Detail aus der Sixtinischen Madonna von Rafaello Santi (1513).
Malerische Vorstellung
Unsere Vorstellung von Engeln beziehen wir eher aus der bildenden Kunst. Maler aller Epochen haben seit dem Konzil von Nikäa im Jahr 325, auf dem die Kirche das Erschaffen von Bildern gestattete, versucht, Engel auf die unterschiedlichste Art und Weise abzubilden.
Ritter, Frauen, Spielgesellen
In der christlich-antiken Kunst werden Engel zumeist als einfache Männer dargestellt, oft mit Bart und in römischer Tracht. Erst seit dem fünften Jahrhundert bekommen Engel mächtige Flügel, dazu einen Heiligenschein, den so genannten Nimbus.
Diese Abbildungsweise hält bis ins dreizehnte Jahrhundert. Seitdem sind Engel vor keiner Veränderung mehr sicher: Sie werden zu Rittern, Priestern, Frauen oder Kindern, als Spielgesellen des Christuskindes, stilisiert. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt der Putto dar.
Nackter, pummeliger Schelm
Von der italienischen Frührenaissance an hat er das Bild des Engels bis in die heutige Zeit bestimmt: Ein kleiner oft nackter, pummeliger Schelm, teils mit, teils ohne Flügel. Aus den Darstellungen des Barock und des Rokoko ist er genauso wenig wegzudenken, wie von Geschenkartikeln und Weihnachtskarten.
Weihnachtliche Zierde
Auch die Aufgaben haben sich gewandelt. In der modernen Welt bleibt kein Platz mehr für die Boten Gottes und Wächter des Gartens Eden. Engel verteilen auf dem Weihnachtsmarkt Plätzchen, zieren Glühweinflaschen und spielen mit goldenem Haar O Tannenbaum auf der Blockflöte. Sie stehen am Heiligabend neben der Krippe des Jesukindes - und den Rest des Jahres haben sie frei.
Fassaden-Engel: eine Figur aus dem Film Der Himmel über Berlin schaut von einer Metrostation.
Durch Aufklärung und Positivismus hat sich in unserer Zeit nur ein eingeschränktes Bild der Engel erhalten. Kaum einer glaubt mehr an ihre Existenz und wenn, dann nur so lange, bis er bemerkt hat, dass der Weihnachtsmann ein Bekannter der Eltern ist.
Zwischen Verehrung und Vermarktung
Von der Kirche geduldet, von den Menschen hin und wieder um Hilfe und Schutz gebeten, fristen Engel heute ein Dasein zwischen liturgischer Aufgabe, esoterischer Verehrung und strategischer Vermarktung - verkommen vom immateriellen Wesen zum Ausdruck platten Materialismus: dem kitschigen Sammlerstück.
Susanne Fetter (18.11.2004)
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Infobox
Film und Fernsehen haben die Figur des Engels nicht erst gestern für sich entdeckt: Ob in amerikanischen Mysterieserien, wie Akte X und Millennium oder in Hollywood-Streifen, wie Gods Army und City of Angels, Engel spielten bereits in vielen Produktionen die Hauptrolle. Ebenso hat sich der deutsche Nachkriegsfilm ihrer angenommen. In Ein Engel auf Erden führt Romy Schneider einen Autorennfahrer auf den richtigen Weg und Bruno Ganz, alias Engel Damiel, entscheidet sich in Der Himmel über Berlin, für die Liebe seine Unsterblichkeit zu opfern. Dargestellt werden Engel als Boten, Krieger, Beschützer, Gefährten oder Liebende. Auch gefallene Engel sind ein beliebtes Motiv, wie etwa in Dogma, dem Kultfilm von Kevin Smith.


