Amazoniens Wunderstoff
Ausgangsstoff für Gummi ist Kautschuk. Der wird aus der Milch von Tropenpflanzen gewonnen. Die Indios Mittel- und Südamerikas schätzten und nutzten das Naturprodukt bereits vor Jahrtausenden.Als "weinenden Baum" bezeichnen peruanische Indianer den Kautschukbaum: wird seine Rinde angeritzt, fließt - ähnlich dem Harz heimischer Bäume - eine kostbare Milch heraus. Bestandteil dieses Saftes, des so genannten Latex, ist Kautschuk, Ausgangsmaterial für einen der vielseitigsten Werkstoffe unserer Zeit: Gummi.
Rituelle Spiele
Den Ureinwohnern Mittel- und Südamerikas waren die Besonderheiten der Milch schon früh bekannt. So gehen die bisher ältesten Gegenstände aus Kautschuk auf das 16. Jahrhundert v. Chr. zurück. Olmeken, Maya und Azteken verwendeten einst Kautschukbälle für ihre wahrscheinlich rituellen Spiele. Und das zu einer Zeit, als Mitteleuropa noch fest in keltischer Hand lag. Etwa anderthalbtausend Ballspielplätze mit einem charakteristischen Ring, durch den der Ball befördert werden musste, entdeckten Archäologen bis heute.
Indianisches Know-how
Auch die wasserabweisende Eigenschaft des Kautschuks nutzten die Indios bereits. Die Maya beispielsweise sollen Stoffe und Gefäße mit Latex beschichtet haben. Grabfunde in Guatemala lassen vermuten, dass Kautschuk auch zur Mumifizierung benutzt wurde. Indigene Völker hatten somit ein enormes Wissen über Kautschuk gesammelt - das Naturprodukt gehörte zum Alltag der Eingeborenen. Doch wie gelangte das Wissen der Indianervölker nach Europa?
Basketball auf indianisch: durch solche Ringe musste der Kautschukball passen.
Die "Entdeckung" Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 weckte das Interesse an dem Wunderstoff jedenfalls nicht. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts beobachteten zwei französische Naturwissenschaftler, wie Indianer Kautschuk herstellten und verwendeten, und machten europäische Unternehmer mit ihren Expeditionsberichten neugierig. Bald darauf unternahmen findige Pioniere Versuche mit der "neuen" Substanz. Zu den ersten Kautschukerzeugnissen gehörten dann Radiergummi, Gummistiefel und Regenmantel.
Goodyears Lösung
Die Erfindungen litten jedoch noch an erheblichen Mängeln. Das Material war nur bedingt verwendbar, denn bei Kälte wurde es spröde und große Hitze machte es klebrig und weich. 1839 fand der US-Amerikaner Charles Goodyear die Lösung (siehe Kasten). Durch sein Vulkanisationsverfahren blieb der Kautschuk bei allen Temperaturen elastisch - der Werkstoff Gummi war erfunden. Plötzlich eröffneten sich zahllose neue Anwendungsgebiete und in der Folge stieg die Nachfrage nach Kautschuk gewaltig. Die Amazonasregion, die Heimat des Kautschukbaums, erlebte in den folgenden Jahren einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Gummi | ![]() |
Infobox
Charles Goodyear...
wurde im Dezember 1800 in New Haven (USA) geboren. Der Sohn eines Landmaschinenfabrikanten stieg 1821 ins Unternehmen des Vaters ein. Ganz nebenbei experimentierte der Chemiker mit Kautschuk, um das Material unempfindlicher gegen Hitze und Kälte zu machen.
Zahlreiche Substanzen fügte Goodyear dem Kautschuk hinzu, bevor er 1839 zufällig die Lösung fand: Ein auf einer heißen Kochplatte vergessenes Schwefel-Kautschuk-Gemisch wies den Weg. Die Zugabe von Schwefel unter Hitze machte aus Kautschuk dauerhaft elastisches Gummi.
1844 erhielt Goodyear das Patent auf das Verfahren, die Vulkanisation. Kurz darauf gründete er eine Firma und vertrieb verschiedene Gummiprodukte. 1860 starb Goodyear in New York. Fast vier Jahrzehnte später gründeten zwei deutsche Siedler die Reifenfirma, die bis heute seinen Namen trägt.
wurde im Dezember 1800 in New Haven (USA) geboren. Der Sohn eines Landmaschinenfabrikanten stieg 1821 ins Unternehmen des Vaters ein. Ganz nebenbei experimentierte der Chemiker mit Kautschuk, um das Material unempfindlicher gegen Hitze und Kälte zu machen.
Zahlreiche Substanzen fügte Goodyear dem Kautschuk hinzu, bevor er 1839 zufällig die Lösung fand: Ein auf einer heißen Kochplatte vergessenes Schwefel-Kautschuk-Gemisch wies den Weg. Die Zugabe von Schwefel unter Hitze machte aus Kautschuk dauerhaft elastisches Gummi.
1844 erhielt Goodyear das Patent auf das Verfahren, die Vulkanisation. Kurz darauf gründete er eine Firma und vertrieb verschiedene Gummiprodukte. 1860 starb Goodyear in New York. Fast vier Jahrzehnte später gründeten zwei deutsche Siedler die Reifenfirma, die bis heute seinen Namen trägt.



