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Wasser

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Vom schnellen Geld
Cross-Border-Leasing (CBL) nennt sich ein Geschäftsmodell, mit dem viele deutsche Kommunen inzwischen Millionenverluste machen. Durch eine Gesetzeslücke in den USA sparten US-amerikanische Firmen bis 2004 Steuern, wenn sie im Ausland investierten. In der Folge boten Investoren deutschen Kommunen an, ihre Wasserwerke, -leitungsnetze, Straßenbahnen oder Busse zu kaufen und für 99 Jahre sofort zum Verkaufspreis zurück zu leasen.

Die Investoren machten dabei Gewinn durch Steuernachlässe in den USA, die deutschen Kommunen sollten als Anreiz einen Prozentsatz der eingesparten Steuern beim Verkauf ausgezahlt bekommen. So verkaufte beispielsweise Leipzig 2003 sein Trinkwassernetz, Wert: 630 Millionen Dollar, und bekam 23 Millionen ausgezahlt. Tübingen bekam 2002 für sein Wasserleitungsnetz, Wert: 841 Millionen Dollar, 35 Millionen ausgezahlt.

Die Investoren blieben geheim, Anwälte wickelten die Verträge ab, die teilweise über 1.500 Seiten dick sind, allesamt in New York aufbewahrt werden und von den Entscheidern in den Kommunen mitunter noch nicht einmal gelesen wurden. Ihre Zustimmung basierte auf einer kurzen, ins Deutsche übersetzten Zusammenfassung - und der Aussicht auf schnelles Geld.

Mit der Finanzkrise kamen die Probleme: Der amerikanische Versicherer AIG fiel als Sicherheitsgarant für die Verträge aus, die deutschen Kommunen trifft es nun direkt. Sie müssen jetzt Rücklagen in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro bilden oder kostenpflichtig neue Banken auftreiben.

Das schnelle Geld vom Vertragsabschluss ist längst von plötzlich nötigen Beratern, Betreuern und Verwaltern aufgebraucht. Hinzu kommt, dass sämtliche Wasserwerke und -leitungen (in vielen Städten, wie beispielsweise Leipzig, inzwischen auch Straßenbahnen, Schulen, Kliniken und Stromnetze) den Investoren gehören. Die Kommunen dürfen ohne Erlaubnis nichts erneuern, stilllegen oder auch nur irgendetwas verändern.

Der Verband der Landeswasserversorgung Baden-Württemberg und der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung haben sich daher 2009 für 90 Millionen Euro aus ihren Wassernetz-Leasingverträgen freigekauft. Insgesamt ein Verlustgeschäft von über zehn Millionen Euro. Auch zahlreiche andere Kommunen und staatliche Verbände machen mittlerweile Millionenverluste. Das blind gekaufte Füllhorn hat sich als Loch ohne Boden erwiesen.
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