Wie lange noch?
Dass Erdöl eine endliche Ressource ist, darüber gibt es keine Zweifel. Wann es versiegt, das ist die wirklich interessante Frage. Seit rund hundert Jahren beschäftigen sich Geologen und Ölförderer mit dem Problem.Wo das Öl nicht von allein sprudelt, wird es von Pferdekopfpumpen, wie hier in Niedersachsen, aus der Tiefe geholt.
Konstantes Erdöl?
Wissenschaftler warnen seit fast hundert Jahren vor dem Ende des Öls. Bereits 1919 ließ das US Geological Survey Insitute verlauten, die Ölvorräte der USA würden nur noch neun Jahre reichen. Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden Ölreserven immer wieder unterschätzt: In einer Lagerstätte in Kalifornien vermutete man 1942 noch 54 Millionen Fass Öl - die Ausbeute während der folgenden 44 Jahren betrug 736 Millionen Fass.
In den 1970er Jahren sahen Experten das Ende des weltweiten Erdöls nur 35 Jahre entfernt. Heute, mehr als dreißig Jahre später, sagen manche Wissenschaftler dasselbe: Beim derzeitigen weltweiten Verbrauch von 87 Millionen Fass pro Tag seien die Reserven in etwa 38 Jahren alle. Erdölkonstante heißt das Phänomen der gleich bleibenden Reichweite humoristisch.
Noch steigt die Kurve - nach Ansicht von Experten wird die globale Ölförderung jedoch schon bald ihr Maximum erreichen. (Datenquelle: BP)
Viele Experten, sowohl aus der Branche als auch aus der Wissenschaft, teilen die beruhigende Einschätzung, dass das Öl noch eine Weile vorhält. Aber - jetzt kommt die schlechte Nachricht - die Zeiten des billigen Öls könnten bald zu Ende gehen. Hintergrund dieser Annahme ist die Theorie vom globalen Ölfördermaximum (englisch: Peak Oil).
Unaufhaltsames Sinken
Die Kurzfassung lautet ungefähr so: Um die steigende Nachfrage nach Öl zu bedienen, haben die Ölförderländer bisher stetig ihre Fördermengen erhöht. Es gibt aber einen Punkt, an dem eine weitere Steigerung des Fördervolumens nicht mehr möglich ist - weil der Ertrag aus großen Ölfeldern stagniert oder fällt, weil nicht genügend neue Felder gefunden und erschlossen werden, weil Reserven nur mit höherem technischen Aufwand und daher langsamer anzuzapfen sind. Ab diesem Punkt, dem Ölfördermaximum, sinkt die Förderquote kontinuierlich und unaufhaltsam.
Eine Frage des Preises
Was dann folgt, ist so simpel wie logisch: "In dem Moment, wo mehr Öl nachgefragt wird, als lieferbar ist", so Thomas Seltmann vom internationalen Wissenschaftlernetzwerk Energy Watch Group, "wird derjenige dieses Öl bekommen, der den höchsten Preis dafür bezahlt." Also steigen die Preise für Energie aus Öl (man denke an die Ölheizung) und für allerlei Produkte des Alltagslebens, die aus Rohöl hergestellt werden: Verpackungen, Kunststoffe, Cremes und Seifen, Waschmittel, Arzneimittel.
Am härtesten trifft es wahrscheinlich den Transport, denn der hängt zu 95 Prozent vom Erdöl ab. Lange Schlangen vor den Tankstellen wären noch das kleinste Übel. Schwerer wiegt da schon, dass Lebensmittel knapp und teuer würden: Vom Bauern, der mit dem Traktor das Feld pflügt, über die Kühlung bis zur Verpackung und Lieferung benötigen Nahrungsmittel Erdöl...
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Infobox
Was ist Erdöl?
Erdöl heißt ein Stoffgemisch aus Kohlenwasserstoffen, das in der Erdkruste vorkommt. Dort entstand es über Jahrmillionen aus abgestorbenen Kleinstlebewesen und Algen: Druck und Hitze wandelten die in Sedimentschichten eingeschlossen Überreste zunächst in Faulschlamm, schließlich in Erdöl um.
Den größten Anteil am Stoffgemisch, mehr als achtzig Prozent, macht Kohlenstoff aus; hinzu kommen zehn bis fünfzehn Prozent Wasserstoff. Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel sowie diverse Metalle sind ebenfalls enthalten. Je nach geographischer Herkunft variiert die Konsistenz von Erdöl von dünnflüssig und fast transparent bis zu schwarz und zähflüssig.
Unter günstigen Bedingungen kommt Erdöl von allein an die Erdoberfläche - daher nutzte es der Mensch schon vor tausenden Jahren. Die Babylonier beleuchteten vermutlich ihre Häuser mit dem Rohstoff und stellten Asphalt her. Mehrere Kapitel im Gesetzbuch des Königs Hammurapi (1810 bis 1750 v. Chr.) befassen sich mit dem Stoff - ein früher Fall von staatlicher Regulierung. Mehr als tausend Jahre alte Zeugnisse von Ölverwendung gibt es auch aus Japan, China, dem Römischen Reich und Rumänien.
Erdöl heißt ein Stoffgemisch aus Kohlenwasserstoffen, das in der Erdkruste vorkommt. Dort entstand es über Jahrmillionen aus abgestorbenen Kleinstlebewesen und Algen: Druck und Hitze wandelten die in Sedimentschichten eingeschlossen Überreste zunächst in Faulschlamm, schließlich in Erdöl um.
Den größten Anteil am Stoffgemisch, mehr als achtzig Prozent, macht Kohlenstoff aus; hinzu kommen zehn bis fünfzehn Prozent Wasserstoff. Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel sowie diverse Metalle sind ebenfalls enthalten. Je nach geographischer Herkunft variiert die Konsistenz von Erdöl von dünnflüssig und fast transparent bis zu schwarz und zähflüssig.
Unter günstigen Bedingungen kommt Erdöl von allein an die Erdoberfläche - daher nutzte es der Mensch schon vor tausenden Jahren. Die Babylonier beleuchteten vermutlich ihre Häuser mit dem Rohstoff und stellten Asphalt her. Mehrere Kapitel im Gesetzbuch des Königs Hammurapi (1810 bis 1750 v. Chr.) befassen sich mit dem Stoff - ein früher Fall von staatlicher Regulierung. Mehr als tausend Jahre alte Zeugnisse von Ölverwendung gibt es auch aus Japan, China, dem Römischen Reich und Rumänien.
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Hunger nach Öl
Wenn große, leicht auszubeutende Ölreserven zur Neige gehen und der Ölpreis steigt, steigen auch die Anreize zum Ausbeuten von schwer zugänglichen Lagerstätten - zum Beispiel unter dem Meer. Schon heute wird Erdöl aus solchen Lagerstätten gepumpt. Immer weiter draußen auf See wird man in Zukunft bohren, um an den begehrten Rohstoff zu gelangen.
Dass Tiefseebohrungen nicht ohne Risiko sind, machte 2010 eine Ölkatastrophe im Golf von Mexiko deutlich. Nach der Explosion der Ölförderplattform Deepwater Horizon am 20. April strömte aus einem Leck in 1.500 Meter Tiefe mehrere Monate lang Öl. Bis zu eine Million Tonnen des Rohstoffs sollen insgesamt geflossen sein - mit verheerenden Folgen für Ökosysteme im Meer und in betroffenen Küstengebieten.
Auf Kritik von Umweltschützern stoßen auch Pläne, in abgelegenen Regionen nach Erdöl zu suchen und zu bohren. Sibirien und der Nordpol locken, ebenso die bereits bekannten Ölfelder in der Wildnis Alaskas. Gerichte, Regierung und Ölfirmen fechten derzeit noch aus, ob in den unter Naturschutz stehenden Gebieten Nordwestamerikas gebohrt werden darf oder nicht.
In Kanada gewinnt man Öl derweil aus Ölsanden: In riesigen Tagebauen werden Teerklumpen abgebaut, die unter großem Wasser- und Energieaufwand gereinigt und zu Rohöl weiterverarbeitet werden. Wo einst Wälder, Moore und Flüsse das Bild bestimmten, bleiben mit Giften getränkte Mondlandschaften zurück.
Wenn große, leicht auszubeutende Ölreserven zur Neige gehen und der Ölpreis steigt, steigen auch die Anreize zum Ausbeuten von schwer zugänglichen Lagerstätten - zum Beispiel unter dem Meer. Schon heute wird Erdöl aus solchen Lagerstätten gepumpt. Immer weiter draußen auf See wird man in Zukunft bohren, um an den begehrten Rohstoff zu gelangen.
Dass Tiefseebohrungen nicht ohne Risiko sind, machte 2010 eine Ölkatastrophe im Golf von Mexiko deutlich. Nach der Explosion der Ölförderplattform Deepwater Horizon am 20. April strömte aus einem Leck in 1.500 Meter Tiefe mehrere Monate lang Öl. Bis zu eine Million Tonnen des Rohstoffs sollen insgesamt geflossen sein - mit verheerenden Folgen für Ökosysteme im Meer und in betroffenen Küstengebieten.
Auf Kritik von Umweltschützern stoßen auch Pläne, in abgelegenen Regionen nach Erdöl zu suchen und zu bohren. Sibirien und der Nordpol locken, ebenso die bereits bekannten Ölfelder in der Wildnis Alaskas. Gerichte, Regierung und Ölfirmen fechten derzeit noch aus, ob in den unter Naturschutz stehenden Gebieten Nordwestamerikas gebohrt werden darf oder nicht.
In Kanada gewinnt man Öl derweil aus Ölsanden: In riesigen Tagebauen werden Teerklumpen abgebaut, die unter großem Wasser- und Energieaufwand gereinigt und zu Rohöl weiterverarbeitet werden. Wo einst Wälder, Moore und Flüsse das Bild bestimmten, bleiben mit Giften getränkte Mondlandschaften zurück.



