Rohstoff Hanf
Unsere Autos könnten mit Hanf-Öl fahren, unser Haus könnte aus Hanf gebaut sein, unsere Tageszeitung und die Kleidung könnten ebenfalls aus Hanf bestehen - in "Good Old Germany" angebaut und fast umsonst.Agenda 21 heißt das Programm für nachhaltige Entwicklung, das die Teilnehmer der Umweltkonferenz von Rio 1992 beschlossen. Es beinhaltet unter anderem die Förderung von "Nachwachsenden Rohstoffen", über die der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Gerald Thalheim, sagt: "Es lohnt sich, in diesem innovativen und dynamischen Bereich zu investieren."
Vielseitig und unkompliziert
Ein nachwachsender Rohstoff, auf den viele Forscher und Ökonomen besonders setzen, ist Hanf - eine der ältesten und vielseitigsten Nutzpflanzen der Menschheit. Die Liste seiner Einsatzmöglichkeiten ist lang: Lebensmittel, Öle, Bekleidung und andere Textilien, Papier, Baumaterial und Medizin. Neben diesen Vorzügen ist auch sein Anbau überraschend unkompliziert. Hanf ist sehr anspruchslos, was Bodenverhältnisse und Witterungsbedingungen angeht, und dadurch fast überall anbaubar. In nur hundert Tagen wächst er auf eine Höhe von bis zu vier Metern. Wegen seines dichten Wuchses gibt es auf den Feldern kaum Unkraut.
Für Kleider und Papier
Aus den Fasern des Hanfs können Textilien hergestellt werden, die im Unterschied zu Baumwolle nur wenig chemische Behandlung benötigen. Nach dem Tragen kann die Kleidung einfach kompostiert werden. Bei der Fasergewinnung entsteht das so genannte Hanfwerk als Nebenprodukt. Es enthält zu achtzig Prozent Zellulose, den Stoff, der zur Papierherstellung verwendet wird. Sein Vorzug: Hanfpapier ist reißfester, elastischer und länger haltbar als Papier aus Holzzellstoff. Und: Für seine Herstellung müssen keine wertvollen Natur- und Urwälder abgeholzt werden.
Hanf, lateinisch Cannabis sativa, ist ein Ausgangsstoff für viele gesunde und vollwertige Nahrungsmittel wie Brot, Müsli, Speiseöl, Getränke, Schokolade und Nudeln. Denn er enthält alle essenziellen Fettsäuren und Aminosäuren, die für unseren Organismus notwendig sind.
Bei den Kunden von Ökoläden erfreuen sich Lebensmittel aus Hanf - etwa Müsli oder Nudeln - größter Beliebtheit.
Apropos Öl: In einer Zeit als chemische Produkte noch nahezu unbekannt waren, wurden zum Beispiel Farben und Lacke nur aus Hanföl hergestellt. Mit dem Boom der Automobilindustrie gesellte sich schließlich noch ein weiterer Verwendungszweck hinzu, der als Antriebsstoff. Der Automobilfabrikant Henry Ford entwickelte bereits 1930 - in weiser Voraussicht - ein Auto, das mit Hanföl angetrieben wurde. Hanf kann außerdem als Energieträger eingesetzt werden. Durch thermische Zersetzung wird Holzkohle gewonnen. Diese lässt sich sauberer verbrennen als Braun- und Steinkohle.
...oder beim Bau und in der Medizin
Hartfaserplatten, Pressspanplatten oder Schalbretter aus Hanfzellulose bilden ein sehr kostengünstiges und feuerfestes Baumaterial, welches sich zusätzlich durch hervorragende thermische und akustische Dämmeigenschaften auszeichnet. Und schon seit Jahrtausenden wird Hanf in der Medizin verwendet. Die Assyrer empfahlen ihn zum Beispiel gegen Zahnschmerzen, Migräne und Rheuma. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gehörte er zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln. Heute ist die Verwendung als Medizin wegen des THC-Inhaltsstoffes verboten.
Beruhigend und schmerzlindernd
Tatsächlich aber haben Studien längst die beruhigende, schmerzlindernde und außerdem entzündungshemmende Wirkung der Pflanze nachgewiesen. So könnte Cannabis als Heilmittel bei den unterschiedlichsten Krankheiten eingesetzt werden, wie etwa Migräne, Neurodermitis, Juckreiz, Krebs, Grüner Star, Wehenschmerzen oder Depressionen. Auch Epilepsie, Multiple Sklerose, Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Arthritis, Herpes, Rheumatismus, Lungenemphyseme und vieles mehr könnten mit Hanf kuriert werden. Als Medizin wird er heute nur Aids-Kranken verabreicht - und dient als Appetitanreger während der Behandlung.
Janine Mann (11.11.2003)


