent bis zu schwarz und zähflüssig.

Unter günstigen Bedingungen kommt Erdöl von allein an die Erdoberfläche - daher nutzte es der Mensch schon vor tausenden Jahren. Die Babylonier beleuchteten vermutlich ihre Häuser mit dem Rohstoff und stellten Asphalt her. Mehrere Kapitel im Gesetzbuch des Königs Hammurapi (1810 bis 1750 v. Chr.) befassen sich mit dem Stoff - ein früher Fall von staatlicher Regulierung. Mehr als tausend Jahre alte Zeugnisse von Ölverwendung gibt es auch aus Japan, China, dem Römischen Reich und Rumänien.

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Hunger nach Öl
Wenn große, leicht auszubeutende Ölreserven zur Neige gehen und der Ölpreis steigt, steigen auch die Anreize zum Ausbeuten von schwer zugänglichen Lagerstätten - zum Beispiel unter dem Meer. Schon heute wird Erdöl aus solchen Lagerstätten gepumpt. Immer weiter draußen auf See wird man in Zukunft bohren, um an den begehrten Rohstoff zu gelangen.

Dass Tiefseebohrungen nicht ohne Risiko sind, machte 2010 eine Ölkatastrophe im Golf von Mexiko deutlich. Nach der Explosion der Ölförderplattform Deepwater Horizon am 20. April strömte aus einem Leck in 1.500 Meter Tiefe mehrere Monate lang Öl. Bis zu eine Million Tonnen des Rohstoffs sollen insgesamt geflossen sein - mit verheerenden Folgen für Ökosysteme im Meer und in betroffenen Küstengebieten.

Auf Kritik von Umweltschützern stoßen auch Pläne, in abgelegenen Regionen nach Erdöl zu suchen und zu bohren. Sibirien und der Nordpol locken, ebenso die bereits bekannten Ölfelder in der Wildnis Alaskas. Gerichte, Regierung und Ölfirmen fechten derzeit noch aus, ob in den unter Naturschutz stehenden Gebieten Nordwestamerikas gebohrt werden darf oder nicht.

In Kanada gewinnt man Öl derweil aus Ölsanden: In riesigen Tagebauen werden Teerklumpen abgebaut, die unter großem Wasser- und Energieaufwand gereinigt und zu Rohöl weiterverarbeitet werden. Wo einst Wälder, Moore und Flüsse das Bild bestimmten, bleiben mit Giften getränkte Mondlandschaften zurück.