Legende und Wahrheit
Ein sächsischer Gelehrter kam dem Geheimnis der Porzellanherstellung auf die Spur. Dass es sich hier aber nicht um einen Abenteurer namens Böttger handelt, wissen heute oft nur Eingeweihte.Lange verkannt: Es gilt heute als sicher, dass Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651 bis 1708) das Porzellan erfand.
Der "Goldmacher"
Der 1682 geborene Böttger begann schon mit vierzehn Jahren in Berlin eine Lehre bei dem renommierten Apotheker Friedrich Zorn. Sein Interesse verlagerte sich schnell weg von der Pharmazie hin zur Alchemie, zur Suche nach dem Stein der Weisen. Der sollte seinem Besitzer die ewige Jugend schenken - vor allem aber unedle Metalle in Gold verwandeln. Nach ersten Experimenten und einem trickreichen öffentlichen Auftritt, verbreitete sich rasch die Nachricht, dass Böttger die Goldsynthese beherrsche.
Experimente in Gefangenschaft
Die Kunde hört auch der sächsische Kurfürst Friedrich August I., genannt August der Starke. Wegen finanzieller Sorgen kommt ihm ein "Goldmacher" gerade recht. In dem Wissen, Gold doch nicht herstellen zu können, flieht Böttger nach Wittenberg, wird jedoch 1702 dort aufgespürt. Unter strengen Sicherheitsmaßnahmen lässt Friedrich August den Alchemisten mittels Kavallerie-Eskorte nach Dresden bringen. Da Trickbetrügern der Galgen droht, verspricht Böttger, sogleich tonnenweise Gold herzustellen - bis dahin soll er in Gefangenschaft bleiben. Ab 1704 betreut ihn der 53-jährige Tschirnhaus.
Kein Zufall
Bis zu diesem Punkt decken sich Erzählung und nachweisbare Fakten. Die Legende sagt allerdings weiter, dass die beiden Forscher bei ihrem Versuch, Gold herzustellen, aus Zufall Porzellan erzeugten - dies ist heute widerlegt. Tatsache ist: Bereits seit dem Jahr 1693 versuchte Tschirnhaus gezielt, weißes Porzellan herzustellen - zu dieser Zeit war Böttger ein zwölfjähriger Schüler.
Aus drei Zutaten besteht die Porzellan-Rohmasse: Kaolin, Quarz und Feldspat.
Ängste und Skrupel
Als man Böttger den erfahrenen Forscher zur Seite stellt, weigert er sich zunächst an den Experimenten teilzunehmen; mit Porzellan hat er nichts im Sinn. Erst die Erkenntnis, dass August der Starke von der Aussicht auf Porzellan begeistert ist, führt zur Teilnahme des von Ängsten und Skrupeln geplagten "Goldmachers" an den Experimenten Tschirnhaus'. Böttger hofft, so dem Galgen zu entgehen. 1708 mischen die beiden etwas Tonerde ohne Eisenanteil (das weiße Kaolin) mit Quarz und Kalk (erst ab 1731 verwendete man statt Kalk Feldspat). Schließlich zermahlen sie die Masse, verdünnen sie mit Wasser, lassen die Mischung trocknen, um sie dann zu brennen - das erste in Europa gefertigte Porzellan ist entstanden!
Böttgers Verdienste
Doch vor Abschluss der Versuche stirbt Tschirnhaus 1708 überraschend, Böttger bringt sie allein zum Ende. Als er 1709 August dem Starken das Verfahren präsentiert, ist der begeistert: Chinas Monopol - endlich gebrochen! Zwar konnte Böttger nie Gold herstellen, eine Goldgrube aber war das Porzellan auch. Böttger wurde Leiter der neu gegründeten Manufaktur in Meißen. Die Entwicklung der industriellen Porzellanfertigung gilt heute als seine wichtigste Leistung. Der Alchemist hatte wenig vom Erfolg: Nachdem er 1714 seine Freiheit erhielt, starb er 1719 nach langer Krankheit, hervorgerufen durch ständigen Umgang mit giftigen Chemikalien.
Einzigartig in der Welt: Kunstvolle, per Hand gemalte Verzierungen machen das Meißener Porzellan noch heute besonders wertvoll.
Wer im Labor den entscheidenden Beitrag zur Porzellanherstellung leistete, ist bislang nicht sicher - die Indizien sprechen für Tschirnhaus. Fest steht, dass es sich nicht um eine zufällige Entdeckung handelte. Dass Böttger ebenfalls Anteil am Erfolg hatte, ist nicht von der Hand zu weisen. Mit Sicherheit lässt sich sagen, beiden Forschern gebührt Ehre. Die Konsequenz: Wir müssen den Fokus auch auf Tschirnhaus richten. Oder, mit den Worten Reinhardts: "Soll am Ende der Undank und das Vergessen stehen?"
Claudia Unger (29.09.2006/aktualisiert 17.12.2009)
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Tradition in Meißen
Am 23. Januar 2010 feiert die Porzellan-Manufaktur in Meißen Jubiläum: Exakt 300 Jahre zuvor gründete August der Starke per Dekret die Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur. Unter Administrator Johann Friedrich Böttger begann noch im gleichen Jahr die Produktion auf der Meißener Albrechtsburg.
Nur wenige Eingeweihte kannten das Rezept des Porzellans, um dessen Verbreitung und damit Konkurrenz zu unterbinden. Einer der Geheimnisträger aber, Samuel Stöltzel, brachte die Rezeptur nach Wien - seit 1718 wird im dortigen Augarten Porzellan hergestellt. Im Gegenzug gelang es den Meißenern 1720, den Wiener Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt nach Sachsen zu verpflichten. Dessen Dekore und Farben sollten weit über Meißen hinaus stilprägend werden.
Ab den 1730er Jahren stellte man in Meißen neben Prunk- und Schmuckgeschirr auch Formplastiken her: dekorative und repräsentative Miniaturen und Prunkfiguren für den Hof in Dresden. Bekanntester und einflussreichster Modelleur der Zeit war Johann Joachim Kaendler.
Die wirtschaftliche Situation der Manufaktur hing maßgeblich von der Finanzsituation der Fürstenhäuser ab - daher gab es immer wieder auch Krisen und finanzielle Schwierigkeiten zu überstehen. Im 100. Jahr ihres Bestehens hätte die Manufaktur beinahe geschlossen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte sie, auch dank des erstarkenden Bürgertums, einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zum Verkaufsschlager entwickelte sich das bereits 1730 entwickelte Zwiebelmuster, das in keinem bürgerlichen Haushalt fehlen durfte. Meißener Porzellan war auch auf den Weltausstellungen in London, Paris und Chicago vertreten. 1907 wurde der aus 25.000 bemalten Porzellanplatten bestehende Fürstenzug am Dresdner Schloss eingeweiht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten Gerätschaften und große Teile der Schausammlung der Manufaktur in die Sowjetunion (die Sammlung kehrte 1960 zurück); seit 1950 war die Produktionsstätte ein Volkseigener Betrieb. 1991 ging die Manufaktur über in die Hände des Freistaats Sachsen.
Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH beschäftigt heute rund achthundert Mitarbeiter und ist in etwa dreißig Ländern mit eigenen Fachhändlern und Geschäften vertreten. Zu erkennen ist original Meißener Porzellan seit 1722 an seinem typischen Markenzeichen: den zwei gekreuzten Schwertern.
Am 23. Januar 2010 feiert die Porzellan-Manufaktur in Meißen Jubiläum: Exakt 300 Jahre zuvor gründete August der Starke per Dekret die Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur. Unter Administrator Johann Friedrich Böttger begann noch im gleichen Jahr die Produktion auf der Meißener Albrechtsburg.
Nur wenige Eingeweihte kannten das Rezept des Porzellans, um dessen Verbreitung und damit Konkurrenz zu unterbinden. Einer der Geheimnisträger aber, Samuel Stöltzel, brachte die Rezeptur nach Wien - seit 1718 wird im dortigen Augarten Porzellan hergestellt. Im Gegenzug gelang es den Meißenern 1720, den Wiener Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt nach Sachsen zu verpflichten. Dessen Dekore und Farben sollten weit über Meißen hinaus stilprägend werden.
Ab den 1730er Jahren stellte man in Meißen neben Prunk- und Schmuckgeschirr auch Formplastiken her: dekorative und repräsentative Miniaturen und Prunkfiguren für den Hof in Dresden. Bekanntester und einflussreichster Modelleur der Zeit war Johann Joachim Kaendler.
Die wirtschaftliche Situation der Manufaktur hing maßgeblich von der Finanzsituation der Fürstenhäuser ab - daher gab es immer wieder auch Krisen und finanzielle Schwierigkeiten zu überstehen. Im 100. Jahr ihres Bestehens hätte die Manufaktur beinahe geschlossen.
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Scherben bringen Glück
"Je mehr Pölte, je mehr Glück", so eine alte Volksweisheit. Der Brauch einen Polterabend am Vorabend der Hochzeit zu feiern, ist älter als die christlichen Zeremonien: Seit langer Zeit hält sich der Glaube, dass viel Geschrei und Lärm - das Poltern - böse Geister vertreibt, die das junge Glück zerstören wollen. Daher bringen die Gäste altes Geschirr mit und zerschlagen es vor der Tür des heiratswilligen Paares. Doch Vorsicht ist geboten: Es ist nur mit Porzellan oder Keramik zu poltern, keinesfalls mit Glas: das bringt Unglück!
"Je mehr Pölte, je mehr Glück", so eine alte Volksweisheit. Der Brauch einen Polterabend am Vorabend der Hochzeit zu feiern, ist älter als die christlichen Zeremonien: Seit langer Zeit hält sich der Glaube, dass viel Geschrei und Lärm - das Poltern - böse Geister vertreibt, die das junge Glück zerstören wollen. Daher bringen die Gäste altes Geschirr mit und zerschlagen es vor der Tür des heiratswilligen Paares. Doch Vorsicht ist geboten: Es ist nur mit Porzellan oder Keramik zu poltern, keinesfalls mit Glas: das bringt Unglück!



