Entsorgung ohne Skrupel
Lebensgefährlich sind die Bedingungen in indischen oder chinesischen Betrieben, wo Arbeiter giftigen Elektroschrott westlicher Provenienz "recyceln".Heute Supercomputer, morgen bereits Elektroschrott: Mega-Rechner Columbia der NASA. (Bild: NASA Ames Research Center/Tom Trower)
Elektroschrottberge
Wer ökologisch korrekt handeln will, gibt sein Altgerät zur Wiederverwertung. Mittlerweile ist das sogar Gesetz: Durch die Umsetzung zweier EU-Richtlinien in nationales Recht sind die Hersteller elektronischer Geräte von März 2006 an verpflichtet, ihre Produkte kostenlos zurückzunehmen und zu recyceln. So soll verhindert werden, dass bald Berge von Fernsehern, Handys, CD-Spielern und Computern die Deponien überlasten. Andernfalls droht der Kollaps: Zwischen 1992 und 2000 hat sich das Aufkommen von Elektronik- Altgeräten in Deutschland fast verdoppelt, von 1.188.000 auf 2.099.000 Tonnen. Aber nicht nur das schiere Volumen ist bedenklich, die ehemalige Hightech setzt auch noch giftige Schwermetalle frei: Schon heute stammen rund 40 Prozent des Bleis auf Deponien vom Elektroschrott.
Teure Wiederverwertung
Recycling ist daher die einzige Lösung. Doch die Wiederverwertung beispielsweise von Laptops gestaltet sich kompliziert und zeitraubend. Sollen die winzigen Bauteile sauber separiert werden, kann auf Handarbeit nicht verzichtet werden - was den Vorgang extrem verteuert. Wenig überrascht es da, dass manch ebenso findiger wie skrupelloser Unternehmer in der Vergangenheit den Elektromüll lieber in Entwicklungsländer verschiffte. Auf diese Weise konnte er doppelt kassieren: Einmal in der Heimat, wo er fürs Abholen bezahlt wurde, ein andermal im Zielland, wo ihm ortsansässige "Recycling-Betriebe" die Ware abnahmen.
Platinen, Transistoren und Halbleiterchips stecken voller Schwermetalle.
Um den transnationalen Handel mit gefährlichem Müll einzudämmen, einigten sich 166 Staaten 1989 auf das Basler Übereinkommen. Dieses regelt und kontrolliert die Entsorgung von Sonderabfällen und verbietet weitgehend deren Verschickung ins Ausland. Zwar kommt es noch immer zu illegalen Abfallexporten, doch konnte deren Anzahl deutlich reduziert werden. Ein Wermutstropfen ist indes, dass die USA zwar zu den Signatarmächten gehören, den Vertrag anschließend aber nicht ratifizierten. Infolge dieser Politik verschiffen Müllhändler weiterhin fleißig Elektroschrott von Amerika nach Asien - dorthin, wo Arbeitskräfte billig sind und Sozial- und Umweltstandards fast völlig fehlen.
Genaue Zahlen fehlen
Zwischen 50 und 80 Prozent des gesamten in den Vereinigten Staaten gesammelten Elektromülls landen meist in China, Indien und Pakistan. Genaue Zahlen kennt niemand, doch gehen Studien allein von 325 Millionen PCs aus, die im Jahr 2005 in den USA weggeworfen werden. Mindestens 160 Millionen Altcomputer dürften demnach die Reise nach Asien antreten - und mit ihnen ihre zum Teil höchst gefährlichen Inhaltsstoffe. Diesen Giften sind die Arbeiter in asiatischen Verwertungsbetrieben unentwegt ausgesetzt. Ohne Schutzanzüge wird mit Säuren hantiert, Plastik einfach verbrannt; Atemmasken trägt hier keiner: Feinstaub und ätzende Dämpfe gelangen in Nase, Mund und Lungen. Auch die Natur wird in Mitleidenschaft gezogen: Jüngst ermittelte Greenpeace in der Umgebung solcher Schrottplätze eine vielfach höhere Belastung mit Schwermetallen.
Keine Wahl
Den Menschen in den Entwicklungsländern bleibt kaum eine Wahl. Sie riskieren ihre Gesundheit, um überhaupt Arbeit zu haben. Eigentliche Nutznießer - neben den Müllschiebern - waren bislang die Elektronikkonzerne, die sich um Alternativen zu Schadstoffen wie Blei, Chrom, Quecksilber und Kadmium kaum Gedanken machen mussten; die Entsorgung ging sie ja nichts an. Mit Implementierung der EU-Richtlinien in den Mitgliedsstaaten soll das anders werden. Doch hilft dieser Schritt allein wenig, die Überschwemmung Chinas, Indiens und Pakistans mit Elektroschrott zu stoppen. Denn solange sich die USA nicht entschließen, wirksam gegen den Export vorzugehen, wird weiterhin Containerschiff um Containerschiff voll mit kaputten Monitoren, Rechnern und Platinen die asiatischen Häfen ansteuern.
Kai Müller (01.09.2005)
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Am 24. März 2005...
trat das neue Elektro- und Elektronikaltgerätegesetz in Kraft. Nach einer Vorlaufzeit von einem Jahr müssen seit dem 24. März 2006 alle Elektrogeräte vom Hersteller gebührenfrei zurückgenommen und recycelt werden.
Der Verbraucher hat die Pflicht, sein Altgerät bei der kommunalen Sammelstelle abzugeben. Auch ist der Schadstoffgehalt der Produkte gesenkt worden: Seit 1. Juli 2006 ist der Einsatz vieler gefährlicher Substanzen verboten.
trat das neue Elektro- und Elektronikaltgerätegesetz in Kraft. Nach einer Vorlaufzeit von einem Jahr müssen seit dem 24. März 2006 alle Elektrogeräte vom Hersteller gebührenfrei zurückgenommen und recycelt werden.
Der Verbraucher hat die Pflicht, sein Altgerät bei der kommunalen Sammelstelle abzugeben. Auch ist der Schadstoffgehalt der Produkte gesenkt worden: Seit 1. Juli 2006 ist der Einsatz vieler gefährlicher Substanzen verboten.



