Von China nach Europa
Das heutige Papier beruht auf einer Herstellungstechnik, die vor mehr als zweitausend Jahren in China entstand. Im Grunde ist das Prinzip bis heute gleich geblieben, die Methoden jedoch haben sich stark geändert.Zehn Meter breit und hundert Kilometer pro Stunde schnell: moderne Maschinen in der Papierherstellung.
Patent für die Papiermaschine
Louis-Nicolas Robert, so sein Name, macht sich voll Eifer an die Arbeit. Er konstruiert eine Maschine, welche das Schöpfen einzelner Blätter ersetzt und die Fertigung zusammenhängender Papierbahnen ermöglicht. Am 18. Januar 1799 erhält er das Patent für seine Langsieb-Papiermaschine - dieses Datum gilt als Beginn der industriellen Papierherstellung. Davor war Papier weitgehend ein exklusives Luxusprodukt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde es ausschließlich von Hand Blatt für Blatt hergestellt - so wie es schon die Chinesen vor über zweitausend Jahren taten. Doch wie kam das Papier nach Europa?
Importschlager Papier
Chinesische Kaufleute brachten es - sowie das Wissen um seine Herstellung - nach Zentralasien, von wo sich die Technik in der arabischen Welt verbreitete. Im islamischen Reich ließ der Besitz des Papiers das Schreib- und Buchwesen aufblühen, umfangreiche Bibliotheken entstanden. Die Kultur des Wissens erlebte eine bislang ungeahnte Blüte. Mit den Arabern kam das Papier dann im 12. Jahrhundert nach Spanien. Bis zur Entstehung eigener Papiermühlen avancierte es in Mitteleuropa zum Importschlager.
Aufwändige Herstellung
Diente bis dahin im christlichen Abendland Pergament als Beschreibstoff, ersetzte das Papier sehr bald das teure und in der Herstellung aufwändige Material. Mit der Entstehung von Papiermühlen - um 1390 errichtete der Kaufmann Ulman Stromer in Nürnberg die allererste in Deutschland nachweisliche Mühle - wurde Papier zum heimischen Erzeugnis. Schnell fand es Eingang in Schreibstuben und Kanzleien der Klöster und Städte.
Totenbuch der Neschons: Auch die alten Ägypter stellten Papier her.
Durch neue Druckverfahren, speziell Johann Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450, gewann Papier an Bedeutung: Bücher und Zeitschriften konnten nun in hohen Auflagen hergestellt werden, die Nachfrage nach Papier für Urkunden, Verträge oder Geld stieg stetig. Jedoch erst dank Roberts Papiermaschine, die eine kostengünstige Herstellung von Papier in großen Mengen ermöglichte, hielt das ehemalige Luxusprodukt massiv Einzug ins Alltagsleben. Diese Maschine markierte endgültig den Übergang vom Handwerk zur Industrie. Auch heute noch ist Papier ein unentbehrliches Material, Werkzeug des Wissens und der Kommunikation. Die faszinierende Geschichte des Papiers ist - trotz moderner Datenträger - noch nicht zu Ende.
Sinnloseste Funktion: Müll
Papier ist überall: Zeitungen, Plakate, Bücher, Prospekte, Fotos oder Taschentücher - wie selbstverständlich begleiten sie unseren Alltag. Das Material "Papier" nehmen wir dabei allerdings kaum wahr, es verschwindet hinter dem Text, dessen Träger es ist. Erst in seiner sinnlosesten Funktion wird es wieder sichtbar - als Müll. Doch eine Welt ganz ohne Papier wäre auch eine Welt ohne Identitäten, Erinnerungen, Beweise. Papier ist Kultur und macht das Leben des Menschen aus.
Ulrike Wolf (04.03.2004)
Infobox
Aus lauter winzigen Fasern...
besteht ein Blatt Papier. Die sind nicht länger als ein bis vier Millimeter und zwei bis vier hundertstel Millimeter dünn. Wie kommt es, dass Papier nicht einfach in seine vielen Fasern zerfällt, gibt es zwischen denen doch weder Klebstoff noch sonst irgendwelche Chemikalien?
Die Antwort: Den Zusammenhalt bewirken ohne Ausnahme die elektrostatischen Anziehungskräfte richtig platzierter Wassermoleküle. Papier ist ohne Wasser undenkbar, und genau daher entstanden Papiermühlen auch immer an größeren Gewässern, meist Flüssen. Wer an den "Klebstoff" Wasser nicht glaubt, der sollte einfach mal ein Blatt Papier ins Wasser werfen: Bald löst es sich in seine Fasern auf.
besteht ein Blatt Papier. Die sind nicht länger als ein bis vier Millimeter und zwei bis vier hundertstel Millimeter dünn. Wie kommt es, dass Papier nicht einfach in seine vielen Fasern zerfällt, gibt es zwischen denen doch weder Klebstoff noch sonst irgendwelche Chemikalien?
Die Antwort: Den Zusammenhalt bewirken ohne Ausnahme die elektrostatischen Anziehungskräfte richtig platzierter Wassermoleküle. Papier ist ohne Wasser undenkbar, und genau daher entstanden Papiermühlen auch immer an größeren Gewässern, meist Flüssen. Wer an den "Klebstoff" Wasser nicht glaubt, der sollte einfach mal ein Blatt Papier ins Wasser werfen: Bald löst es sich in seine Fasern auf.
Infobox
Hergestellt wird Papier...
aus Zellstoff, Holz und/oder Altpapier. Das Holz, also die pflanzlichen Fasern, gibt dem Produkt seine Festigkeit. Hinzu kommen, je nach Papierart, noch ein paar Hilfs- und Füllstoffe. Doch die wichtigste Rolle spielt das Wasser: Es hält das Ganze zusammen und garantiert, dass die einzelnen festen Substanzen gut vermischt vorliegen.
Zu diesem Zweck gelangen die Fasern zunächst in einen großen Behälter mit Rührwerk und werden im Verhältnis 1 zu 99 verdünnt. Auf einem schnell laufenden Sieb verteilt sich dann alles schön gleichmäßig. Hier beginnt auch bereits die Entwässerung. Noch mehr Wasser entziehen kurz darauf auf die Papierbahn gedrückte Filze und Walzen.
Dampfbeheizte Zylinder in der so genannten "Trockenpartie" reduzieren die Feuchtigkeit schließlich entscheidend. Acht Prozent Wasser aber müssen übrig bleiben! Weniger würde das Papier spröde machen und zum Zerfallen bringen.
Papiermaschinen sind übrigens Einzelanfertigungen und nicht "von der Stange" zu haben. Mit oft weit über 100 Kilometern pro Stunde rast auf ihnen das Papier durch alle Fertigungsstufen. Täglich tausend Tonnen Druckpapier schafft zum Beispiel eine Maschine von rund zehn Metern Arbeitsbreite.
aus Zellstoff, Holz und/oder Altpapier. Das Holz, also die pflanzlichen Fasern, gibt dem Produkt seine Festigkeit. Hinzu kommen, je nach Papierart, noch ein paar Hilfs- und Füllstoffe. Doch die wichtigste Rolle spielt das Wasser: Es hält das Ganze zusammen und garantiert, dass die einzelnen festen Substanzen gut vermischt vorliegen.
Zu diesem Zweck gelangen die Fasern zunächst in einen großen Behälter mit Rührwerk und werden im Verhältnis 1 zu 99 verdünnt. Auf einem schnell laufenden Sieb verteilt sich dann alles schön gleichmäßig. Hier beginnt auch bereits die Entwässerung. Noch mehr Wasser entziehen kurz darauf auf die Papierbahn gedrückte Filze und Walzen.
Dampfbeheizte Zylinder in der so genannten "Trockenpartie" reduzieren die Feuchtigkeit schließlich entscheidend. Acht Prozent Wasser aber müssen übrig bleiben! Weniger würde das Papier spröde machen und zum Zerfallen bringen.
Papiermaschinen sind übrigens Einzelanfertigungen und nicht "von der Stange" zu haben. Mit oft weit über 100 Kilometern pro Stunde rast auf ihnen das Papier durch alle Fertigungsstufen. Täglich tausend Tonnen Druckpapier schafft zum Beispiel eine Maschine von rund zehn Metern Arbeitsbreite.


