Segen oder Fluch?
Länder wie Nigeria - das Volk arm, die Beamten korrupt, der Boden voll Schätze - haben meist kaum noch einen Ruf zu verlieren. Doch Reichtum an Rohstoffen kann sogar stabile Staaten an den Rand der Krise bringen.Erdöl, hier beim Veredeln, ist Reichtum vieler Nationen. Für die Völker aber ist oft nur Armut die Folge. Warum?
Reiche Böden, armes Volk
Nigeria mag als drastisches Beispiel taugen, ein Einzelfall ist es nicht. Ebenso wenig ist das Phänomen "reiche Böden, armes Volk" auf Ölförderländer beschränkt: "In Staaten wie Gabun, Surinam oder Sierra Leone, die vom Bergbau abhängig sind, schrumpfte die Wirtschaft laut Berechnungen der Weltbank in den 1990er Jahren um fast 11 Prozent, während sie weltweit um 17 Prozent wuchs", heißt es in dem Sammelband Der neue Kalte Krieg zur internationalen Rohstoffsituation.
Skrupellos bereichert
Lange Zeit galten multinationale Konzerne, allen voran die großen Ölgesellschaften, als Hauptschuldige an diesem Desaster. Inzwischen messen Fachleute die Schuld in erster Linie korrupten nationalen Administrationen zu. Da ist viel dran: Öl-Autokraten - sei es im Süden des einstigen sowjetischen Imperiums, in Äquatorialguinea oder im Sudan - widmen Einnahmen aus Rohstoffexporten skrupellos um in persönlichen Besitz für sich und ihre Machteliten. Erlöse fließen in Prunkbauten und überdimensionierte Militärapparate. Weitgehend verantwortlich für die Aufrechterhaltung des Armutsparadoxons so vieler rohstoffreicher Nationen aber ist ein globaler Zusammenhang.
Chinas dubiose Rolle
Es ist die von Jahr zu Jahr erbittertere Konkurrenz rohstoffverarbeitender - und immer rohstoffbedürftigerer - Volkswirtschaften um Ressourcen. Denn Korruption solchen Ausmaßes kann es ja nur geben, wenn Geld zur Verfügung steht, willig gezahlt von mächtigen Interessenten. Eine dubiose Rolle, gerade auf dem afrikanischen Kontinent, spielt China, dessen gigantisches Wirtschaftswachstum - 2006 allein zehn Prozent - enormen Rohstoffhunger induziert.
Arrangements mit Potentaten
Die Rivalität zu den USA, zu Europa, und neuerdings zu Indien, treibt nicht nur Preise nach oben, sie lässt auch jede ethische Schranke fallen: Arrangements mit Potentaten, so im ölreichen Sudan, sind an der Tagesordnung - sehr zum Ärger zum Beispiel der Vereinigten Staaten, die selbst ähnlich brutale Diktaturen, etwa in Turkmenistan, unterstützen. Auch Europa ist den Regeln des oft hemdsärmeligen Spiels unterworfen: Europas Bedarf - und spät erkanntes Nachholbedürfnis - artikuliert neben anderen Deutschlands Bundespräsident Horst Köhler, der fordert, deutsche Unternehmen sollten "die Chancen von Afrika jetzt entdecken".
"Rentenstaaten"
Welche Regime die großen Wirtschaftsmächte mit ihrem Rohstoffhunger am Leben erhalten, resultiert aus dem Geflecht geopolitischer Abhängigkeiten. Ob Einnahmen aus Rohstoffexporten aber überhaupt den Völkern rohstoffreicher Länder zugute kommen können, liegt an der Qualität nationaler Institutionen...
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Der Prozess ist gnadenlos:
Immer wird abgebaut, nie aufgebaut. Statistisch gesehen verbraucht jeder Deutsche im Laufe seines Lebens 225 Tonnen Kohle, 116 Tonnen Erdöl, 40 Tonnen Stahl, 1,1 Tonnen Kupfer und 200 Kilogramm Schwefel. Keiner dieser Rohstoffe wächst in nennenswertem Umfang nach. Somit ist klar, dass es Endpunkte geben muss.
Am simpelsten geht die Berechnung solcher Endpunkte so: Man teilt alle bekannten Reserven eines Rohstoffs durch das Jahresvolumen seines Verbrauchs - und erhält die so genannte statische Reichweite: mehr als 40 Jahre für Öl, 60 Jahre für Gas, zwei Jahrhunderte für Kohle. (Zahlen aus: Der neue Kalte Krieg)
Was so eindeutig klingt, ist es jedoch nicht. Denn seltsamerweise haben sich diese Zahlen in den zurückliegenden fünfzig Jahren kaum verändert. Ein Grund liegt in der Ökonomie: Steigen die Preise eines Rohstoffs, wird der Abbau von Lagerstätten sinnvoll, die bisher in die Schätzung der Ressourcen nicht einbezogen waren.
Oder es ändert sich der Verbrauch, wie beim Kupfer, dessen Bedeutung rapid abgenommen hat. Oder neue Methoden der Exploration führen zur Entdeckung neuer Lagerstätten. Allzu "exakte" Prognosen sollte man also skeptisch betrachten. Andererseits: nicht nachwachsende Rohstoffe gehen zu Ende. Das ist Fakt.
Immer wird abgebaut, nie aufgebaut. Statistisch gesehen verbraucht jeder Deutsche im Laufe seines Lebens 225 Tonnen Kohle, 116 Tonnen Erdöl, 40 Tonnen Stahl, 1,1 Tonnen Kupfer und 200 Kilogramm Schwefel. Keiner dieser Rohstoffe wächst in nennenswertem Umfang nach. Somit ist klar, dass es Endpunkte geben muss.
Am simpelsten geht die Berechnung solcher Endpunkte so: Man teilt alle bekannten Reserven eines Rohstoffs durch das Jahresvolumen seines Verbrauchs - und erhält die so genannte statische Reichweite: mehr als 40 Jahre für Öl, 60 Jahre für Gas, zwei Jahrhunderte für Kohle. (Zahlen aus: Der neue Kalte Krieg)
Was so eindeutig klingt, ist es jedoch nicht. Denn seltsamerweise haben sich diese Zahlen in den zurückliegenden fünfzig Jahren kaum verändert. Ein Grund liegt in der Ökonomie: Steigen die Preise eines Rohstoffs, wird der Abbau von Lagerstätten sinnvoll, die bisher in die Schätzung der Ressourcen nicht einbezogen waren.
Oder es ändert sich der Verbrauch, wie beim Kupfer, dessen Bedeutung rapid abgenommen hat. Oder neue Methoden der Exploration führen zur Entdeckung neuer Lagerstätten. Allzu "exakte" Prognosen sollte man also skeptisch betrachten. Andererseits: nicht nachwachsende Rohstoffe gehen zu Ende. Das ist Fakt.



