Alles nur Kommerz?
Wer fastet, verspricht sich davon geistiges und körperliches Wohlbefinden. Kritiker meinen, gesundheitliche Risiken werden häufig unterschätzt.Fasten liegt im Trend. Mit Aussagen wie "Fasten ist der Schlüssel zu Körper und Geist" oder auch "Fasten entgiftet" überzeugen zahlreiche Fastenkliniken und Ärzte. Gesundheitsbewusste verzichten freiwillig auf Nahrung und Genussmittel. Das Geschäft mit dem Verzicht lohnt.
Zum Wohle der Gesundheit?
Aus der religiösen Tradition hat sich das Fasten zu einer Massenbewegung entwickelt. Das Angebot mehrwöchiger Kuren in speziellen Kliniken - mitunter mehrere tausend Euro teuer - nehmen immer mehr Menschen an. Auch die Variante des Heim-Fastens erfreut sich besonders im Frühjahr großer Beliebtheit. Gründe gibt es viele: Das Spektrum reicht von schnellem Gewichtsverlust bis zu dauerhaftem Wohlbefinden.
Gefährliches Halbwissen
Eine Entwicklung, die Ernährungswissenschaftler mit Sorge beobachten. Ihre Kritik richtet sich dabei unter anderem gegen die Theorie der Entschlackung. Der Begriff "Schlacke" verallgemeinert komplexe Zusammenhänge und führt zu Irrtümern, wissen Mediziner heute (siehe Infobox). Der Stoffwechsel eines gesunden Menschen ist in der Lage, zugeführte Nahrung komplett zu verwerten sowie entstehende Abbauprodukte über Nieren, Leber und Atmung auszuscheiden. Der Körper entgiftet sich im Rahmen seiner Toleranzbereiche von selbst.
"Innere" Ernährung
Der Nutzen regelmäßiger Fastenkuren ist nicht erwiesen, dafür aber ihre gesundheitlichen Folgen: Durch die fehlende Nährstoffzufuhr schaltet der Körper den sogenannten Hungerstoffwechsel ein und greift auf körpereigene Reserven zurück. Laut Fastenärzten beginnt hier der Selbstreinigungsprozess des Körpers.
Das Verdauungssystem funktioniert über längere Zeit auch ohne Nahrung. Aber wie gesund ist so etwas wirklich?
Nicht ohne ärztliche Kontrolle
Ist Fasten also Raubbau am eigenen Leib? Nicht unbedingt: Bei Übergewicht kann modifiziertes Fasten sinnvoll sein. Im Unterschied zur Nulldiät werden dem Körper gezielt Eiweiße, Kohlenhydrate oder Fette zugeführt. Der nötige Energiehaushalt ist gesichert, der JoJo-Effekt nach dem Fasten bleibt aus. Ohne Zusätze führt der Verlust an Muskelmasse zu einem sinkenden Energiebedarf. Der bleibt auch niedrig, wenn man wieder isst - statt Muskulatur bildet sich deshalb Fett. Ohne ärztliche Kontrolle sollte nicht länger als zwei Wochen gefastet werden.
Positive Impulse
Auch wenn es für den Nahrungsverzicht keine medizinische Notwendigkeit gibt, wirkt kontrolliertes Fasten positiv. Der Verzicht auf Fleisch, Alkohol, Zigaretten und Süßigkeiten gibt einen Impuls zur schärferen Wahrnehmung des Körpers und zu einem gesunden Lebensstil.
Ulrike Wolf (aktualisiert am 21.02.2011)
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Infobox
Was ist Schlacke?
Otto Buchinger (1878 bis 1966), der Erfinder des Buchinger Heilfastens, verwendete 1935 erstmals die Metapher der Entschlackung. Gemeint sind damit alle gesundheitsfördernden Vorgänge im fastenden Körper. Das Wort Schlacke entlehnte der Darmstädter Arzt aus der Metallindustrie, wo es die Rückstände in Kohleöfen meint. In der Medizin kommt die Bezeichnung nicht vor. Heute wissen Ärzte, was sich dahinter verbirgt.
Körperfett, vor allem Bauchfett, sowie Cholesterin und überschüssiges Insulin gehören zu den überflüssigen Stoffen, die beim Fasten abgebaut werden. Störendes, wie zu viel Harnsäure im Blut oder im Fett eingelagerte Antigen-Antikörper-Komplexe, werden ebenso ausgeschieden. Als Drittes zählen entzündungsfördernde Substanzen, langkettige Zucker-Eiweiß-Verbindungen und erhöhte Hormonwerte zur schädlichen Gruppe.
Überflüssiges, Störendes, Schädliches: Das ist es, was der Volksmund als Schlacke bezeichnet. Fasten kann das Vorkommen solcher Stoffe regulieren. Aber nur wer einen Arzt konsultiert, findet die richtige Art des Fastens - des "Entschlackens" - für sich.
Otto Buchinger (1878 bis 1966), der Erfinder des Buchinger Heilfastens, verwendete 1935 erstmals die Metapher der Entschlackung. Gemeint sind damit alle gesundheitsfördernden Vorgänge im fastenden Körper. Das Wort Schlacke entlehnte der Darmstädter Arzt aus der Metallindustrie, wo es die Rückstände in Kohleöfen meint. In der Medizin kommt die Bezeichnung nicht vor. Heute wissen Ärzte, was sich dahinter verbirgt.
Körperfett, vor allem Bauchfett, sowie Cholesterin und überschüssiges Insulin gehören zu den überflüssigen Stoffen, die beim Fasten abgebaut werden. Störendes, wie zu viel Harnsäure im Blut oder im Fett eingelagerte Antigen-Antikörper-Komplexe, werden ebenso ausgeschieden. Als Drittes zählen entzündungsfördernde Substanzen, langkettige Zucker-Eiweiß-Verbindungen und erhöhte Hormonwerte zur schädlichen Gruppe.
Überflüssiges, Störendes, Schädliches: Das ist es, was der Volksmund als Schlacke bezeichnet. Fasten kann das Vorkommen solcher Stoffe regulieren. Aber nur wer einen Arzt konsultiert, findet die richtige Art des Fastens - des "Entschlackens" - für sich.
Infobox
Das Fasten-High
Fastende schildern häufig folgendes Phänomen: Nahrungsverzicht und die Umstellung des Körpers auf Selbstversorgung erzeugen in den ersten Fastentagen eine eher melancholische Grundstimmung. Doch kurz darauf regen sich schöpferische Kräfte.
Fasten fördert die Wahrnehmung und führt zu gesteigerter Aufnahmefähigkeit, Kreativität und einer Schärfung der Sinne. Weil das Gehirn vermehrt den Glücksbotenstoff Serotonin ausschüttet, kommt es zu einem Zustand innerer Harmonie. Der Fastende träumt intensiver, fühlt sich auch schon nach kurzem Schlaf erholt und wird gelassener. Zudem hebt der geistige "Sieg" über den Körper das Selbstwertgefühl.
Fastende schildern häufig folgendes Phänomen: Nahrungsverzicht und die Umstellung des Körpers auf Selbstversorgung erzeugen in den ersten Fastentagen eine eher melancholische Grundstimmung. Doch kurz darauf regen sich schöpferische Kräfte.
Fasten fördert die Wahrnehmung und führt zu gesteigerter Aufnahmefähigkeit, Kreativität und einer Schärfung der Sinne. Weil das Gehirn vermehrt den Glücksbotenstoff Serotonin ausschüttet, kommt es zu einem Zustand innerer Harmonie. Der Fastende träumt intensiver, fühlt sich auch schon nach kurzem Schlaf erholt und wird gelassener. Zudem hebt der geistige "Sieg" über den Körper das Selbstwertgefühl.



