Corpus Delicti
Vom ursprünglichen Sinn als Buße ist das moderne Fasten scheinbar weit entfernt. Dem Körper Gutes tun, lautet nun das Ziel. Aber, büßt der Körper dabei nicht auch heute noch für begangene Sünden?Eva reicht Adam den Apfel, und der beißt hinein: Essen als ein Ursprung der Sünde. Den Sündenfall malte 1592 Cornelis van Haarlem.
Identische Motive
Wer seinen Körper liebt, tut ihm Gutes. Auf diese einfache Formel lässt sich die Motivation der modernen Fastenbewegung bringen. Mit dem anfänglichen Sinn des Fastens - als Akt der Buße für begangene Sünden - hat solche Einstellung oberflächlich betrachtet kaum mehr etwas gemein. Bei genauem Hinschauen jedoch stellt sich eine überraschende Tatsache heraus: Die Gründe, den eigenen Körper zu malträtieren, sind damals wie heute letztlich gleich.
Ritualisierter Akt der Sühne
Es handelt sich um genau jene Motive, welche die Menschen schon in der Antike dazu veranlasst haben, für eine gewisse Zeit auf Nahrung zu verzichten, sich irdischen Genüssen zu versagen. Auch wenn der neue Körperkult das Gegenteil vermuten lässt: Fasten resultiert nicht aus Achtung vor dem Körper, sondern ist auch heute noch ein ritualisierter Akt der Sühne.
Der Biss in den Apfel: auch heute noch die übliche Methode des Fastenbrechens. Ab jetzt beginnt wieder das sündige irdische Leben.
Gefängnis der Seele
Denn die christliche Religion war und ist beherrscht vom Leib-Seele-Gegensatz. Jener Glaube, der Körper sei Repräsentant des Niedrigen und des Schlechten, basiert auf dem platonischen Verständnis vom Körper als "Gefängnis der Seele" - nur unabhängig von der materiellen Hülle könne sich die Seele frei entfalten. Die Verbannung der Seele in den Leib dagegen wird als sündhaft verstanden.
Schon in der Antike glaubte man, der Genuss von Fleisch gewähre dem Bösen Macht über den Körper. Auf dem Weg der Läuterung und der Erlösung, also der Befreiung der Seele, sei er deshalb ein Hindernis. Mit dem Verzicht auf fleischliche Nahrung erhoffte man sich ein Heraustreten aus der Verkörperung. Fasten diente nicht nur symbolisch als Mittel, den eigenen Körper und seine Begierden zu beherrschen.
Unreines Fleisch
Die Körperfeindlichkeit entwickelte sich zur Lustfeindlichkeit. Nahrungsaufnahme wurde nun gleichgesetzt mit Sexualität: Resultierte die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies nicht aus dem Verlust des Willens? Der Genuss eines Apfels symbolisierte den Verstoß gegen das Gebot der Enthaltsamkeit - eine Sünde, die seitdem jeder Mensch potenziell in sich trägt: Das Fleisch, also der Körper, ist nicht nur eine Bedrohung für den Geist; es ist auch der Sünde zugeneigt und damit unrein.
Magersucht: Nahrungsverweigerung als Akt der Selbstbestimmung?
Auf dem Hintergrund dieses Körperbildes entstand eine besondere Form weiblichen Fastens: der Versuch, den unreinen Körper durch geistige Nahrung zu erlösen, ihn für andere unerreichbar zu machen. Im Streben nach Jungfräulichkeit, wo ewige Unschuld an die Stelle von Sündhaftigkeit treten soll, wurde das radikale Fasten zum sichtbaren Zeichen sexueller Enthaltsamkeit.
Den eigenen Körper beherrschen, sich selbst genügen, von anderen und vom Körper unabhängig sein - diese Motive lassen sich ohne Probleme auch auf die wohl extremste Verirrung modernen Körperkults übertragen: die Magersucht. Nahrungsverweigerung erscheint als ein Akt der Selbstbestimmung. Dabei verweist das unterdrückte Begehren nach Nahrung meist auf den Hunger nach etwas ganz anderem, zum Beispiel nach Zuwendung, Anerkennung und Liebe.
Ulrike Wolf (aktualisiert 21.02.2011)
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Fasten im Islam
Auch unter Muslimen gilt Fasten als gottgefällige, segensreiche Handlung. Hier bildet es die so genannte Vierte Säule des Islam. Alle gläubigen Muslime sind dazu verpflichtet. Zeit des Fastens ist der Monat Ramadan, da hier die Offenbarung des Koran an den Propheten Mohammed begann.
Die tägliche Fastenzeit umfasst die Zeit des Tageslichts. Dabei haben sich die Gläubigen jeder Nahrungsaufnahme, sowohl Speisen als auch Flüssigkeiten, zu enthalten. Unter das grundsätzliche Verbot fallen auch sinnliche Befriedigungen, zum Beispiel Parfum, Tabak und Geschlechtsverkehr. Sich während des Fastens mit dem Koran zu beschäftigen, wird als besonders verdienstvoll angesehen. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte die erste Speise aus Datteln und Wasser bestehen, bevor in der Nacht wieder all jenes erlaubt ist, was am Tage zu unterlassen war.
Wie bei allen religiösen Pflichten erfährt sich der Muslim auch beim Fasten als Teil einer Gemeinschaft: So gilt der Monat Ramadan nicht nur als Zeit der Vergebung Allahs für die Sünden des Einzelnen, sondern auch als Zeit der Versöhnung zwischen den Menschen.
Auch unter Muslimen gilt Fasten als gottgefällige, segensreiche Handlung. Hier bildet es die so genannte Vierte Säule des Islam. Alle gläubigen Muslime sind dazu verpflichtet. Zeit des Fastens ist der Monat Ramadan, da hier die Offenbarung des Koran an den Propheten Mohammed begann.
Die tägliche Fastenzeit umfasst die Zeit des Tageslichts. Dabei haben sich die Gläubigen jeder Nahrungsaufnahme, sowohl Speisen als auch Flüssigkeiten, zu enthalten. Unter das grundsätzliche Verbot fallen auch sinnliche Befriedigungen, zum Beispiel Parfum, Tabak und Geschlechtsverkehr. Sich während des Fastens mit dem Koran zu beschäftigen, wird als besonders verdienstvoll angesehen. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte die erste Speise aus Datteln und Wasser bestehen, bevor in der Nacht wieder all jenes erlaubt ist, was am Tage zu unterlassen war.
Wie bei allen religiösen Pflichten erfährt sich der Muslim auch beim Fasten als Teil einer Gemeinschaft: So gilt der Monat Ramadan nicht nur als Zeit der Vergebung Allahs für die Sünden des Einzelnen, sondern auch als Zeit der Versöhnung zwischen den Menschen.
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Fasten im Judentum
Das Judentum kennt sechs Fastentage. Zum Fasten angehalten sind gläubige Frauen ab dem 12. und gläubige Männer ab dem 13. Lebensjahr. Ausnahmen gelten für Schwangere, Kinder und Kranke. Die Fastenzeit beginnt meist mit Sonnenaufgang und endet eine Stunde nach Sonnenuntergang. Während dieser Zeit wird nicht gegessen und nicht getrunken.
Im Frühherbst, zwei Tage nach dem jüdischen Neujahr, begeht die jüdische Gemeinde das Fasten an Zom Gedaljah. Damit erinnert sie an Gedaljah, einen Ermutiger und Förderer des Judentums im Exil, der von seinen Feinden ermordet wurde.
Gefastet wird auch am ersten Schabbat des Jahres: Jom Kippur. Juden danken dann der Vergebung der Sünden und feiern die Versöhnung mit Gott. Zum 25stündigen Fasten gehört, sich nicht zu waschen und nicht die Kleidung zu wechseln. Auch Sex ist nicht erlaubt. Das Fasten endet mit einem feierlichen Nachtmahl.
Die weiteren vier Fastentage gedenken der Geschehnisse um die Zerstörungen des Tempels in Jerusalem, zuerst am 10. Tewet. Mit der Belagerung durch den babylonischen König Nebukadnezar begann an diesem Tag die Zerstörung Jerusalems und die Vertreibung der Juden im 6. Jahrhundert v. Chr.
Es folgt im Frühling, zu Ta'anit Esther, ein Fastentag in Gedenken an Esther: Als jüdische Gemahlin des persischen Königs bewahrte sie das Judentum im babylonischen Exil vor der Vernichtung durch den Prinzen Haman 356 v. Chr. Diesen Erfolg feiern Juden am Tag nach dem Fasten, Purim, mit ausgiebigem Essen und Trinken.
Die letzten Fastentage liegen im Sommer: der 17. Tammus und der 9. Aw. Sie bilden Anfang und Ende der Drei Wochen und erinnern an die genauen Tage der Zerstörungen des Tempels. Der 9. Aw ist ein besonderer Trauertag und wird ähnlich wie Jom Kippur reglementiert. Das Fasten beginnt mit dem Sonnenuntergang des Vortags und Strenggläubige sitzen vom Morgen bis zum Mittag nur auf dem Boden. Getrauert wird bis zum Mittag des 10. Aw.
Das Judentum kennt sechs Fastentage. Zum Fasten angehalten sind gläubige Frauen ab dem 12. und gläubige Männer ab dem 13. Lebensjahr. Ausnahmen gelten für Schwangere, Kinder und Kranke. Die Fastenzeit beginnt meist mit Sonnenaufgang und endet eine Stunde nach Sonnenuntergang. Während dieser Zeit wird nicht gegessen und nicht getrunken.
Im Frühherbst, zwei Tage nach dem jüdischen Neujahr, begeht die jüdische Gemeinde das Fasten an Zom Gedaljah. Damit erinnert sie an Gedaljah, einen Ermutiger und Förderer des Judentums im Exil, der von seinen Feinden ermordet wurde.
Gefastet wird auch am ersten Schabbat des Jahres: Jom Kippur. Juden danken dann der Vergebung der Sünden und feiern die Versöhnung mit Gott. Zum 25stündigen Fasten gehört, sich nicht zu waschen und nicht die Kleidung zu wechseln. Auch Sex ist nicht erlaubt. Das Fasten endet mit einem feierlichen Nachtmahl.
Die weiteren vier Fastentage gedenken der Geschehnisse um die Zerstörungen des Tempels in Jerusalem, zuerst am 10. Tewet. Mit der Belagerung durch den babylonischen König Nebukadnezar begann an diesem Tag die Zerstörung Jerusalems und die Vertreibung der Juden im 6. Jahrhundert v. Chr.
Es folgt im Frühling, zu Ta'anit Esther, ein Fastentag in Gedenken an Esther: Als jüdische Gemahlin des persischen Königs bewahrte sie das Judentum im babylonischen Exil vor der Vernichtung durch den Prinzen Haman 356 v. Chr. Diesen Erfolg feiern Juden am Tag nach dem Fasten, Purim, mit ausgiebigem Essen und Trinken.
Die letzten Fastentage liegen im Sommer: der 17. Tammus und der 9. Aw. Sie bilden Anfang und Ende der Drei Wochen und erinnern an die genauen Tage der Zerstörungen des Tempels. Der 9. Aw ist ein besonderer Trauertag und wird ähnlich wie Jom Kippur reglementiert. Das Fasten beginnt mit dem Sonnenuntergang des Vortags und Strenggläubige sitzen vom Morgen bis zum Mittag nur auf dem Boden. Getrauert wird bis zum Mittag des 10. Aw.



