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Friedhöfe

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Komplett für die Auferstehung
Eine naheliegende Lösung der am Beginn der Neuzeit erstmalig auftretenden Hygiene- und Raumprobleme innerstädtischer Friedhöfe wäre die Feuerbestattung gewesen. Doch die christliche Kirche lehnte Feuerbestattungen damals rigoros ab. Warum war das so? Ein wichtiges Element des Glaubens ist die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag. Damit ist keineswegs nur die Auferstehung der Seele gemeint, das Konzept schließt die körperliche Auferstehung ein. Im naiven, wörtlichen Verständnis, wie es während des Mittelalters dominierte, zerstört aber Einäscherung den Körper unwiderruflich und steht damit der Auferstehung entgegen. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, im Zuge zunehmender Verweltlichung auch der Friedhofskultur, wurden Feuerbestattungen langsam populär.

Das hing zusammen mit dem Erstarken des städtischen Proletariats, welches nach kostengünstigen Bestattungsmöglichkeiten suchte, sowie mit dem Aufkommen von Freidenkervereinen, die sich von christlichen Bestattungsriten und vom Konzept der Auferstehung bewusst distanzierten. 1871 ging in Deutschland das erste Krematorium in Betrieb. 1905 gründete sich der Verein Freidenker für Feuerbestattung. Und 1964 - nachdem in städtischen Gebieten längst die Mehrzahl der Begräbnisse Feuerbestattungen waren - wurde auch im katholischen Kirchenrecht das Verbot der Einäscherung aufgehoben. Gebunden ist die Aufhebung des Verbots allerdings an den Grundsatz, dass damit nicht der Glaube an die Auferstehung verleugnet werden darf.